Rheinischer Brauch So können Bonner möglichst nachhaltig Maibäume stellen

Bonn · Das Stellen von Maibäumen ist im Rheinland ein beliebter Brauch. Wir haben bei Bonner Verkäufern und der Müllverwertungsanlage nachgefragt, wie das möglichst nachhaltig funktionieren kann.

 Maibäume in der Bonner Altstadt.

Maibäume in der Bonner Altstadt.

Foto: Benjamin Westhoff

Bunt geschmückte Birken verzieren am ersten Mai wieder die Bonner Straßen. Bei aller Vorfreude auf die rheinländische Tradition stellt sich in Zeiten des Klimawandels die Frage nach der Nachhaltigkeit dieses Brauchs. Was können Bonner also tun, um ihren ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten?

Auf ihrem Instagram-Kanal stellt die Bonner Müllverwertungsanlage (MVA) verschiedene Tipps zum nachhaltigen Umgang mit dem Brauchtum vor. Im Rahmen des Projekts „BonNova“ möchten sich die Verantwortlichen dafür einsetzen, die Entstehung von Abfällen möglichst zu verhindern. Mai Linh Nguyen von der MVA erklärt auf GA-Anfrage, dass es grundsätzlich dem Ökosystem schade, wenn die jungen Bäume gefällt werden.

Daher empfiehlt sie Bonner Bürgern Alternativen, die gleichzeitig eine leichtere Durchführung garantieren: Erstens können traditionsliebende Bonner möglicherweise bereits im Garten vorhandene Bäume verwenden und sie mit umweltfreundlichen Materialien schmücken. Außerdem besteht die Möglichkeit, ein großes dekoratives Mai-Herz aus nachhaltigem Material zum Beispiel aus Holzresten oder Metall aufzustellen. Dieses könne man ähnlich wie einen Maibaum dekorieren. Zum Schluss bieten sich, für diejenigen, die nicht auf einen echten Baum verzichten mögen, Maibäume im Topf an. Danach können sie wieder eingepflanzt oder bis zum Folgejahr gepflegt werden. Von eigenständigem Fällen im Wald rät die MVA dringend ab, da sonst strafrechtliche Verfolgung droht – das illegale Schlagen der Bäume gelte nämlich als Sachbeschädigung und Diebstahl. Der Landesbetrieb Wald und Holz erklärt zudem, dass nur Fachleute die Bäume entnehmen können, ohne der Natur zu schaden.

Auch Maibaum-Anbieter machen sich Gedanken, wie sie den Verkauf möglichst nachhaltig gestalten können. Jonas Schmidt, Leiter eines gleichnamigen Betriebs, empfiehlt Käufern zu einer in der Nähe liegenden Verkaufsstelle – dies sei nicht nur weniger aufwendig, sondern spare auch Emissionen ein. Bei kurzen Transportwegen könne man versuchen, die Birken mit dem Fahrradanhänger zu befördern.

Moritz von Weitershausen legt ebenfalls Wert auf diesen Aspekt. Er verkauft seine Maibäume deshalb möglichst zentral an der Poppelsdorfer Allee. Besonders Studenten hätten damit leichten Zugriff auf die Birken und könnten umweltfreundliche Transportmittel nutzen. Thomas Nordhorn von der Burg Niederpleis gehört zu den Verkäufern, die die kompakte Birke im Topf anbieten. Besonders Frauen, die im Schaltjahr bekanntlich mit dem Stellen der Maibäume dran sind, freuten sich über das praktische Angebot – so Nordhorn. Was die Befestigungsmaterialien betrifft, können Verbraucher den befragten Verkäufern nach zur umweltfreundlichen Naturkordel greifen, statt den gängigen Kabelbinder zu verwenden.

Die ordnungsgemäße Entsorgung

Ist der Mai vorüber, muss auch der Maibaum selbstständig entsorgt werden. Dafür stehen mehrere stationäre und mobile Grüncontainer in der Stadt zur Verfügung. Laut Bonnorange sind die Grüncontainer vom 1. März bis 30. November kostenfrei nutzbar und auf den Wertstoffhöfen und einigen Friedhöfen auffindbar. Ansonsten kann man Baumreste kostenlos bei den Grünannahmestellen (GAS) in Ückesdorf und Mehlem abgeben. Wichtig sei die eigenständige Zerkleinerung der Maibäume auf einen Meter Länge und dünne Stücke unter zehn Zentimetern Breite. Kleinere Äste ohne Dekoration können auch in der Biotonne entsorgt werden. „Herrenlose“ Bäume können dem Stadtordnungsdienst Bonn unter 0228/5552720 oder per Mail über kundenservice@bonnorange.de gemeldet werden.

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