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Bonn: Mann bekommt drei Jahre Haft für Marihuana-Paket

Drei Jahre Haft für Drogenhandel : Marihuana als Paketretoure nach Bonn verschickt

Vor dem Landgericht ist ein 30-Jähriger wegen Drogeneinfuhr und -handel zu einer gut dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Dennoch konnte er den Gerichtssaal zunächst als freier Mann verlassen.

Auch rein wirtschaftlich betrachtet wären seine Drogengeschäfte kein guter Deal gewesen: Für einen erwarteten Gewinn von 1600 Euro muss ein 30-jähriger Bonner nun für drei Jahre und drei Monate in Haft. Am Dienstag wurde der ehemalige Zeitsoldat vor der 10. Großen Strafkammer am Bonner Landgericht wegen Drogeneinfuhr und -handels verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Sohn aus einer Unternehmerfamilie sich acht Kilogramm Marihuana aus Spanien an seine Firmenadresse schicken ließ.

Das Vorgehen entbehrte dabei nicht einer gewissen Cleverness: Um die Drogen möglichst unauffällig nach Deutschland zu bekommen, nutzte der Verurteilte Retourenaufkleber, über die er dank eines Rahmenvertrags mit einem Paketdienst reichlich verfügte. Erst kurz zuvor hatte sich der Neuling im Drogengeschäft mit einem Online-Elektronikhandel selbstständig gemacht. „Wenn man aber erst gar keine Waren versendet, kann es auch keine Retouren geben“, so der Vorsitzende Richter Marc Eumann süffisant.

Anstelle zurückgeschickter Hardware enthielten drei Sendungen weiche Drogen: Zwei Pakete mit einem und 1,4 Kilo wurden binnen Minuten vom selben Absender aufgegeben, und die Lieferungen trafen dann nahezu gleichzeitig in Bonn ein. Der Rest von 5,6 Kilogramm wurde von den offenbar wagemutiger gewordenen Hintermännern in eine Sendung gepackt.

Der frisch Verurteilte durfte sich nach einem knappen halben Jahr in Untersuchungshaft zunächst über einen temporären Aufenthalt in Freiheit freuen: Weil das Gericht keine Flucht- oder Wiederholungsgefahr sah, hob Eumann den Haftbefehl auf. So bekommt der Mann die Chance, den Rest der Freiheitsstrafe im offenen Vollzug abzubüßen. Die Richter waren davon überzeugt, dass es sich bei den Taten des nicht Vorbestraften nicht zwingend um den Beginn einer Karriere als Drogenhändler gehandelt habe. Vielmehr – so stellte Eumann heraus – glaube er an einen gescheiterten kurzfristigen Versuch des finanziellen Gesundstoßens. Den Weg in ein geordnetes Zivilleben hatte der Verurteilte nämlich nach seiner Karriere bei einer Kampfeinheit der Bundeswehr nicht gefunden. Vielmehr meldete er sich nach dem Auslaufen des Überbrückungsgeldes viel zu spät arbeitslos und lebte auch noch über seine Verhältnisse.

Die versprochenen 1000 Euro für die zweite Lieferung waren ihm seine Auftraggeber, die der Verurteilte nicht preisgab, noch schuldig geblieben. Die bereits erhaltenen 600 Euro wurden als Tatertrag eingezogen. „Straftaten dürfen sich nicht lohnen“, stellte Eumann klar und denkt nicht, dass der Bonner die nächste Krise wieder mit illegalen Methoden lösen will. „Vergeigen sie sich nicht diese Chance“, gab der Richter dem 30-Jährigen mit auf den Weg.