Unerklärte Verzögerung enttäuscht Besucher Panne bei Feuerwerk und Drohnenshow von Rhein in Flammen

Bonn · Mit Spannung war die Drohnenshow mit kombiniertem Feuerwerk bei Rhein in Flammen erwartet worden - doch dann lief einiges schief. Viele Besucher gingen enttäuscht nach Hause. Dabei verpassten sie einiges.

Rhein in Flammen 2024 in Bonn: Bilder von Festival und Feuerwerk
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Bilder von Rhein in Flammen in der Bonner Rheinaue

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Foto: Benjamin Westhoff

Das große Feuerwerk ist das Aushängeschild von Rhein in Flammen. Diesmal hatte es das neue Veranstalterteam um den Bonner Yannick Fugenzi sogar um eine Drohnenshow erweitert. Doch als es um um Punkt 23.05 Uhr am Samstagabend losgehen sollte, passierte erst einmal gar nichts. Das machte sogar Radio Bonn/Rhein-Sieg-Moderator Frank Wallitzek kurzzeitig sprachlos.

Oberbürgermeisterin Katja Dörner stand auf der Hauptbühne, vor ihr Menschenmassen. Seit 22 Uhr waren immer mehr Besucher trotz des Regens in die Rheinaue gekommen. „Drei, zwei, eins“, zählten sie und der Moderator den Countdown herunter. Die Menge jubelte. Doch anstatt dass die rund 300 Drohnen in den Himmel stiegen, blieb es dunkel. Schließlich wurde der Start immer weiter verschoben. Wie Zuschauer berichteten, gab es keine Musik und auch keine Durchsagen auf dem weitläufigen Gelände - weshalb viele enttäuscht nach Hause gingen.

Effekte kamen bei den Zuschauern an

Erst mehr als eine halbe Stunde später konnten die Drohnen dann aufsteigen, dazu wurde Musik abgespielt und eine Geschichte rund um die Nibelungen erzählt. Allerdings wurde die Story durch einen Ruckler unterbrochen. Das Feuerwerk zündete, als der Drache in Richtung der Feuerwerkskörper spie. Tolle Effekte, was auch die Reaktionen der Zuschauer widerspiegelten. Von da an lief es, so wirkte es zumindest aus der Ferne, reibungslos.

Wer jedoch bei der Musik auf Radio Bonn/Rhein-Sieg setzte, das jedes Jahr die passenden Klänge für diejenigen abspielt, die nicht die Töne auf dem Gelände hören können, erlebte alles nur noch verzögert - oder gar nicht. Moderator Frank Wallitzek versuchte die Verspätung zu überbrücken, musste aber auch zugeben, dass er so etwas bisher noch nicht erlebt hatte. Schließlich verkündete man dann, dass die Show abgesagt sei. Wallitzek spielte wieder normale Radiomusik, das Programm ging weiter. Offenbar war man überrascht, als die Drohnen doch aufstiegen - es war Werbung auf dem Sender zuhören. Mit Verzögerung wurde dann die passenden Audiodateien abgespielt.

Im Produktionsbüro von Rhein in Flammen war die Stimmung danach denkbar schlecht. Was für die Verzögerung gesorgt hatte, darüber gab es zunächst noch keine Aussagen. Von Veranstalterseite war in der Nacht keine Stellungnahme zu erhalten. Im Laufe des Sonntags sprachen die Organisatoren über die Gründe für die Panne.

Tolles Fest trotz Regenwetter

Dabei war alles so gut gestartet. Am Samstagnachmittag heizten auf der Bühne die Räuber ordentlich ein und sorgten für Stimmung in der Rheinaue. Da wartete bereits Kölsch-Rock-Band Kasalla im Backstage Bereich auf ihren Auftritt. Einige Hunderte Besucher sangen und tanzten vor der Hauptbühne die Klassiker des Karnevals mit - vor der Bootshaus-Bühne war noch deutlich weniger los.

Mit dem Auftakt am Freitagabend war Veranstalter Yannick Fugenzi zufrieden, auch wenn er sich mehr Besucher gewünscht hätte. Das Wetter habe bei dem verhaltenen Besucherandrang wohl eine Rolle gespielt. So wie es auch den Aufbau am Donnerstag und Freitag deutlich erschwert und verzögert hatte. Davon war am Samstag, dem ereignisreichsten Tag von Rhein in Flammen, nicht mehr viel zu spüren: Die Pfützen, die den Schaustellern und Veranstalter stark zu schaffen gemacht hatten, waren weitestgehend mit Sand aufgeschüttet, die Wiesen deutlich trockener. Die Stimmung war ausgelassen, trotz immer wiederkehrender Regentropfen.

Vorbereitungen für die Drohnenshow liefen gut

Die Vorbereitungen auf der Feuerwerkwiese hinter dem Rheinauensee für Drohnenshow und Feuerwerk als Höhepunkt des dreitägigen Open-Air-Festivals liefen gut. Das Team rund um die Veranstaltungstechniker Showmatrix GmbH, die in enger Absprache mit den Feuerwerkgestaltern in diesem Jahr die Drohnenshow konzipiert hatte, standen für den Aufbau in den Startlöchern – mit dem Regenradar im Blick wartete das Team in der eingerichteten Kommunikationszentrale auf ihren Startschuss. Das finale Startsignal sollte dann am Abend von der Zentrale an die verschiedenen Techniker auf dem Gelände gesendet werden, sagte Madlen Kronfeld, Sprecherin der Showmatrix GmbH. Vorab wurden 300 Drohnen sorgfältig auf einem abgesteckten Feld aufgestellt und für den großen Auftritt testgeflogen.

Zum ersten Mal wurde das Feuerwerk durch die Drohnenshow ergänzt. Konkret sollten um 23.05 Uhr die programmierten und von zwei Drohnen-Piloten gesteuerten Flugkörper starten, um den Zuschauern eine einmalige Show zu bieten. 13 Minuten dauerte die neuartige Show und ging in das traditionelle Höhenfeuerwerk über. Insgesamt erwartete die Zuschauer eine 30-minütige Vorstellung.

„Am Ende ist es nur Technik und Technik hat immer irgendwelche Fehler“

Einer der beiden Drohnenpiloten war Nick, an diesem Abend „Pilot in Charge“ und eigentlich gelernter Veranstaltungstechniker, der mit der Zeit zum Drohnenspezialisten geworden ist. Führerschein, Flugstunden und technisches Verständnis braucht es, um mehrere Hundert Drohnen gleichzeitig zu steuern. Zwei Wochen habe die reine Programmierung gedauert, innerhalb von etwa zwei Monaten sei die Show konzipiert worden: Designentwicklung für die einzelnen Motive, die am Himmel zu sehen sind, Synchronisierung mit dem Feuerwerk und Überprüfung der Drohnen vor Ort gehören zu dem Prozess.

Viel schief gehen könne heute Abend nicht, hieß es da noch. Auch wenn eine Drohne im Flug ihr GPS-Signal verliere, sorgten die Piloten für eine sichere Landung und hätten alles unter Kontrolle. „In der Luft sind die Drohnen höchstens ein Meter auseinander, damit sie nicht kollidieren bei technischen Problemen sind wir während der Show sehr konzentriert und beobachten die Technik“, sagte der Drohnenpilot Nick. Das Schwierigste sei grundsätzlich der Start und die Landung, denn dort starten die 300 Drohnen gleichzeitig auf mehreren Ebenen eng übereinander und fliegen von dort in ihre Formationen. „Am Ende ist es nur Technik und Technik hat immer irgendwelche Fehler“, sagte Nick. Das Wetter machte dem Drohnenpiloten am Samstagabend hingegen keine Sorgen. Den Drohnen würde der Regen nichts ausmachen, erklärte er. Erst bei wirklich stürmischen Wetter käme es bei der Drohnenshow zu Problemen.

Erste Bilanz des Rettungsdienstes

Geschäftsführer Alexander Willems vom privaten Rettungsdienst BOS 112 zog eine Bilanz zum ersten Abend: „Es war entspannt, die Lage sehr stabil, wir hatten 20 Einsätze. Die wurden vor allem durch Alkohol und Schnittverletzungen ausgelöst“, sagte Willems. Jedoch seien für die Schnittverletzungen keine Glasflaschen verantwortlich gewesen. Auch Probleme mit Drogenkonsum habe es kaum gegeben. „Es war sehr gesittet“, sagte Willems. Das könne natürlich auch mit der niedrigen Besucherzahl zusammenhängen. Zwischen 6000 und 7000 Menschen waren gestern vor Ort, sagte Tim Balz, Leiter des Operativen Geschäfts von BOS 112. Vorbereitet sei das Unternehmen auf 500 Einsätze, vergangenes Jahr hätte es 200 gegeben. Größenordnungen von 150.000 Menschen, wie für das Wochenende in der Rheinaue angekündigt, seien für die Rettungskräfte nichts Neues, sagten Willems und Balz.

Beim Betreten des Festivalgeländes in der Nähe der U-Bahn Station Rheinaue fragten die Ordner nach Glasflaschen, teilweise werden Taschen abgetastet.

Ein vermehrter Cannabis Konsum durch die Legalisierung, sei laut Aussage von Rettungskräften und Veranstalter Fugenzi nicht zu beobachten. Die Leute, die Gras konsumieren wollen, haben das auf den Festivals auch vor der Legalisierung schon getan, sagte Fugenzi. In dem Bereich um die Fahrgeschäfte, wo sich vermehrt Kinder und Jugendliche aufhalten und daher das Rauchen von Marihuana verboten ist, war kaum eine Cannabiswolke bemerkbar. Rund um die Bootshaus-Bühne lag der typische Duft von Cannabis häufiger in der Nase.

Während einige der Besucher, als gegen 19 Uhr der Regen einsetzte, zu den umliegenden Ständen strömten, um sich unterzustellen, ließen sich andere mit Regenschirm und Regencape ausgestattet nicht unterkriegen. Vor der Hauptbühne wurde weiterhin mit Tina T gefeiert und getanzt – die Techno-Fans vor der Bootshaus-Bühne schien der Regen noch weniger zu stören.

Mittelaltermarkt als Oase der Ruhe

Das beste aus dem Wetter machen - das dachten sich wohl auch der Kölner Kolja Koch und sein Opa Gert Jahn aus Münster. Auf Campingstühlen sitzend mit dem Regenschirm in der Hand spielten die beiden eine Partie Schach. Während die restliche Familie auf dem Mittelaltermarkt unterwegs waren, vertrieben sie sich auf der Wiese vor dem Rheinauensee die Zeit.

Bis das Stresemannufer, an dem der Mittelaltermarkt zum Ersten mal stattfindet, erreicht ist, dauert es zwar etwa 20 Minuten zu Fuß. Der Weg wird jedoch mit handgeschabten Spätzle, der Möglichkeit zum Axtwerfen und Bogenschießen sowie mittelalterlicher Kleidung und wärmenden Feuerstellen belohnt. „Du hast die Ehre zu zahlen, dann kannst du mir 16 Taler geben und kriegst vier Silberlinge zurück, hab Dank und habt euch wohl“, hieß es vom Spätzle-Stand am Mittelaltermarkt.

Auf dem Weg zur Rheinaue ist der Markt ein gemütlicher Ruhepol abseits vom Trubel auf dem Festivalgelände und ideal um vor dem intensiven Festivalerlebnis noch einmal kurz innezuhalten. So auch Guillermo, der mit seinen Freunden auf dem Weg zu Rhein in Flammen dort verweilt: „Das Essen ist sehr lecker, wir genießen die Ruhe vor dem Trubel und gerade bei dem Wetter sind die Feuerstellen sehr gemütlich“, sagte der Besucher. Am Sonntag geht Rhein in Flammen weiter, mit dem Fokus auf Familien.

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