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Bonn: Pontifikalamt mit Kardinal Woelki von Protesten begleitet​

Kölner Erzbischof predigt im Münster : Pontifikalamt mit Woelki in Bonn von Protesten begleitet

Zur Wiedereröffnung der Münsterbasilika war dort am Sonntag der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki zu Gast. Auf dem Münsterplatz protestierten die Initiative Maria 2.0 und die Bewegung „Wir sind Kirche“.

Der Applaus war langanhaltend und laut, als Stadtdechant Wolfgang Picken zu Beginn des Pontifikalamtes Rainer Maria Kardinal Woelki für sein Kommen dankte. Die Münsterbasilika war am Sonntag beinahe bis auf den letzten Platz gefüllt. Über die ganze Dauer des Gottesdienstes war klar: Hier soll es nur um die Wiedereröffnung des sanierten Kirchengebäudes gehen. Picken dankte unter anderem den Bonnerinnen und Bonnern für ihre finanzielle Unterstützung.

Erzbischof Woelki pflichtete Picken bei: „Es hat mich tief bewegt zu lesen, wieviel die Bonnerinnen und Bonner dazu beitragen haben. Mit ihren Gebeten, aber auch mit ihren Spenden.“ Das Wort, das am häufigsten in seiner Predigt fiel, ist das Wort Schönheit. „Wer sagt, dass Schönheit ein Privileg der Jugend sei?“, fragt er die Anwesenden. „Die Basilika beweist das Gegenteil.“

   Mit der Kunstinstallation „Vertrauen verMöbelt" protestiert die Initiative Maria 2.0 auf dem Münsterplatz.
Mit der Kunstinstallation „Vertrauen verMöbelt" protestiert die Initiative Maria 2.0 auf dem Münsterplatz. Foto: Benjamin Westhoff

Sie sei nicht nur schön, sondern geradezu „atemberaubend schön“. Der Herr wolle die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler: Heilig soll sie sein und makellos, zitiert der Kardinal den Brief an die Epheser.

Zum Abschied mit abermals viel Applaus erhielt der Kardinal noch einen Stein der Münsterbasilika als Erinnerung. Er wisse noch nicht, ob er diesen behalten könne, oder ihn in ein Archiv geben werde, so Kardinal Woelki. Nach dem Gottesdienst gab es noch einen Empfang in Kreuzgang.

„Ich bin vor allem zum Gottesdienst gekommen, um zu sehen, wie die Menschen auf Woelki reagieren“, sagt Hiltrud Prause. Die 79-jährige Bonnerin hat der lange Applaus für den Kardinal schon sehr erstaunt. Auch wenn sie mit einem positiven Gefühl aus der Basilika kam, ging sie doch auch nachdenklich nach Hause. „Es wurden Millionen für Gutachten rausgeworfen. Das ist so viel Geld“, so Prause mit Blick auf die schleppende Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Erzbistum.

Magdalena Pfeiler war auch erstaunt über den langen Applaus. Dass der Skandal um Kindesmissbrauch im Gottesdienst mit keiner Silbe erwähnt wurde, fand sie nicht schlimm. „Es war ja eine Predigt für die Gläubigen“, sagt sie. Und schließlich habe Woelki dem Papst ja auch seinen Rücktritt angeboten, den Franziskus dann abgelehnt habe.

   Gläubige von "Wir sind Kirche" zeigen dem Kölner Erzbischof vor der Münsterbasilika die Rote Karte.
Gläubige von "Wir sind Kirche" zeigen dem Kölner Erzbischof vor der Münsterbasilika die Rote Karte. Foto: Benjamin Westhoff

Auch ein 32-jähriger Königswinterer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, hält die die Münster-Wiedereröffnung nicht für den richtigen Platz, um über das Thema Missbauch zu sprechen. Für ihn sei Kardinal Woelki der legitime Erzbischof. „Er hat sich nichts zu Schulden kommen lassen“, findet der Königswinterer.

Ganz anders sehen das zwei Protestgruppen, die sich am Sonntag auf dem Münsterplatz aufgestellt hatten. Für die Initiative Maria 2.0 Rheinland baute die Künstlerin Heike Becker hundert kleine Stühle auf dem Platz auf. Mit der Kunstinstallation „Vertrauen verMöbelt“ wolle die Gruppe auf die weiteren Verfehlungen der katholischen Kirche im Missbrauchsskandal aufmerksam machen. „Wir wollen damit zum Ausdruck bringen, wie sehr das Vertrauen in die Kirche missbraucht worden ist“, sagte Koordinatorin Renate Koddenbrock.

Demonstranten fordern Rücktritt

Als der Gottesdienst endete, stellten sich mehrere Mitglieder der Bewegung „Wir sind Kirche“ vor dem Ausgang des Münsters auf. Dabei hielten sie rote Plakate hoch, auf denen etwa „Zurücktreten Jetzt“ und „Rote Karte für Kardinal Woelki“ stand. Vereinzelt kam es zu Diskussionen mit Gottesdienstteilnehmern. „Ihr seid keine Kirche. Betet mal lieber“, rief einer der Besucher den Protestierenden zu. „Wir sind Kirche“ kritisiert, dass Woelki „ernstgemeinte Einladungen verschiedenster kirchlicher Gruppen zum Gespräch“ abgelehnt habe.

Stadtdechant Wolfgang Picken hatte im Vorfeld des Pontifikalamts in einer Pressemitteilung erklärt, die vielerorts geäußerte Kritik an der Person des Kölner Erzbischofs sei für diesen Tag unwichtig. „Am Sonntag geht es nicht um Personen. Es geht darum, die Bedeutung der Münsterbasilika für die Stadt und das Erzbistum zu würdigen und nochmals den Abschluss der Generalsanierung zu feiern. Dabei wird uns die gemeinsame Freude und der Dank nicht zuletzt gegenüber Gott verbinden“, so Picken.