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Bonn: Präventionsprojekte für seelisch kranke Kinder und Jugendliche

Präventionsprojekte in Bonn und der Region : Pandemie verschlimmert psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen

Immer mehr Kinder werden seelisch krank, was durch die Corona-Pandemie verschlimmert wird. Zwei Präventionsprojekte in Bonn und der Region bieten Hilfe an.

Da ist der Viertklässler, für den die Zwei in Mathematik schon den Weltuntergang bedeutet: Seine Eltern erkennen nur Einsen an, schildert der Junge die familiäre Stimmung. Und da ist die Abiturientin, die die voll berufstätigen Eltern nicht noch damit belasten will, dass sie sich in den Monaten der Pandemie mit Online-Unterricht immer einsamer fühlt und Essstörungen entwickelt. „Schon vor Corona gab es eine Zunahme von psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen, und die Pandemie hat die Situation noch schlimmer gemacht“, erläutert Angela Ehlert vom Verein Hilfe für psychisch Kranke die Situation von immer mehr Heranwachsenden in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis. Deshalb hat der Verein für die Region zwei bedarfsgerechte Angebote zur Förderung der seelischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen entwickelt, die ab sofort neu in Grund- und weiterführende Schulen geholt werden können.

Kummermonster ist für Jugendliche da

„Seelenschlau“, für das Oberbürgermeisterin Katja Dörner die Schirmherrschaft übernommen hat, will Kinderseelen spielerisch stärken, erläutert Helen Scheunig das Angebot für Schüler der vierten bis achten Klasse. Die Kinder lernten in kleinen Gruppen niederschwellig, die „Bedürfnisse ihrer Seele zu erspüren“, mit Emotionen umzugehen, einen Ausgleich für belastende Situationen zu schaffen und mit Leistungsdruck umzugehen. „Sie werden seelenschlau“, sagt Scheunig, eine Lehrerin, die für die Kleinsten dann auch das Kummermonster des Vereins auspackt.

„In den Reißverschlussmund dieser Stoffpuppe kann jeder sein Anliegen auf Zetteln hineinstecken“, erläutert Scheunig. Kollegin Sylvia Oltmanns, eine Diplom-Pädagogin und Regisseurin, versucht dann mit Hilfe von Rollenspielen und kleinen Theaterstücken, bestehende Ängste zu orten und aufzulösen, bevor man gemeinsam ins Gespräch über das Erlebte kommt.

Gruppen- und Einzelgespräche

Oltmanns hat parallel dazu schon im Mai online mit dem zweiten Vereinsprojekt, mit „Seelenstark“, begonnen. Zu den Gruppen- und Einzelgesprächen, die zweimal im Monat stattfinden, können sich 14- bis 18-Jährige selbst melden. „Im Selbsthilfekreis tauschen sich die Jugendlichen miteinander über das aus, was sie belastet“, sagt Oltmanns. Da gehe es ebenfalls um wachsenden Leistungsdruck, um Angststörungen, Cybermobbing, um Selbstverletzung wie Ritzungen und darum, dass einige Schüler in der Pandemie gar nicht mehr aus ihren Zimmern heraus wollten. „Der Bedarf, darüber zu sprechen, ist riesig, berichten uns die Schulpsychologen“, sagt Oltmanns. Um ins Projekt zu kommen, müssten die Jugendlichen natürlich selbst erst die Hemmschwelle überschreiten, sich anzumelden: „Aber dann kommen die meisten sehr schnell zum Punkt und berichten offen über ihre Probleme.“ Bei Bedarf vermittelt Oltmanns die jungen Leute dann an spezielle Hilfen weiter.

Die Vereinsangebote seien kostenlos und würden durch das NRW-Arbeitsministerium und mehrere Stiftungen gefördert, erläutert Ehlert. Bei „Seelenschlau“ bitte man die Fördervereine der Schulen um eine Spende, wenn sie das leisten können. „Wir sehen, wie groß der Druck heute schon auf die jüngsten Schüler ist“, bedauert es Ehlert, die den Gesamtprojektbereich „Seele trifft auf Schule“ betreut. Seit 14 Jahren geht der Verein damit bis zu 20 Mal im Jahr zu Informationsveranstaltungen in alle Schulformen der Region. Überall spüre sie, dass Werte wie soziale Kompetenz immer mehr zu kurz kämen. „Dabei ist doch gerade Herzensbildung etwas, was unsere Kinder und Jugendliche unbedingt mitbekommen sollten.“

Kontakt zu den Projekten „Seelenschlau“ und „Seelenstark“: Hilfe für psychisch Kranke e.V. Bonn/Rhein-Sieg, Kaiserstr. 79, Tel. 0228 - 2 891 491, Internet: www.hfpk.de