1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Bonn: Kirchen läuten zum Advent die Glocken

Vorweihnachtsstimmung trotz Corona : Kirchen in Bonn läuten zum Advent die Glocken

In Corona-Zeiten kann es schwerfallen, in besinnliche Stimmung zu kommen. Deswegen lassen die Kirchen in der Bonner Innenstadt immer zu Adventssamstag ihre Glocken läuten. Am Münster spielt ein Blasquartett.

Diese Adventszeit wird anders, ruhiger: Keine Weihnachtsmärkte und kein Gedränge, vergleichsweise weniger Kunden in den Geschäften, dafür aber eventuell Schlangestehen in der Kälte.

Um die Bonner trotzdem in Adventsstimmung zu versetzen, hat sich die Stadtkirche mit der Kreuzkirchengemeinde und den Altkatholiken etwas Besonderes einfallen lassen. Jeden Adventssamstag gegen 17.30 Uhr sollen die Glocken der Kirche Sankt Remigius, der Kreuz- und der Namen-Jesu-Kirche läuten. Weil die Glocken des Bonner Münsters aufgrund der dort stattfindenden Bauarbeiten zurzeit nicht erklingen können, spielt stattdessen um 17 Uhr ein Blasquartett mit ehemaligen Schülern des Kardinal-Frings-Gymnasiums Adventslieder vom Baugerüst für die Passanten.

„Wir wollen mit der Aktion den Menschen ein Stück Heimat schenken und sie in Adventsstimmung bringen“, erklärte Münsterorganist Markus Karas. In dieser schweren Zeit müsse die Kirche den Menschen solche kulturellen und spirituellen Angebote machen. „Es ist sehr wichtig für uns, dass die Menschen bei uns Kraft tanken können“, so Karas weiter. Man spüre, dass die Bürger das Bedürfnis nach offenen Kirchen hätten. Stadtdechant Wolfgang Picken ergänzte, man wolle den Menschen auch die Möglichkeit geben, gemeinsam innezuhalten.

Dieses Bedürfnis war auch am Vorabend des ersten Advents auf dem Münsterplatz zu spüren. Viele Passanten blieben stehen und lauschten klassischen Adventsliedern wie „Macht hoch die Tür“ oder „Wir sagen euch an den lieben Advent“ – mit Maske und nötigem Abstand zueinander. Darunter war auch Angela Löke. „Ich finde diese Idee wunderbar. Die Musik läutet die Adventszeit so schön ein“, sagte sie. Trotz der Pandemie empfinde sie Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Die Bonnerin wolle nun jeden Adventssamstag auf den Münsterplatz kommen.

Weihnachten in Zeiten der Pandemie gibt Kirchenmusiker Karas jedoch auch Anlass zur Sorge: „Es ist zu befürchten, dass es für manche ein einsames Fest wird.“ Die Kirche versuche deswegen, Briefe und Präsente zu verschicken. Darin jeweils enthalten: Selbstgebackenes und Gebasteltes, zum Beispiel von Kindergärten und oder Kommunionkindern.

Doch auch die Menschen selbst könnten etwas gegen Einsamkeit auch in dieser Zeit machen. „Jeder sollte sich überlegen, wem man zum Beispiel mit einem Anruf wieder mehr Lebensfreude schenken könnte“, empfahl Karas. 

Trotzdem kann er der Situation auch etwas Positives abgewinnen: „Es kann ein bewussteres Weihnachtsfest werden, in welchem die Menschen mehr Dankbarkeit und Wertschätzung zeigen.“ Für ihn werde das Fest übrigens gar nicht so anders als in anderen Jahren: „Ich bin wieder sehr eingespannt.“