Zahl stationärer Aufenthalte Bonner Kliniken behandeln mehr Menschen wegen psychischer Erkrankungen

Bonn · Wegen psychischer Erkrankungen sind zuletzt wieder mehr Menschen stationär behandelt worden. In der Pandemie ging die Zahl der Behandlungen wegen geringerer Behandlungskapazitäten an vielen Kliniken zurück. Nicht so an der Bonner Uniklinik, wo die Patienten im Schnitt jünger werden.

 In Bonn ist die Zahl der stationären Behandlungen bei psychisch Erkrankten gestiegen. Vor allem bei Männern stiegen die Aufenthalte. (Symbolfoto)

In Bonn ist die Zahl der stationären Behandlungen bei psychisch Erkrankten gestiegen. Vor allem bei Männern stiegen die Aufenthalte. (Symbolfoto)

Foto: dpa/Patrick Pleul/Archiv

In Bonn sind zuletzt mehr Menschen wegen psychischer Erkrankungen stationär behandelt worden. Das zeigen Zahlen, die das Statistische Landesamt für das Jahr 2022 veröffentlicht hat. Aktuellere Zahlen für das Jahr 2023 liegen bislang nicht vor. Demnach stieg die Zahl der Aufenthalte im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent auf 4841. Bezogen auf das Geschlecht stieg die Zahl der Behandlungen bei Männern um 5,3 Prozent an, bei Frauen ging sie leicht zurück. Männer haben zudem mit 54,6 Prozent auch einen höheren Anteil an den Klinikaufenthalten. In Nordrhein-Westfalen blieb die Zahl der stationären Behandlungen insgesamt nahezu gleich bei rund 239.000 Patienten.

Die Fallzahlen in den Pandemiejahren zeigen sowohl für NRW als auch für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis deutliche Rückgänge. In NRW wurden demnach knapp zwölf Prozent weniger Patienten behandelt. Weniger Erkrankungen habe es aber nicht gegeben, sondern weniger Behandlungskapazitäten, sagt Alexandra Philipsen, Direktorin der Psychiatrie an der Bonner Uniklinik. Viele Betten seien demnach für die Behandlung von Coronapatienten umfunktioniert worden. „Es waren nicht weniger Menschen psychisch krank, aber das stationäre Angebot konnte in vielen Kliniken nicht aufrecht erhalten werden“, sagt Philipsen.

Für die Bonner Uniklinik habe dies aber nicht gegolten. Ganz im Gegenteil: „Wir hatten Fallzahlsteigerungen während der Coronazeit in vielen Bereichen, auch in der Psychiatrie“, so die Direktorin.

Patienten mit psychischen Problemen werden jünger

Suchterkrankungen, Depressionen und Angststörungen hätten in der Pandemie zugenommen. „Den meisten Betroffenen ging es in der Pandemie schlechter“, sagt sie. Für 2023 sieht Philipsen bei ihren Patieten eine Zunahme vor allem bei schweren Depressionen. Zudem werden die Patienten im Schnitt jünger. So waren im vergangenen Jahr in der Gruppe der 18- bis 65-Jährigen am UKB die Betroffenen im Schnitt ein Jahr jünger als im Jahr zuvor. Das durchschnittliche Alter sank von 47,7 auf 46,5 Jahre. „Zu uns kommen zunehmend auch jüngere Menschen, die zuvor nie in psychiatrischer Behandlung waren“, sagt Philipsen.

Das UKB stellt in ihrer Psychiatrie 106 Betten für stationäre Aufenthalte bereit. Weitere Behandlungsplätze gibt es in einer Psychosomatischen Klinik, einer Tagesklinik sowie in der Gerontopsychologie, die Patienten ab 65 Jahren behandelt. Zuletzt wurden nach eigenen Angaben 1250 Patienten pro Jahr behandelt. Wesentlich größer ist das Angebot an den LVR-Kliniken in Bonn mit insgesamt 858 Betten und Behandlungsplätzen sowie mehr als 10.000 stationären Aufenthalten im Jahr 2022. Dort wollte man sich aber zunächst nähergehend mit den Zahlen des Landes befassen und keine Stellungnahme beziehen.

Wie das Statistische Landesamt in seiner Auswertung darlegt, sind die meisten Menschen, die stationär behandelt werden, zwischen 40 und 60 Jahren alt. Bei den Krankheitsbildern fanden sich am häufigsten Störungen durch Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch sowie affektive Störungen wie Depressionen.

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