Wohnbau in der Nordstadt in Bonn Anwohner konfrontieren Investor mit Wünschen für Bauprojekt auf altem Postareal

Nordstadt · Zur ersten Bürgerbeteiligung zum Bauprojekt auf dem ehemaligen Postareal in der Nordstadt kamen viele interessierte Anwohner. Besonders zu den Themen Verkehr, Nachhaltigkeit und günstiger Wohnraum hatten sie Fragen und Anmerkungen an Investor und Stadt.

Das ehemalige Postareal an der Vorgebirgsstraße steht seit 2018 leer.

Das ehemalige Postareal an der Vorgebirgsstraße steht seit 2018 leer.

Foto: Benjamin Westhoff

Ideen vorstellen und sammeln: Aus diesem Anlass hat die Stadt am Montagnachmittag zu einer ersten Bürgerbeteiligung zum Bauprojekt auf dem ehemaligen Postareal in der Nordstadt eingeladen. Zahlreiche interessierte Anwohnerinnen und Anwohner waren für den Workshop ins Digital Hub am Hauptbahnhof gekommen.

Nach Angaben der Stadt soll bei dem Projekt vor allem Wohnraum entstehen – zum Kaufen und Mieten – sowie eine Kita und ein geringer Anteil gewerblicher Nutzung.

Bis 2018 hatte die Post auf dem Grundstück zwischen Vorgebirgsstraße, Kaiser-Karl-Ring und Dorotheenstraße ein Logistikzentrum betrieben. Seitdem steht es leer. Die Stadt verzichtete auf ihr Vorkaufsrecht, woraufhin Swiss Life Asset Managers, eine Tochterfirma des Versicherungskonzerns Swiss Life, das riesige Grundstück 2021 für 19,6 Millionen Euro kaufte. Zu folgenden Bedingungen der Stadt musste der Investor sich verpflichten: 50 Prozent Wohnbauanteil (davon 40 Prozent öffentlich gefördert), Finanzierung einer Kindertagesstätte, Energieeffizienzstandard KfW 55 bei den Gebäuden, Dachbegrünungen und Fotovoltaik.

Steffen Hassert von Swiss Life Asset Managers kündigte beim Workshop an, dass das Unternehmen den Wohnanteil deutlich erhöhen wolle. In der Mitte des Areals soll ein privater Außenbereich entstehen, den unter anderem die Kita als Spielfläche nutzen könnte. Außerdem ist Hassert zufolge Entsiegelung und eine „große grüne Zone“ geplant. Dafür müsste das Parken in eine Tiefgarage unter die Gebäude verlagert werden.

Besonders zu bezahlbarem Wohnen, Verkehr und nachhaltigem Bauen hatten die Bürger beim Workshop viele Fragen an die Beteiligten. Auf Zetteln notierten sie Anmerkungen wie zum Beispiel: Altbestand erhalten, bessere Energieeffizienz, mehr bezahlbaren Wohnraum, Begegnungsräume, Mobilitätskonzept. „Bezahlbarer Wohnraum ist aus meiner Sicht der wichtigste Punkt“, sagte Max Schöne (28). Laut Anwohnerin Hildegard Kinzel sollte die Hälfte der Bebauung geförderter Wohnraum werden. Außerdem sollte der Investor für Klimaresilienz mehr Grün planen, zum Beispiel an Fassaden.

Aus Sicht von Anwohnerin Maja Röse wäre ein Neubau nicht nur unökologisch, sondern auch weniger identitätsstiftend: „Die Attraktivität wird sinken, wenn das ein Neubau wird. Menschen leben gerne im Altbau, weil der Geschichte hat. Wenn Altbestand erhalten bleibt, könnten künftige Bewohner sagen: Ich wohne im alten Postareal.“

Online-Beteiligung zu Postareal ab 24. April

Von Montag, 24. April, bis Sonntag, 7. Mai, gibt es eine Online-Beteiligung auf der Plattform www.bonn-macht-mit.de. Dort werden auch die Ideen aus dem Workshop vorgestellt. Im weiteren Verlauf des Bebauungsplanverfahrens wird es nach Angaben der Stadt weitere Bürgerbeteiligungen geben. Den Hinweis einiger Anwesender, dass die Infozettel für den Workshop zu wenig Leute erreicht hätten, nahm die Verwaltung für künftige Veranstaltungen zur Kenntnis.

Im nächsten Schritt werden nun die Planungen konkretisiert und erste Gutachten erstellt, erklärte Kerstin Hemminger, Leiterin Entwicklungs- und Stadterneuerungsmaßnahmen der Stadt. Bis zur Veröffentlichung werde es bis „weit nach der Sommerpause“ dauern. Für das gesamte Verfahren rechne man mit drei Jahren, „wenn alles gut läuft“, sagte Hemminger. Wenn der Bebauungsplan beschlossen ist, will der Investor das Projekt innerhalb von zwei Jahren fertig stellen, wie Steffen Hassert ankündigte.