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Bonn: Obdachloser verletzte Bekannten mit Mülltonne

Gerichtsverhandlung in Bonn : Obdachloser bewarf Mann mit Mülltonne

Ein psychisch Kranker zeigt sich vor dem Bonner Landgericht geständig, einen Mann mit einer Mülltonne beworfen zu haben. Auch Mitarbeiter des Jobcenters gehören zu seinen Opfern.

Der Beschuldigte gab sich schon fast rührend ehrlich: „Ob die Mülltonne leer war oder voll, das weiß ich nicht mehr“, erwiderte der 34-Jährige auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob er einen anderen Obdachlosen mit einer vollen Mülltonne beworfen habe. Wegen Körperverletzung beziehungsweise gefährlicher Körperverletzung in insgesamt drei Fällen muss sich ein Obdachloser aus Bonn seit Montag vor der 10. großen Strafkammer am Bonner Landgericht verantworten.

Und auch im weiteren Verlauf der Verhandlung blieb der Mann ehrlich: Alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe seien zutreffend und er bedauere seine Ausraster, so der Beschuldigte. Außerdem wolle er sich bei allen Betroffenen entschuldigen. Sollte das Gericht seine Schuld feststellen, muss der Mann mit seiner Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus rechnen, denn er soll unter einer paranoiden Psychose leiden.

Zu leiden hatten aber auch die Opfer seiner Wutausbrüche: Erste Leidtragende war am 10. Juni vergangenen Jahres eine Mitarbeiterin des Duisdorfer Jobcenters: Weil der Beschuldigte ohne Termin zu ihr gekommen war, hatte die 51-Jährige ihm die Türe gewiesen. Anstatt aber zu gehen, soll er sie kommentarlos mit einer Tasche und seiner Faust ins Gesicht geschlagen haben. Einen zu Hilfe geeilten Kollegen soll er dann zunächst ebenfalls mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, bevor er ihm eine Hand in den Mund steckte und ihn an mehreren Stellen blutig kratzte.

Keine zwei Wochen später bekam dann ein Betreuer im Prälat-Schleich-Haus seine Wut zu spüren: Diesmal hatte er zwar einen Termin; aber auch hier soll er unvermittelt aufgesprungen sein und den Mann gewürgt haben, bevor es drei Helfern schließlich gelang, ihn von seinem Opfer wegzuzerren. Dritter Leidtragender war ein obdachloser Rumäne, mit dem er vor der Filiale eines Schnellrestaurants am Bertha-von-Suttner-Platz in Streit geraten war. Offenbar ging es bei dieser Auseinandersetzung, bei der auch die besagte Mülltonne zum Einsatz gekommen war, um offene Schulden und fehlendes Geld für alkoholische Getränke.

Das als erster Zeuge geladene letzte Opfer blieb der Verhandlung allerdings fern, und so konnte zunächst nur ein Bekannter des Beschuldigten befragt werden, der ihn vor der letzten Tat begleitet hatte: „Wenn man ihm nichts tut, ist er eigentlich ein ganz Netter“, meinte der Zeuge. Dennoch habe er an jenem Abend schnell gemerkt, dass es Ärger geben könnte. So hätten sich die Wege der beiden zunächst wieder getrennt. Erst als er zu dem Schnellrestaurant zurückgekehrt sei, habe er bemerkt, wie sein Bekannter auf den Rumänen eingeschlagen habe.

Die Vita des Mannes klingt erschreckend: Bei Pflegeeltern aufgewachsen, habe er schon früh den Schulbesuch verweigert. Auch Drogen – vom Alkohol über Cannabis und Ecstasy bis zu Kokain – bestimmten sein Leben von frühester Jugend an. Als er später in ein Heim gekommen sei, habe es schließlich überhaupt niemanden mehr interessiert, dass er nie zur Schule gegangen sei.