Nach Umzug der „Kleinen Strolche“ Bonner Kita will neue Möbel mit Crowdfunding beschaffen

Bonn · Die Kita „Kleine Strolche“ in der Bonner Altstadt musste kurzfristig in ein Übergangsquartier einziehen. Jetzt sammelt der Elternverein über ein Crowdfunding-Projekt Geld für die neue Einrichtung. Wie es damit vorangeht.

Wollen durch Crowdfunding Mittel für die Kita „Kleine Strolche“ bekommmen: Gerrit Kundruhn vom Trägerverein (rechts) und die pädagoscgische Leitung, Monxya Ben Hamida (links).

Wollen durch Crowdfunding Mittel für die Kita „Kleine Strolche“ bekommmen: Gerrit Kundruhn vom Trägerverein (rechts) und die pädagoscgische Leitung, Monxya Ben Hamida (links).

Foto: Meike Böschemeyer

Der Anruf kam im Sommer doch recht kurzfristig. Bis Anfang November brauchten die Kleinen Strolche ein neues Zuhause. Das Haus in der Breite Straße, in dem die elterngeführte Kita seit 1990 untergebracht ist, soll innerhalb eines Jahres mit zusätzlichen Wohnungen überbaut werden. „Die Pläne lagen schon seit zwei Jahren auf dem Tisch, aber es war nicht klar, wann es tatsächlich losgeht“, berichtet Gerrit Kundruhn vom Trägerverein der Elterninitiative.

Ein Ortswechsel bringt immer Stress und Kosten mit sich, auch wenn den eigentlichen Umzug in ein Übergangsquartier der Vermieter übernimmt. Doch den Verein hat es nun doppelt getroffen. Einerseits haben die Inflation und die deutlich gestiegenen Löhne der fünf festangestellten Erzieherinnen stark an den Rücklagen gezehrt. Andererseits waren viele Möbelstücke nach Jahrzehnten abgewohnt und in den neuen Räumen außerdem nicht mehr zu verwenden. „Nach längerer Suche konnten wir ein ehemaliges Ladenlokal in der Wolfstraße anmieten“, berichtet Kundruhn. Das liegt anders als ein weiteres Ausweichquartier in Endenich nur einen Steinwurf entfernt, was für die 13 Elternpaare aus der Bonner Nordstadt ein großer Vorteil ist. Aber für die 15 Kinder und ihre Betreuerinnen stehen nur noch drei kleine Räume zur Verfügung.

„Wir hatten bis jetzt richtige große Holzbetten für die Kinder. Die können wir aus Platzgründen nicht mehr nutzen“, erzählt Kundruhn. Stattdessen haben die Eltern leichte stapelbare Bettchen aus Kunststoff angeschafft, die auch weniger Verletzungsrisiko bergen. Dazu kamen stapelbare Sitzkissen und Sitzsäcke für die Angestellten, Hängeschränke für Spielzeug und Bastelsachen und auch neue Büromöbel und Regale zur Raumtrennung. Die bisherige Büroeinrichtung ist fest verbaut.

Außerdem gab es viele Sicherheitsauflagen der Stadt für den Kita-Betrieb. Das ehemalige Schaufenster musste mit Splitterschutzfolie beklebt werden. Die Treppe brauchte einen Rutschschutz und Kinderhandläufe, die Türen den vorgeschriebenen Klemmschutz. Das alles hat ziemlich genau 10.000 Euro gekostet. „Wir waren selbst etwas erschrocken über die Summe“, sagt Kundruhn.

26 Anliegen in Bonn brauchen Crowdfunding

Mit einer Crowdfunding-Aktion hoffen die Eltern jetzt auf freigiebige Bekannte, Nachbarn und Mitbürger, die ihre Arbeit unterstützen möchten. Die Sparkasse Köln-Bonn stellt dazu ihre Plattform „Hier mit Herz“ zur Verfügung. Vereine und Organisationen aus beiden Städten können sich dort anmelden und ihre Herzensprojekte beschreiben. Die Sparkasse prüft die Anbieter auf Seriosität. Sie stellt außerdem Zahlungsmöglichkeiten mit der Kreditkarte, über Paypal, Lastschrift oder Überweisung kostenfrei zur Verfügung und generiert automatisch Spendenquittungen.

26 Anliegen sind aktuell in Bonn gelistet. Der Deutsche Kinderschutzbund Bonn hätte gerne 3000 Euro für sein Café International für geflüchtete Familien aus der Ukraine. 346 Euro sind eingegangen. Der SSV Plittersdorf 1920 braucht 10.000 Euro für sein Vereinsheim. Hier sind fast 60 Prozent erreicht. Besonders erfolgreich ist die Biologische Station Bonn/Rhein-Erft, die Nistkästen für Fledermäuse und Mauersegler in der Bonner Südstadt oder im Villenviertel in Gad Godesberg aufhängen möchte. Viele der bisherigen Brutstätten in Mauerlöchern oder Winkeln unter den Dächern seien durch Gebäudesanierungen entfallen, heißt es in der Begründung. 23.286 Euro von den gewünschten 30.000 Euro sind inzwischen eingegangen. Allerdings hat die Sparkasse Köln-Bonn sich selbst mit einer großzügigen Spende beteiligt. 15.000 Euro würden die Kleinen Strolche gerne führ ihr Projekt einsammeln. Am vergangenen Samstag waren es erst 570 Euro. Jetzt drängt die Zeit, denn das Crowdfunding-Projekt der Kleinen Strolche ist nur bis zum 30. November online.

Im Vergleich etwa zu kommunalen Kitas werden die Kinder bei der Elterninitiative nach eigener Aussage noch besser versorgt. Es gebe vegetarisches Essen, das bislang von einer eigenen Köchin auf Minijob-Basis zubereitet werde. Auch der Betreuungsschlüssel sei höher und die Eltern könnten eigene Schwerpunkte setzen.

Eltern zahlen zusätzlich

All das hat seinen Preis. Neben dem einkommensgestaffelten Kita-Beitrag zahlen alle Eltern zusätzlich 100 Euro im Monat an den Verein. Außerdem müssen alle Vereinsämter übernehmen, entweder im Vorstand oder beispielsweise beim Einkauf von Lebensmitteln oder Verbrauchsmaterial. Auch beim Umzug sind mehrere Wochen für Ab- und Aufbau der Möbel und das Herrichten der neuen Räume draufgegangen. „Dafür schätzen wir die enge Gemeinschaft zum Wohl unserer Kinder, die sich aus der Vereinsarbeit ergibt“, sagt Kundruhn, der mit seiner Frau seit vergangenem Jahr Mitglied ist.

Das Spendenziel haben die Kleinen Strolche übrigens bewusst etwas großzügiger angesetzt. „Wir träumen von einer Hochebene in einem der Räume, auf der die Kinder auch mal ganz ungestört für sich spielen können. Die Raumhöhe gäbe das her. „Vielleicht findet sich ja ein Schreiner, der uns so etwas kostengünstig baut“, sagt Kundruhn.

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