Boote auf dem Rheinauensee Wie Bonner ihre Modellschiffe bauen

Bonn · Toni Käs und Peter Ziegler sind erfahrene Modellschiff-Bauer. Sie haben den Winter genutzt, um neue Boote zu bauen. Höchstes Ziel: über Wasser bleiben.

 Toni Käs (links) und Peter Ziegler mit dem „Bonny“-Quartett und der „Marion“: Nach monatelanger Arbeit in der Werkstatt freuen sie sich auf die Bootssaison.

Toni Käs (links) und Peter Ziegler mit dem „Bonny“-Quartett und der „Marion“: Nach monatelanger Arbeit in der Werkstatt freuen sie sich auf die Bootssaison.

Auf dem Schiffchensee in der Rheinaue stechen ab jetzt 19 neue Modellboote in See. Nachdem sie bei der traditionellen Schiffstaufe von Bürgermeister Jochen Reeh-Schall mit rotem Sekt getauft wurden, drehten sie ihre ersten Runden unterhalb des Posttowers. Doch bis dahin war es ein langer Weg, denn ihre stolzen Kapitäne, die Mitglieder des Schiffmodellclubs (SMC) Bonn, haben teilweise den ganzen Winter auf diesen Moment hingearbeitet. Schließlich ist die Modellschifffahrt mehr als das Steuern auf dem Wasser.

Leidenschaft seit dem 13. Lebensjahr

„Handwerkliches Geschick, Ausdauer und etwas technisches Verständnis“, das brauche man bei seinem Hobby, sagt Toni Käs, 2. Vorsitzender des SMC, auf Anhieb. Der 76-Jährige ist den Modellbooten seit seinem 13. Lebensjahr verfallen und Gründungsmitglied des Bonner Vereins. „Am besten gefällt mir daran, eine Lösung für technische Probleme zu finden und das Arbeiten mit Holz“, so der Orgelbauer im Ruhestand. Käs hat mittlerweile aufgehört, seine Boote zu zählen, es seien aber mehr als 30 Modelle, die er selbst gebaut hat. Daher hat er über den Winter auch zwei weitere Boote hergestellt, die nach der Schiffstaufe ihre ersten Runden drehen: Den Segler „Sixty-Five“, dessen Rumpf er nach Vorbild einer australischen Rennjacht gefertigt hat, und ein besonderes Boot mit Elektroantrieb: das Boot „Bonn“, Dienstfahrzeug der Bonner Wasserschutzpolizei, natürlich stilecht mit integriertem Blaulicht. „Das war als Aprilscherz gedacht und in gut einem Monat fertig“, lacht Käs.

Wie lange Modellbauer an einem Schiff arbeiten, hänge stark vom Ausgangsmaterial und den Vorstellungen des Kapitäns ab: „Es gibt Fertigbausätze, wo man im Prinzip nach dem Baukastenprinzip alles zusammensetzt. Wer geübter ist, gestaltet alles frei und individuell“, erklärt Peter Ziegler, 1. Vorsitzender des SMC. Er selbst hat mit zwölf Jahren sein erstes Baukastenmodell bekommen – doch geschwommen ist das leider nie: „In den 60er Jahren hätte so eine Fernsteuerung 800 Mark gekostet. Für einen Jugendlichen war das unerschwinglich“, berichtet er. Das hätte sich heute zum Glück geändert: „Gute Fernsteuerungen gibt es heute ab 39 Euro, ganze Bausätze, die etwas taugen, schon ab 150 Euro.“ Profis lassen es sich aber auch gern etwas mehr kosten, nach oben hin gäbe es kostentechnisch kaum Grenzen.

Die Geschäfte sterben aus

Der 70-Jährige sieht auch, dass die Modellbauer heute andere Wege bei der Materialbeschaffung gehen, obwohl die Rohstoffe mit Holz, Kunststoff und Metall die gleichen geblieben sind: „Die Modellbaugeschäfte sterben langsam aus. Heute bestellt man viel im Internet und auch 3D-Drucker für Details und Dekoration sind im Kommen.“ Er selbst hat in diesem Jahr auf Handwerk gesetzt: Sein italienisches Sportboot im 50er-Jahre-Stil hat eine Holzverkleidung, die mehrfach geschmirgelt, geleimt und abgedichtet werden musste. Es hört auf den Namen Marion. „Ein Boot muss einfach nach der Frau benannt werden“, sagt er lachend. Und seine schwimmende „Marion“ sei das einzige Boot, das seine Frau als dekorativ genug erachte, um es im Wohnzimmer zu dulden.

Doch auch andere Dinge haben sich geändert. Zum einen setzt auch der SMC auf Nachhaltigkeit, weshalb die Boote statt Verbrenner nun Elektromotoren besitzen. Zum anderen sorgen Alge im Sommer für Unmut, da die Algen sich um die Schiffsschrauben winden. Und auch der Nachwuchs bleibt zunehmend aus.

Daher haben sich Käs und Ziegler etwas besonderes einfallen lassen: Die kleinen Rettungsboote „Bonny 1 bis 4“ starten diesen Sommer auch in See und stehen allen interessierten Kinder zur Verfügung, die in der Rheinaue auch mal Kapitän sein wollen. So kann jeder Kapitän werden und kriegt vielleicht Lust, eines Tages sein eigenes Schiff zu bauen.

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