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Bonn: Marie-Kahle-Gesamtschule gewinnt Deutschen Schulpreis

Merkel gratuliert per Leinwand : Bonner Schule gewinnt Deutschen Schulpreis

Die Bonner Marie-Kahle-Gesamtschule hat den zweiten Platz beim deutschen Schulpreis erreicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte per Livestream.

Die lauten Jubelschreie aus der Aula der Marie-Kahle-Gesamtschule am Mittwoch um 11.20 Uhr waren wohl noch am Augustusring zu vernehmen.  Zu diesem Zeitpunkt wurden auf einer großen Leinwand die Preisträger des diesjährigen bundesweit durchgeführten Deutschen Schulpreises verkündet. Die Gesamtschule erreichte dabei einen der fünf mit 25.000 Euro dotierten zweiten Plätze. Bereits zum vierten Mal darf sich eine Bonner Schule in die Preisträgerliste der seit 2006 von der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung für besonders gute Schulqualität verliehenen Auszeichnung eintragen. In den Jahren zuvor wurden bereits die Integrierte Gesamtschule Beuel, die Ketteler-Schule und die Paul-Martini-Schule ausgezeichnet. Die ansonsten in Berlin durchgeführte Veranstaltung, bei der üblicherweise der Bundespräsident oder die Bundeskanzlerin die Auszeichnung vornimmt, wurde pandemiebedingt erstmals per Live-Stream gleichzeitig an allen teilnehmenden Schulen durchgeführt. Zum Erstplatzierten wurde die Otfried-Preußler-Schule in Hannover ernannt und darf  sich über ein Preisgeld von 100.000 Euro freuen.

Als nach der Bekanntgabe der Sieger Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der großen Leinwand erschien, um allen Teilnehmern zu gratulieren, hörte zunächst niemand mehr zu. Zu groß war die Freude über den lang herbeigesehnten Erfolg. „Die ganze Bewerbung war eine einzige Achterbahn der Gefühle“, sagte die hocherfreute Schulleiterin Sabine Kreutzer. „Wenn man sich ansieht, welche Schulen mitgemacht haben, was sie für tolle Vorstellungsvideos gedreht und auf die Beine gestellt haben, da ist man natürlich dankbar und ein wenig demütig“, so Kreutzer.

Das eigene Video wurde bereits als zweites zu Beginn der Veranstaltung gezeigt. Der bereits hier entflammte Jubel unter der anwesenden Schülerschaft zeugte von einem hohen Maß an Identifikation mit der eigenen Schule. Zu diesem Zeitpunkt waren die Entscheidungen der Jury niemandem außerhalb dieses Gremiums bekannt. Jury-Mitglied Helga Boldt war zwar mit einem schweren Koffer samt Plakette und kleiner Trophäe angereist, ließ sich aber bis zur Verlautbarung nichts anmerken. Alle anderen Anwesenden mussten den Vormittag gespannt abwarten oder waren einfach froh, dass die Schule es bei 81 Bewerbern im Vorfeld unter die 15 besten geschafft hatte. „Für uns ist schon die Nominierung ein großer Erfolg. Die Jury hat uns im Dezember auf Herz und Nieren geprüft. Es waren fünf Mitglieder zweieinhalb Tage hier“, verriet die stellvertretende Schulleiterin Iris Rau, während auf der Leinwand der Sänger Michael Schulte für ein musikalisches Intermezzo sorgte. „Das war manchmal schon ein eigenartiges Gefühl. Aber man bewirbt sich nicht, wenn man nicht die Hoffnung hat, zu gewinnen“, fügte Leiterin Kreutzer hinzu.

Mehrere Faktoren entscheiden über Preisträger

Faktoren, die die Entscheidungsfindung zugunsten der Marie-Kahle-Schule begünstigten, seien laut Boldt insbesondere „eine kluge Balance zwischen guter Klassengemeinschaft und individueller Schwerpunktsetzung sowie ausgezeichnete Leistungen im Hinblick auf Inklusion, Sonderpädagogik und Zeitstruktur“ gewesen. Boldt lobte ebenfalls den offenen demokratischen Aufbau der 2009 gegründeten Schule und erkannte eine „super Basis für die weitere Entwicklung“. Die Jury vergleicht bei den Bewerberschulen sechs Qualitätsbereiche: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner sowie Schule als lernende Institution. Diese Merkmale seien inzwischen als Kennzeichen für gute Schulqualität allgemein anerkannt.

Die 25.000 Euro Preisgeld will man an der Marie-Kahle-Gesamtschule für den weiter voranzutreibenden Ausbau der Digitalisierungstechnik verwenden und ist damit inhaltlich auf einer Linie mit der Bundeskanzlerin. Diese wies bei ihrer Ansprache darauf hin, dass Kinder und Jugendliche nicht zu den Verlieren der Pandemie werden dürften. „Wir sind als Neubau im Prinzip bereits gut ausgestattet“, so Kreutzer. „Allerdings gibt es noch Nachholbedarf bei der individuellen Ausstattung und dem Lernen zu Hause. Da wollen wir mitmilfe des Preisgeldes nun ansetzten“.