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Bonn - Polizei warnt: Profi-Taschendiebe setzen sich in Bonn fest​

Polizei warnt : Profi-Taschendiebe setzen sich in Bonn fest

Die Kripo vermutet, dass die Banden aus anderen Städten verdrängt worden sind. Auch Meckenheim scheint die Ganoven anzuziehen. Die Polizei reagiert mit verschärften Kontrollen im Rahmen der umstrittenen strategischen Fahndung.

Die Polizei zielt mit der 28 Tage laufenden strategischen Fahndung auch auf ortsfremde Diebesbanden, die sich offenbar in Bonn und Meckenheim festsetzen wollen. Die Taschendiebe bestehlen vor allem Senioren. So steht es in der Fahndungsanordnung, die Polizeipräsident Frank Hoever dem GA zur Verfügung gestellt hat.

Die Kriminalpolizei erwartet, dass die Täter „nicht zuletzt als Folge von Verdrängungseffekten aus umliegenden Städten Bestrebungen haben, sich im Bonner sowie Meckenheimer Stadtgebiet fest zu etablieren“. Sie seien dabei, „kriminelle Strukturen aufzubauen“. Die Diebstähle würden mit verteilten Aufgaben begangen, heißt es weiter. Die Profi-Gauner betrieben „gezielte Gegenobservation“, um Polizisten rechtzeitig zu entdecken. Eine ihrer Maschen: Opfer werden am Bankautomaten ausgespäht, um an die Pin-Nummer zu gelangen. Dann verwickelt ein Täter die Person in ein Gespräch, während ein Komplize die Geldkarte stiehlt.

Am Dienstag 42 Fahrzeuge kontrolliert

Allein im Stadtbezirk Bonn (Zentrum, Nord-, Süd-, Weststadt und Castell) sind die Taschendiebstähle laut Polizei von Januar bis Oktober um 203 Fälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen – eine Zunahme von 59 Prozent. Noch drastischer in Meckenheim: 47 Taschendiebstähle nach 19 Fällen im Vorjahreszeitraum entsprechen 142 Prozent mehr. Auch Einbrüche nehmen wie berichtet zu. Im Bereich des Bonner Präsidiums, zuständig auch für den linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis sowie Königswinter und Bad Honnef, liegt der Anstieg mit 764 Fällen bei 20 Prozent.

Mit der seit Freitag laufenden strategischen Fahndung, die verschärfte Kontrollen ohne Verdachtsmomente erlaubt, will die Polizei die Täter stören. Am Dienstag etwa kontrollierten die Beamten in Duisdorf, Mehlem und der Rheinaue 62 Personen und 42 Fahrzeuge, so Polizeisprecher Simon Rott. Auf Einbrecher stießen sie nicht, stellten aber zehn Ordnungswidrigkeiten fest und schrieben drei Anzeigen. Es waren Verstöße gegen die Gurtpflicht darunter. Außerdem stoppte die Polizei einen fünfsitzigen Transporter, in dem sieben Bauarbeiter nebst Gerätschaften Platz fanden. Da der Fahrer keine gültige Fahrerlaubnis hatte, wurde Anzeige gegen den Halter des Fahrzeugs erstattet.

Dortmund berichtet von Erfolgen

Die Dortmunder Polizei hat die strategische Fahndung seit der Änderung des NRW-Polizeigesetzes 2018 mehrfach angewendet und stuft sie als erfolgreich ein. Als Anlässe nennt die dortige Pressestelle neben Einbrüchen zum Beispiel Raubüberfälle in der Innenstadt, die illegale „Tuning-, Raser- und Poser-Szene“ und Revierkämpfe im Clan- und Rockermilieu. Nach einem Angriff auf ein Tattoo-Studio sei damit 2021 ein weiterer Zusammenstoß rivalisierender Gangs verhindert worden.

Allein 2019 sind nach Angaben des Präsidiums in Dortmund während der Fahndung zur Bekämpfung von Einbruchskriminalität 10 016 Personen kontrolliert, 229 Personen festgenommen und 935 Anzeigen geschrieben worden. Die damalige NRW-Datenschutzbeauftragte kritisierte allerdings, die Maßnahme habe „zu tausenden Kontrollen von Passantinnen und Passanten inklusive deren Identitätsfeststellungen geführt, ohne den angestrebten polizeilichen Erfolg zu erreichen“. Ob die aktuelle Datenschutzbeauftragte Bettina Gayk die Kritik ihrer Vorgängerin teilt, ließ ihr Sprecher auf Nachfrage offen.