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Bonn/Rheinbach: 35-Jähriger soll eigene Wohnung in Brand gesetzt haben

Prozess in Bonn : 35-Jähriger soll eigene Wohnung in Brand gesetzt haben

Ein 35-Jähriger soll in Rheinbach seine eigene Wohnung in Brand gesetzt haben. Drei Wochen später soll er dann ein Klinikzimmer in Bonn demoliert haben. Jetzt stand er vor Gericht.

Als die Rauchschwaden bereits durch das Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses in Rheinbach zogen, war der Bewohner der brennenden Fünf-Zimmer-Wohnung nicht daheim. Als der 35-Jährige eine Stunde später zurückkehrte und sah, dass die Feuerwehr die Flammen, die aus seiner Wohnung kamen, löschte, zeigte er sich gegenüber den Helfern sehr überrascht. Tatsächlich jedoch, davon geht Staatsanwalt Sebastian Buß aus, war der 35-Jährige der Brandstifter. Demnach soll er am 6. Dezember 2020 mehrere Gegenstände auf dem Herd deponiert und diesen angestellt haben. „Ein Unfall“, hatte der 35-Jährige später beteuert. Aber der Brandermittler entdeckte noch eine zweite Brandquelle: In einem Schubladenschrank in der Küche war ebenfalls mutwillig Feuer gelegt worden.

Wegen Brandstiftung muss sich der Mieter der Wohnung bald vor dem Bonner Landgericht verantworten, wie Gerichtssprecherin Saskia Wielpütz am Donnerstag mitteilte. Vorgeworfen wird dem Angeklagten zudem gefährliche Körperverletzung, weil die Nachbarin, die über der brennenden Wohnung lebte, durch den Ruß gesundheitlich beeinträchtigt worden sein soll. Der Schaden wird mit 10.000 Euro angegeben: Nicht nur die Küche, sondern die gesamte Wohnung war durch Verrußung unbewohnbar geworden. Zwei Monate nach seiner Festnahme wurde der Angeklagte, der offenbar psychische Probleme hat, dennoch haftverschont. Der 35-Jährige hatte zugesagt, sich freiwillig in die Rheinischen Kliniken Bonn einzuweisen. Eine Auflage, die er befolgte.

Angeklagter rastet aus und demoliert Klinikzimmer

Drei Wochen später jedoch soll der Angeklagte komplett ausgerastet sein: Laut Anklage demolierte er im Klinikzimmer sämtliches Mobiliar, kippte das schwere Bett um und zertrat die doppelt verglaste Sicherheitstür. Das Personal, das den Randalierer nicht gebändigt bekam, rief die Polizei. Am Ende brauchte es mehr als acht Beamte, um den Patienten aufs Bett zu verbringen und zu fesseln. Auch diesen Vorfall am 20. März dieses Jahres leugnet der 35-Jährige: Niemals habe er das Zimmer zerstört. Das könnten nur andere gewesen sein, so sein Statement. Der Staatsanwalt jedoch wirft ihm Sachbeschädigung von Dingen vor, die – wie die Sicherheitstür – dem öffentlichen Nutzen dienen.

Im Prozess muss die 2. Große Strafkammer klären, in welchem Zustand der Angeklagte sich damals befunden hat. Eine psychiatrische Gutachterin ist für das Verfahren bestellt. Staatsanwalt Buß geht wegen möglicher Wahrnehmungsstörungen bislang von verminderter Schuldfähigkeit aus.