Caritas in Bonn Obdachlose feiern Weihnachten im Prälat-Schleich-Haus

Bonn · Am Prälat-Schleich-Haus der Caritas kamen rund 300 Obdachlose und Bedürftige zur Weihnachtsfeier mit Essen und Geschenken an Heiligabend.

 Besucher des Prälat-Schleich-Hauses schauen bei der Weihnachtsfeier der Obdachlosenhilfe nach, was sich in ihren Geschenktüten befindet.

Besucher des Prälat-Schleich-Hauses schauen bei der Weihnachtsfeier der Obdachlosenhilfe nach, was sich in ihren Geschenktüten befindet.

Foto: Stefan Knopp

Was wünscht sich einer zu Weihnachten, der wenig hat? Der Mann mit der Baseballkappe und der Jacke der Schwimmsportfreunde Bonn, der sich zur Weihnachtsfeier der Obdachlosenhilfe vor dem Prälat-Schleich-Haus eingefunden hatte, musste bei aller Bedürftigkeit überlegen. „Meinen Wunsch kann mir keiner erfüllen“, meinte er dann. Er wuchs im Heim auf, hat seine Eltern nie kennengelernt, hat auch keine eigene Familie gegründet, er lebt in seinem Appartement – immerhin, da hatte er mal Glück – nur mit all seinen Problemen zusammen.

„Ich versuche, das Beste aus dem zu machen, was der Körper hergibt.“ Den hat er durch starken Drogenkonsum über die Maßen beansprucht, das brachte andere körperliche und auch psychische Probleme mit sich, die letztlich zur vollen Arbeitsunfähigkeit führten. „Mir macht das zu schaffen, dass ich nicht arbeiten kann.“

Entenkeule mit Rotkohl und Knödeln

Ein offenes Ohr für alles, was ihn belastet, findet er in der City-Station der Bonner Caritas. „Ich gehe jeden Tag zum Essen hierhin, seit zehn Jahren.“ Ein wirklicher Familienersatz ist das nicht, aber doch deutlich mehr als ein schwacher Trost. „Ich fühle mich hier gut aufgehoben“, meinte er. Und zu Weihnachten wurde ihm und vielen anderen, die seit Jahren herkommen, der eine Wunsch erfüllt: Es gab Entenkeule mit Rotkohl und Knödeln.

Alle Jahre wieder werde das von den Besuchern vorausgesetzt, sagte Heike Godde von der Caritas. Die Zutaten wurden von privaten Spenden angeschafft – unter anderem auch über eine Spendenzusage aus der Aktion Weihnachtslicht, sagte Gerhard Roden vom Fachbereich Wohnungslosenhilfe der Caritas – und im Prälat-Schleich-Haus verarbeitet.

Dazu wurden Geschenktaschen verteilt: Die Taschen selbst schenkte der Rewe am Friedensplatz, gefüllt wurden sie mit gespendeten Dingen, die wieder das Familienzentrum Menschenkinder in Königswinter-Thomasberg und von der evangelischen Kirchengemeinde in Oberdollendorf überreicht hatte. Die Pfadfinder vom Stamm Phoenix hatten vor Supermärkten in Bonn Kunden gebeten, für den guten Zweck etwas extra zu kaufen – es kamen überwiegend Süßigkeiten zusammen. Und eine Frau hat auch in diesem Jahr Plätzchen gebacken und liebevoll verpackt. „Das sind viele Menschen, die an uns denken und etwas Gutes tun wollen“, sagte Godde.

Mehr als 250 Personen kamen

„Uns ist wichtig, dass wir den Menschen Wertschätzung entgegenbringen“, sagte Roden. Die machte sich auch daran bemerkbar, dass zusätzlich zum Personal der City-Station 18 zum Teil langjährige Ehrenamtliche bei der Weihnachtsfeier mitwirkten, unter ihnen Irmgard Metzen. „Meine Motivation ist, dass ich den Sinn von Weihnachten darin sehe, mit Menschen zu teilen“, sagte sie. Anderen etwas zu geben sei ihr lieber als Weihnachten mit ihrem Mann zu Hause zu sitzen. „Wir können jeden Tag zu zweit sein.“ Deshalb werde sie weitermachen, „solange ich stehen kann und gesund bin“.

250 Menschen hatten sich angemeldet, es kamen aber noch rund 50 mehr. Aber alle wurden satt. Zum Gelingen der Feier trug neben dem sonnigen Wetter der Chor Starke Stimmen Bonn bei. Außerdem sangen die Mitarbeiter des Prälat-Schleich-Hauses einige Weihnachtslieder mit den Besuchern, eine trug solo „Amazing Grace“ vor und Hausmeister Andreas Epp, an dem Tag auch Chorleiter, spielte auf seinem Saxophon. So etwas wird nicht vielen an Heiligabend geboten.

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