Maßnahmen bis 2035 Stadt und Stadtwerke ziehen erste positive Bilanz zum Klimaplan

Bonn · Eine erste positive Bilanz haben Stadt Bonn und Stadtwerke zum vor einem Jahr vom Rat beschlossenen Klimaplan gezogen. Was noch alles zu tun ist, damit das Ziel der Klimaneutraltät Bonns im Jahr 2035 erreicht werden kann.

Die Stadt zieht Bilanz zu ein Jahr Klimaplan 2035. Zu sehen ist das Heizkraftwerk-Nord.

Die Stadt zieht Bilanz zu ein Jahr Klimaplan 2035. Zu sehen ist das Heizkraftwerk-Nord.

Foto: Benjamin Westhoff

Vor gut einem Jahr hat der Bonner Stadtrat den Klimaplan beschlossen. Das Ziel: Bis 2035 soll die Stadt Bonn klimaneu­tral werden. Erdgas, Öl und Kohle sollen dann vollständig durch erneuerbare Energie ersetzt und der Verbrauch von Diesel und Benzin in der Stadt um 99,5 Prozent reduziert worden sein. Gleichzeitig soll der Energiebedarf um 42 Prozent gesenkt werden. Am Donnerstag haben Oberbürgermeisterin Katja Dörner und Stadtwerke-Chef Olaf Hermes bei einer Pressekonferenz eine erste positive Bilanz gezogen.

Mit am Tisch saßen Monika Hallstein, Leiterin des Programmbüros Klimaneutrales Bonn 2035, und Raphael Karutz, Leiter des Büros Bürgerbeteiligung. Rund zwei Drittel der Aktivitäten des Bonner Klimaplans 2035 seien auf den Weg gebracht worden, sagte Dörner. „Bonn soll in elf Jahren klimaneutral sein. Das ist eine Mammutaufgabe, die wir nur gemeinsam bewältigen können.“ Dafür müssen die Konzerntöchter der Stadt eng zusammenarbeiten und alle Bonnerinnen und Bonner mitmachen. „So können wir erfolgreich sein.“ Der Konzern Stadt Bonn mit allen Töchtern verursache rund 40 Prozent des CO2-Ausstoßes. 60 Prozent liege bei den Bonner Haushalten. Deshalb schaffe die Stadt verschiedene Angebote, wo sich die Bonner rund um Klimaschutz und -anpassung beraten lassen und auch mitwirken können. „Es lohnt sich, jetzt in den Klimaschutz zu investieren, um spätere Folgekosten zu vermeiden“, betonte Dörner.

Stadt Bonn stößt 870.000 Tonnen CO2 aus

Rund 870.000 Tonnen CO2 stößt der Konzern Stadt Bonn im Jahr aus. Den Löwenanteil produzieren die SWB vor allem mit ihren Töchtern Müllverwertungsanlage (MVA), SWB Bus und Bahn sowie BonnNetz und SWB Energie und Wasser, wie Hermes erklärte. Aber auch, wenn die Stadtverwaltung mit ihren fast 1000 Immobilien und die rund 6600 Wohnungen der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Vebowag mit circa 34.000 Tonnen CO2-Ausstoß – die Zahlen stammen von 2019 und haben sich Hallstein zufolge bisher kaum geändert – nur einen verhältnismäßig kleinen Anteil an der Gesamtemission hätten, so sieht Hermes die Stadt in einer Vorreiterrolle. „Wärmepumpen und Photovoltaik-Anlagen sind noch nicht die Klassiker, die man in den städtischen Gebäuden vorfindet“, räumte er ein. Der Bestand liege zurzeit jeweils in einem zweistelligen Bereich.

Das soll sich aber in naher Zukunft ändern. Hallstein zufolge sollen jetzt rund 300 städtische Dächer überprüft werden, ob sie sich für PV-Anlagen eignen. Bis Ende 2024 sollen PV-Anlagen auf den Dächern von mindestens 110 städtischen Liegenschaften installiert sein. Auch werde die Stadt in diesem Jahr rund 50 der ältesten Heizungen durch Wärmepumpen ersetzen lassen. Weitere würden folgen. Zudem seien inzwischen rund 4000 Bewilligungsbescheide an Bürgerinnen und Bürger für PV-Anlagen ausgestellt worden. Immer mehr Mieterinnen und Mieter nutzten zudem die Möglichkeit, kleine PV-Anlagen auf den Balkonen anzubringen – sogenannte Balkonkraftwerke.

Um die Klimaneutralität Bonns 2035 zu erreichen, müssen nicht nur die Stadt Bonn, sondern insbesondere die Stadtwerke in den nächsten Jahren kräftig investieren. Das ist geplant:

MVA: SWB-Chef Hermes geht davon aus, dass in naher Zukunft ein Beschluss für den Neubau der in die Jahre gekommenen MVA in Endenich gefasst werden muss. Sie gehört mit 135.000 Tonnen CO2-Ausstoß zu den großen Emittenten des Konzerns. „Dabei ist die Energieausbeute suboptimal“, so Hermes. Noch in dieser Dekade soll deshalb auf dem MVA-Areal eine neue Anlage nach mit modernster Technologie und möglichst mit einer CO2-Abscheideanlage errichtet werden. Die Gesamtkosten schätzen die SWB derzeit auf rund 500 bis 600 Millionen Euro.

Heizkraftwerk (HKW) Nord: Das Heizkraftwerk an der Karlstraße wird derzeit noch mit Erdgas betrieben. Zurzeit wird die Anlage so ertüchtigt, dass sie ab dem dritten Quartal in diesem Jahr mit grünem Wasserstoff betrieben werden könnte. Laut Hermes verhandeln die SWB derzeit mit der Bundesnetzagentur, dass das HKW Nord an das geplante Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen wird.

Energie und Wasser: Weil mit dem zunehmenden Anteil an E-Fahrzeugen, Wärmepumpen etc. auch mehr Strom gebraucht wird, planen die SWB den Ausbau ihres Stromnetzes um rund 1000 Kilometer. Das Fernwärmenetz soll von derzeit 127 Kilometern auf rund 270 Kilometern ausgebaut werden. Die Kosten dafür liegen Hermes zufolge derzeit bei etwa 700 Millionen Euro.

ÖPNV: Alle 200 Diesel-Busse der Stadtwerke sollen sukzessive durch E-Busse ersetzt werden. Zehn E-Busse sind bereits bestellt und sollen noch in diesem Jahr zum Einsatz kommen. Auf dem Betriebshof in Friesdorf werden dafür Ladestationen errichtet. Weitere Projekte auf der Klimaagenda der SWB sind die geplante Seilbahn zwischen Ramersdorf und den Kliniken auf dem Venusberg sowie die Westbahn. Bei der Stadt Bonn steht vor allem der Radwegeausbau ganz oben auf ihrer Agenda.

Die kommunale Wärmeplanung: Mithilfe der Wärmeplanung, an der derzeit die SWB arbeiten, soll ermittelt werden, in welchen Quartieren in Zukunft mit Fernwärme, mit Wärmepumpen oder mit Geothermie geheizt werden kann. Der Wärmeplan, der im ersten Quartal auf dem Tisch liegen soll, soll den Bürgern eine Orientierung geben, wie sie zukünftig ihre Häuser und Wohnungen klimaneutral beheizen können.

Das Personal: Seit dem Zielbeschluss für den Klimaplan, der mit rund 50 Millionen Euro und 55 Stellen ausgestattet ist, hat die Verwaltung bisher 23 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unterschiedlichsten Bereichen der Stadtverwaltung eingesetzt.

Die Klimaviertel: Zusammen mit den Menschen vor Ort sollen in den sogenannten Klimavierteln in jedem der vier Stadtbezirke nachhaltige und innovative Lösungen für den Klimaschutz gefunden werden. Dabei setzt die Stadt unter anderem auf Veranstaltungen, Vernetzung, Beratung und finanzielle Förderung. Alle Bonnerinnen und Bonner, so der dafür zuständige Raphael Karutz, seien eingeladen mitzuwirken. Die Kosten für die vier „Klimaviertel“ betragen im Haushaltsjahr 2023/2024 rund eine Million Euro. In den Folgejahren geht Karutz von rund 700.000 Euro pro Jahr aus.

Alle Informationen im Internet unter www.bonn.de/klima.

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Philipp Königs
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