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Bonn: Rheinische Stiftung Kulturlandschaft wirbt für Artenvielfalt

Blumen in Bonn : Rheinische Stiftung Kulturlandschaft wirbt für Artenvielfalt

Die wenigsten Hobby-Gärtner achten auf die Herkunft des Saatgutes. das kann folgen für den Naturschutz haben. Die Raine auf dem Meßdorfer Feld dagegen sind seit Jahren mit regionalem Saatgut angelegt und ein Vorzeigeprojekt.

Tagfalter haben ihre Lieblingsspeise, den Nektar ganz bestimmter Pflanzen. Ohne diese blühenden Pflanzen – keine Tagfalter. Die Artenvielfalt schwindet. Von der intensiven Beackerung bis direkt an den Weg nimmt die Landwirtschaft seit geraumer Zeit Abstand. Ein blühender Feldrain ist nicht nur ein schöner Anblick, sondern Standort heimischer Wildpflanzen und Tummelplatz für Insekten und Feldtiere. Die Wildpflanzenstreifen mit Klatschmohn, Kornblume, Wilder Möhre und Wiesen-Margerite am Meßdorfer Feld sind sogar zu einem beliebten Fotomotiv erblüht. Allerdings in diesem Jahr nicht ganz so prächtig wie im vergangenen, wie Landwirt Josef Berg feststellt, wegen des schlechten Wetters“. Er schaut sich auf dem Meßdorfer Feld um, breitet die Arme aus und sagt: „Das ist mein Büro.“ Beneidenswert finden das die anderen am Projekt „Naturschutzsaatgut“ Beteiligten von der Rheinischen Stiftung Kulturlandschaft und vom Bundesamt für Naturschutz bei einer Besichtigung der Blühstreifen auf dem Meßdorfer Feld am Mittwoch.

Berg hat über Jahre Saatgut und die richtige Mischung ausprobiert, damit die Blühstreifen auch tatsächlich für alle Lebewesen gut sind. Jetzt sind sie Vorzeigeobjekte. Insbesondere für die Bienen legen immer mehr Gartenbesitzer Blühstreifen oder -wiesen an. „Allerdings spielen Ästhetik und Kosten bei der Auswahl des Saatguts meist die übergeordnete Rolle“, erläutert Friedhelm Decker, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft mit Sitz in Duisdorf. „Aspekte des Naturschutzes werden beim Kauf kaum berücksichtigt.“ Unter dem Motto „Lokal, regional, ganz egal?“ will die Stiftung über die Bedeutung des richtigen Saatguts für den Naturschutz aufklären.

„Für die Natur ist es nicht egal, welche Art von Saatgut an welcher Stelle zum Einsatz kommt“, sagt Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz. Das Bundesamt ist Projektförderer.  Margerite als Wildform sei nicht gleich Margerite als Kulturform. „Regionales Saatgut ist eher an die örtlichen Bedingungen angepasst, das heißt, dass die Samen in der Region, wo sie später ausgebracht sind, auch gesammelt werden.“ Wenn beispielsweise Samen aus dem Norden im Süden ausgebracht werde, müsste die Pflanze die andere Bodenbeschaffenheit kompensieren. Sie blüht später und fehlt den Bienen dann auf dem Speisezettel. „Standortangepasstes Saatgut ist enorm wichtig, denn was für die Ackerfrüchte gilt, gilt auch für unsere Blühstreifen“, bestätigt Landwirt Berg. „Mohn und Schafgarbe müssen zum Bonner Lösboden passen, genauso wie die Weizen- und Rapssorte.“ Seit mehr als zehn Jahren legt Berg unter Beratung der Stiftung die breiten Raine an.

„Deutschland ist in 22 verschiedene Saatgutregionen eingeteilt“, erklärt Stiftungsgeschäftsführer Thomas Muchow. Seit rund 20 Jahre verwendet die Stiftung für Naturschutzmaßnahmen überwiegend regionales Wildpflanzensaatgut. Die Bevölkerung, Kommunen, Planungsbüros, aber auch die Landwirtschaft für die Herkunft des Saatgutes zu sensibilisieren, sei das Ziel. „Damit gut gemeintes Engagement am Ende keine negativen Auswirkungen auf die Vielfalt der heimischen Pflanzen und Tiere hat.“

Auf der Homepage der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft gibt es Informationen über Regio-Saatgut und das weitere Engagement der Einrichtung.