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Bonn: Reisebusse während Corona werden gut angenommen

Land fördert während Corona zusätzliche Schulbusse : Reisebusse für Bonner Schüler werden gut angenommen

Um das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus auf Schulwegen zu verringern, finanziert das Land NRW bis zum Jahresende zusätzliche Schulbusse - auch in Bonn. Im Rhein-Sieg-Kreis stößt das Förderprogramm auf keinen großen Zuspruch.

Mit dem Reisebus zur Schule fahren ist für manche Bonner Schüler derzeit Alltag. Um das Infektionsrisiko während der Corona-Pandemie auf den Schulwegen möglichst gering zu halten, setzt die Stadt aktuell 23 zusätzliche Busfahrten im Schülerverkehr ein. Vor allem im Herbst und Winter ist das eine notwendige Maßnahme, wenn witterungsbedingt weniger Schüler mit dem Fahrrad fahren. Wie im öffentlichen Nahverkehr auch gilt in den zusätzlichen Bussen Masken-, aber keine Abstandspflicht. Die gesamten Mehrkosten soll das Land übernehmen.

Dieses hat pünktlich zum Ende der Herbstferien das vom NRW-Verkehrsministerium ausgehende Förderprogramm für zusätzliche Schulbusse verlängert. Seit Anfang August können Schulträger und Landesverbände aus einem 13,5 Millionen Euro großen Topf Gelder beantragen, um zusätzliche Buskapazitäten zu finanzieren. Zunächst war dieses Programm bis zu den Herbstferien befristet, nun gilt es bis zum Jahresende. Weitere Mittel werden für die Verlängerung aber zunächst nicht bereitgestellt. Bislang sind nach Angaben des Verkehrsministeriums 3,25 Millionen Euro für bereits gestellte Anträge verteilt worden. Die Frist für solche Anträge läuft am 30. November aus. Das Ministerium geht davon aus, dass noch nicht für alle Busse, die schon eingesetzt werden, Anträge gestellt wurden. Für eine Bilanz sei es aber noch zu früh.

Laut Förderrichtlinien gilt dieses Angebot für reine Schulbusse, die von Schulträgern ausschließlich zur Beförderung von Schülern eingesetzt werden, sowie für Verstärkerfahrten auf den Linienwegen des ÖPNV an Schultagen. Wie das Land in einer Pressemeldung mitteilte, habe eine Anfrage beim Verband nordrhein-westfälischer Omnibus-Unternehmen (NWO) zum Start der Förderung ergeben, dass im Land bis zu 1000 zusätzliche Busse zur Verfügung stehen. Dabei handelt es such um Reisebusse unterschiedlicher Unternehmen, die aufgrund der Corona-Pandemie zurzeit nicht anderweitig eingesetzt werden. Der Verband Nordrhein-Westfälischer Omnibusunternehmen hat dem Land und den Schulträgern Hilfe bei der Vermittlung solcher Busse angeboten.

Bonn setzt zusätzliche Busse im Schülerverkehr ein

Die Stadt Bonn hatte bereits Anfang Oktober bekanntgegeben, dass das Ende der hiesigen Maßnahme von den Herbst- auf die Weihnachtsferien verschoben wurde.

Veronika John von den Stadtwerken Bonn (SWB) sagte im Gespräch mit dem GA, dass im Sommer „relativ schnell“ nach dem Lockdown Verstärkerfahrten auf dem Linienbetrieb eingesetzt wurden. Diese durch Anzeigen ausgewiesenen, zusätzlichen Fahrzeuge, die zu Stoßzeiten einem SWB-Linienbus direkt folgen, würden von Subunternehmen gestellt.

Schüler fahren in Bonn mit Reisebus zur Schule

Eines der Subunternehmen ist Univers Reisen. Gleich sieben der zusätzlichen Busse stammen aus dem Fuhrpark des Bonner Busreiseveranstalters. „An der Haltestelle können sich die Kunden dann auf die Busse verteilen und die Kinder stürzen sich immer auf unsere Fahrzeuge. Sie finden es toll, mit einem Reisebus zur Schule zu fahren“, erzählte Anne Kimmel von Univers Reisen auf GA-Anfrage.

Denn neben den unternehmenseigenen Linienbussen, die generell im Auftrag der SWB im Bonner ÖPNV eingesetzt werden, unterstützen nun auch Fernlinien-Reisebusse den Betrieb. Und Reisebus heißt in diesem Fall wirklich Reisebus: Die Fahrzeuge sind ausgestattet mit Toiletten, WLAN und Schlafsesseln. Laut Kimmel gebe es derzeit keine Probleme bei der Abwicklung, da das Unternehmen es gewohnt sei, mit Verstärkerfahrten zu unterstützen. Auch ohne Ausnahmesituation werden 18 Prozent des Linienverkehrs in Bonn von Subunternehmen übernommen, sagte SWB-Sprecherin John. Die sieben zusätzlichen Busse von Univers Reisen sollen laut Aussage des Unternehmens noch bis zu den Weihnachtsferien eingesetzt werden.

SWB beobachtet Fahrgastaufkommen

Laut der Stadt Bonn wurden die bisherigen Ergänzungen im Busverkehr „insgesamt gut angenommen“. Kristina Buchmiller teilte auf GA-Anfrage mit, dass die Stadt eine hundertprozentige Kostenübernahme durch das Land erwarte. Aktuell liege der Antrag auf Förderung für die Zeiträume Sommer- bis Herbstferien sowie Herbst- bis Weihnachtsferien bei der Bezirksregierung Köln.

Ob die aktuellen Maßnahmen ausreichen, um den Bonner Schülerverkehr zu entlasten, ist allerdings unklar. Derzeit würde das Fahrgastaufkommen beobachtet, sagte John von den SWB.

Rhein-Sieg-Kreis findet Förderprogramm „wenig sinnvoll“

Im Rhein-Sieg-Kreis stößt die Landesförderung hingegen auf wenig Zuspruch. „Das gut gemeinte Programm des Landesverkehrsministers war für uns wenig sinnvoll“, sagte Landrat Sebastian Schuster. Busunternehmer aus Südwestfalen könnten nicht in Aegidienberg oder Oberpleis Schüler transportieren. Die auf der Förderliste des Landes genannten Unternehmen aus der Region seien ohnehin bereits im Einsatz. „Wir haben bei der Taktverdichtung alles möglich gemacht, was möglich ist“, versicherte der Landrat. Das Landesverkehrsministerium teilte mit, bislang habe kein Schulträger aus dem Rhein-Sieg-Kreis einen Antrag gestellt.