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Bonn: Kritik von Lenné-Verein an Uni-Pläne für Ersatzbauten am Hofgarten​

Geplante Interimsbauten : Lenné-Verein kritisiert Uni-Pläne für Ersatzbauten am Hofgarten

Während sich die Industrie- und Handelskammer für die Ersatzneubauten der Uni Bonn am Hofgarten ausspricht, gibt es Kritik von der Lenné-Gesellschaft. Dabei spielt auch die Kaufkraft der Studierenden eine wichtige Rolle.

Die Bonner Lenné-Gesellschaft erneuert ihre Kritik an den Plänen für Interimsbauten am Hofgarten. Man habe nicht den Eindruck, dass der Erhalt des kulturellen Erbes bei den Planungen der Unversität und des Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB) NRW zur Sanierung des Hauptgebäudes ausreichend berücksichtigt werden, so der Verein. Die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg (IHK) unterstützt die Pläne dagegen.

Die Lenné-Gesellschaft stelle weder die Sanierung noch die Notwendigkeit von Ersatzbauten für die mindestens zehn Jahre dauernden Arbeiten infrage, schreibt der Verein. Zu kritisieren seien aber die vorgesehen Standorte im Stadtgarten (Nähe Alter Zoll) und am Hofgarten vor dem kurfürstlichen Schloss. Der Stadtgarten befinde sich im Landschaftsschutzgebiet und dürfe deshalb nicht bebaut werden.

Der Verein fühlt sich an einen Konflikt zwischen Stadt und Uni aus dem Jahr 1858 erinnert, als der Stadtgarten von der Uni verkauft werden sollte. „Die Stadt hat damals mit Hilfe des Generaldirektors der Königlichen Gärten in Berlin, Peter Joseph Lenné, den Verkauf und die Bebauung verhindert“, erinnert der Verein. Auch für die Studierenden sei der Standort direkt neben einer Großbaustelle nicht geeignet.

Uni-Rektor Michael Hoch will die Interimsbauten in zentraler Citylage aufbauen. Der Einzelhandelsverband und die CDU-Ratsfraktion befürworten das. Fraktionen der Ratskoalition halten auch andere Standorte wie die ehemalige Kinderklinik an der Adenauerallee für eine Alternative. Auch die Stadtverwaltung sieht die Uni-Pläne wohl skeptisch.

Kaufkraft für die Bonner Innnenstadt

Die IHK will Interimsbauten dagegen „unbedingt am Hofgarten beziehungsweise am Stadtgarten“ sehen. Das lässt Präsident Stefan Hagen in einer aktuellen Stellungnahme mitteilen. Denn die rund 10.000 Studenten im Schloss generierten erhebliche Kaufkraft für die Innenstadt. Einzelhändler, Dienstleister, Restaurants, Bars und Angehörige der Freien Berufe verdienten durch die Studenten einen erheblichen Teil ihrer Umsätze, „für einige ist es sogar die Haupteinnahmequelle“, sagt Hagen.

Ein Lehrbetrieb außerhalb der City würde zu erheblichen Verwerfungen in den Wirtschaftsbereichen führen. Die Betriebe ließen sich nicht woanders ansiedeln. Hinzu komme, dass die Ausweichflächen an den Nah- und Radverkehr angeschlossen werden müssten. Das sei weder planerisch noch technisch kurzfristig umzusetzen.