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Bonn: Klangwelle am Post Tower startet - Spenden für Flutopfer

Licht, Wasser und Feuerwerk : Die Klangwelle gastiert in Bonn

Der Österreicher Mischael Anton gestaltet seit 20 Jahren die Shows der Klangwelle und hat im Rheinland die Karnevalsmusik für sich entdeckt. Ab diesem Donnerstag gastiert sie auf der Wiese am Bonner Post Tower, um Spenden für die Flutopfer zu sammeln.

Der Gott des Wassers will keine nassen Füße bekommen. Mischael Anton tapst um die Pfützen auf der Wiese am Post Tower, balanciert über Bretter und Paletten. „90 Prozent des Wasser, das wir bei der Klangwelle in die Luft schießen, landet wieder im Becken“, erklärt er. Und die restlichen zehn Prozent? Die spritzen daneben. Deshalb gibt es für die ersten Reihen kostenlose Regencapes.

Anton ist der Showdesigner der Klangwelle, die in den nächsten Tagen in Bonn gastiert. Seit mehr als 20 Jahren tüftelt er an immer neuen Techniken und Konstruktionen, um Wasser möglichst spektakulär in Szene zu setzen. Wie bei Neptun hört jeder Tropfen auf ihn, selbst ohne Dreizack. „Wie bewege ich Wasser?“ lautet die Frage, die den 40-Jährigen jeden Tag beschäftigt.

Angefangen hat es um die Jahrtausendwende am Wörthersee. „Ein österreichischer Lichtdesigner wollte Wasser inszenieren“, erzählt Anton. Er sei da „irgendwie reingerutscht“. Eigentlich war er mit seiner Firma Consortium nur für die Lasertechnik verantwortlich. Als die Show vorbei war, wollte Anton das Element steuern können. „Die Wasserwand war statisch. Und wir dachten uns, dass man das bewegen müsste.“ Aus dieser Idee wurde die Klangwelle, die mit lokal wechselndem Programm mittlerweile durch ganz Europa tourt. Zwar nicht als Klangwelle, aber mit derselben Technik wurden sogar schon Technokonzerte dekoriert. In Moskau baute Anton ein 400 Meter langes Becken auf. Zum Vergleich: Am Post Tower sind es 44 Meter. Die Tiefbrunnenpumpen schießen das Wasser mit 20 Bar Druck bis zu 40 Meter in die Luft. Es würde auch noch höher gehen. „Bei allem darüber steigt der Energieverbrauch aber unglaublich an“, sagt Anton mit fast demütiger Stimme und verweist auf den Umweltgedanken. Beim nächsten Projekt in Katar spiele das keine Rolle. „Dem Auftraggeber in Doha ist der Stromverbrauch nicht so wichtig.“

Von Bonn an die Ahr und wieder zurück

Nun aber erstmal Bonn. Oder eher wieder. Von 2005 bis 2013 kam die Klangwelle auch auf den Münsterplatz, zog jedoch wegen Lärmbeschwerden nach Bad Neuenahr um. Wegen der Flutkatastrophe an der Ahr kehrt sie nun einmalig als Benefiz-Projekt in die Bundesstadt zurück. Die Lautstärke sieht Veranstalter Julian Reininger von der Eventagentur Fünfdrei als unproblematisch an, die Wiese liegt nur wenige Meter vom Kunst!Rasen-Konzertgelände entfernt und die Stadt habe Ausnahmegenehmigungen mit Auflagen erteilt. „Wir werden nur so laut sein, wie die Bonner es zulassen.“

Stattdessen könnte es aber Ärger mit dem Naturschutz geben. „Etliche Vögel waren in den Lichtstrahlen zu sehen und einige kollidierten anschließend mit dem nahen Post-Tower und dem benachbarten Konferenzgebäude“, sagt der Vogelschützer Heiko Haupt. Er hat nach eigenen Angaben Anzeige bei der Unteren Naturschutzbehörde erstattet, die bislang aber ohne Folgen blieb. Nach seiner Ansicht müssten nicht alle Lampen, aber zumindest die starken Himmelsstrahler abgeschaltet werden.

 Mischael Anton ist seit mehr als 20 Jahren Showdesigner der Klangwelle. Dieses Jahr kehrt sie ausnahmsweise nach Bonn zurück.
Mischael Anton ist seit mehr als 20 Jahren Showdesigner der Klangwelle. Dieses Jahr kehrt sie ausnahmsweise nach Bonn zurück. Foto: Nicolas Ottersbach

Kritik gab es auch von einigen Bürgern am Konzept der Klangwelle selbst. Eine Wasser-Show für Flutopfer? Das sei makaber. Künstler Roland Nenzel, der die Musik zusammengestellt hat, empfindet das nicht so. „Wir haben auch ein paar emotionale Momente eingebaut, die dieses Thema aufgreifen. Aber die Klangwelle soll ein gutes Gefühl hinterlassen, ein bisschen Normalität bieten.“ So habe man auch Betroffene eingeladen. Zudem werde der Erlös an die Flutopfer weitergegeben, das Ziel seien mindestens 100.000 Euro.

Licht, Wasser, Feuerwerk und Post-Tower

Und so soll das Programm vor allem zum Spenden anregen. Es gibt drei Shows, die von Licht, Wasser, Feuerwerk und sogar dem Post Tower untermalt werden: Rock und Pop, Beethoven und Klassik sowie Karneval. Letztere macht Anton, der nicht aus Tirol, aber aus Wien kommt, am meisten Spaß. „Woanders brauche ich das nicht spielen. Aber hier singen alle zu Viva Colonia mit, das ist etwas Besonderes.“ Bonn und Bad Neuenahr haben die Klangwelle geprägt. Nur für das schnelle Tempo der kölschen Lieder entwickelte Antons Team Düsen und Pumpen, die Wasserstrahlen im Millisekundenbereich erzeugen können. Und auch persönlich hat das Rheinland Spuren hinterlassen. „Ich höre jetzt gerne Karnevalsmusik. Die macht einfach gute Laune.“ Die Höhner hatten Recht: „Selvs der Herrjott muss ene Kölsche sin.“ Oder zumindest Neptun.