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Bonn: Offene Corona-Impfaktion in Tannenbusch hatte großen Zulauf

Angebot in Bonn : Großer Zulauf bei offener Corona-Impfaktion in Tannenbusch

Der erste offene Impftermin ohne Voranmeldung in Tannenbusch hatte großen Zulauf. Viele wählten das Vakzin von Johnson&Johnson. Weitere Aktionen dieser Art in Bonn sollen folgen.

Ein älterer Mann blickte skeptisch vom Einkaufszentrum in Tannenbusch zum Platz vor dem Bildungs- und Familienzentrum Haus Vielinbusch hinüber, wo die Stadt Bonn am Samstag ihre erste Vor-Ort-Impfaktion gestartet hatte. Er gehe da nicht hin, sagte er. Aber nicht, weil er das Impfen ablehne. „Es sind zu viele Leute da“, meinte er. Er warte noch. Auch Student Ahmed fand es zu voll, aber er hatte sich dennoch eine Nummer geben lassen.

In der Tat herrschte ein reger Betrieb dort – so viel, dass recht schnell das Ordnungsamt vor Ort war, um die Menschenansammlung etwas zu entzerren. Natürlich wusste man von dem Termin, aber Abstand musste trotzdem sein. Das niederschwellige und vor allem mehrsprachige Angebot lockte viele Menschen aus Tannenbusch und Umgebung an, auch deshalb, weil neben Biontech/Pfizer ebenfalls das Vakzin von Johnson&Johnson verimpft wurde: Ein Piks reicht, dann ist man durch. „Der soll ja schon wirksam genug sein“, sagte ein 54-Jähriger nach der Impfung.

Er habe bis dahin nicht versucht, sich für einen Termin anzumelden. Aber dieses Angebot war verlockend, zumal vor der drohenden vierten Coronawelle. „Ich habe mir gesagt: Jetzt impfen, dann habe ich es hinter mir.“ Jetzt sei er zumindest vor einem schweren Verlauf geschützt, aber Urlaub komme trotzdem nicht in Frage. „Ich finde es leichtsinnig, ins Ausland zu fahren, gerade wenn die Zahlen wieder ansteigen.“

Impfaktion in Bonn-Tannenbusch: Knapp 300 Impfungen an einem Tag

Laut Stadtsprecher Marc Hoffmann wurden am Samstag insgesamt 286 Personen geimpft, davon 258 mit Johnson und Johnson und 28 mit Biontech. Und da die Resonanz so groß war, wurde die Impfaktion sogar kurzerhand bis nach 16.30 Uhr verlängert. Ursprünglich sollten die Impfungen nur zwischen 10 und 14 Uhr vorgenommen werden.

Thi Hai Thao Ho möchte schon gerne mal wieder verreisen, sie hatte sich auch im Impfzentrum und bei verschiedenen Ärzten angemeldet, bislang ergebnislos. Jetzt braucht sie keinen Termin mehr. Sie war die Erste, die am Samstag die Spritze erhielt, ebenfalls Johnson&Johnson. „Einmal impfen reicht“, sagte sie. Sie kenne zumindest einen, der das ablehnt: ausgerechnet ihr Arzt. „Patienten haben ihm von den Nebenwirkungen erzählt, danach war er skeptisch.“ Sie habe das sehr seltsam gefunden: Eigentlich solle doch der Arzt die Patienten beraten und nicht umgekehrt.

Schon bei Ho zeichnete sich ab: Wenn man die Anamnese bei der Registrierung macht, dauert es viel zu lange. Die Impfärzte beschlossen, dass die Leute den Bogen entweder mit ihnen zusammen oder im Wartebereich ausfüllen sollten. Und nachdem das Ordnungsamt Flatterband vor der Tür angebracht und rote Wartestriche auf den Boden gesprüht hatte, entschied man, dass man die Nummernzettel sowie die Anamnese- und Einwilligungsbögen gleich draußen verteilt.

Kritik an Impfaktion in Bonn-Tannenbusch: „Schlecht geplant“

Das hätten sie direkt machen müssen, meinte Friedrich Kastirr aus Bornheim. „Das ist schlecht geplant.“ Und man hätte ein Megafon mitbringen müssen, um die Nummern aufzurufen, damit man nicht erst die Leute suchen musste. Kastirr war aufs Geratewohl gekommen, um sich impfen zu lassen, da er als Handwerker im Baugewerbe viel unterwegs ist und nie sicher sein kann, dass er Impftermine einhalten kann. Deshalb wählte er ebenfalls Johnson&Johnson. Für ihn ist wichtig, „dass man wieder mit Leuten in Berührung kommen kann, ohne Angst zu haben“. Und irgendwann wolle er mal wieder in den Urlaub fahren.

Die Impfwilligen reihten sich bald bis zur Oppelner Straße. Die Organisatoren waren auf den Ansturm vorbereitet: 400 Dosen Biontech/Pfizer hatte man mitgebracht, außerdem weitere von Johnson&Johnson, und wenn es nicht gereicht hätte, hätte die Feuerwehr aus dem Impfzentrum weitere Dosen beschafft. Oberbürgermeisterin Katja Dörner freute sich über das Interesse. Den Wunsch nach einem offenen Impfen vor Ort habe die Stadt schon lange gehabt, jetzt sei der Impfstoff dafür da, sagte sie. Am Sonntag kündigte die Stadt eine weitere offene Impfaktion in Tannenbusch an: am Mittwoch, 14. Juli, von 16 bis 20 Uhr. Die Daten für ähnliche Aktionen in den Stadtbezirken Bad Godesberg, Beuel und Hardtberg will die Stadtverwaltung am Montag, 12. Juli, bekanntgeben. 

„Erst hatten wir keinen Impfstoff, jetzt werden wir damit überschwemmt und sollen ihn unters Volk bringen“, so die Bonner Gesundheitsdezernentin Margarete Heidler. Das tue man jetzt. Ursprünglich war nur Johnson&Johnson im Gespräch gewesen, der andere Impfstoff kam am Freitag spontan mit dem 31. Impferlass des Landes dazu. „Wir können immer nur nach Erlasslage agieren“, sagte sie. Auch in Sachen Impfen von Kindern ab zwölf Jahren. Man müsse vorsichtig bleiben, meinte Kinderarzt Hubert Radinger, es fehle noch an schlüssigen Studien. „Ein Überschuss an Impfstoff sollte nicht die wissenschaftliche Begleitung außer Kraft setzen.“

Der Öffnungsstrategie der Landesregierung stand Gesundheitsamtsleiterin Susanne Engels skeptisch gegenüber. „Wir stehen ein bisschen vor der vierten Welle.“ Da seien Impfungen vor Ort wichtig, und mit denen habe man etwa in Senioren- und Pflegeheimen immer gute Erfahrungen gemacht, sagte die leitende Impfärztin Maria Radloff. Gute Vernetzung sei wichtig dabei, meinte Mona Kheir El Din, Leiterin des Hauses Vielinbusch. „Wenn wir zusammenarbeiten, können wir viele Menschen erreichen, die nicht durch die Regelinstitutionen erreicht werden konnten.“

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