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Bonn: Ruhige Silvesternacht mit wenig Einsätzen und Feuerwerk

Positive Silvesterbilanz in Bonn : Die meisten Raketen wurden im Bonner Norden gezündet

Die Polizei in der Region zieht erste Bilanz der Silvesternacht. Insgesamt sei es ruhig gewesen. Trunkenheitsfahrten führten zu Unfällen. Ein bisschen Feuerwerk gab es trotz Böller-Verkaufsverbot.

So ruhig war es lange nicht mehr in einer Bonner Silvesternacht. Polizei und Rettungsdienste meldeten einen vergleichsweise unspektakulären Verlauf. Und auch die meisten Bonner, die es gegen Mitternacht nach draußen zog, gaben nur in wenigen Fällen Anlass zum Einschreiten. Die zusätzlich geltende Corona-Schutzverordnung mit Böller- und Alkoholverbot sorgte für Konflikte im überschaubaren zweistelligen Bereich. Die meisten Raketen stiegen allem Anschein nach im Bonner Norden in den Himmel, wie mehrere Bonner berichteten. Ansonsten aber taten Nebel und Nieselregen ihr Übriges.

Um kurz nach 23 Uhr hatten die Leitstellen von Polizei und Feuerwehr die Lage unisono als „ruhig“ beschrieben. In der Stadt waren die meisten Straßen leergefegt, Kneipen hatten ohnehin geschlossen. Nur aus der einen oder anderen Wohnung drang Partymusik nach draußen.

Auch am Beueler Rheinufer erinnerte die Szenerie um Mitternacht eher an einen tristen Winterabend als an einen rauschenden Jahreswechsel: Keine Ansammlung von Personen, einzelne Paare unterm Regenschirm. Als geradezu „erschreckend“ empfand ein Beueler die Atmosphäre auf der Promenade unterhalb der Rheinlust, wo er in jedem Jahr feiert. Jetzt aber, sagt er, bleibe „nichts anderes übrig, als die Pandemie abzuwarten“. Ähnlich ging es einem Pärchen, das berichtete, es feiere den Jahreswechsel normalerweise immer in Frankreich. Weil das wegen Corona nicht klappte, seien sie eben zu Hause und gingen spazieren. Das taten auch die beiden Beueler Florian Hempel und Patrick Kirsch, denen am Silvesterabend immerhin nicht langweilig geworden ist: Zu zweit Raclette gemacht, dann in der Küche über den Esstisch Tischtennis gespielt, ein Video für die Mütter gedreht, Bierpong gespielt, Nachtisch gegessen, auf 3Sat „Pop Around the Clock“ geschaut und dann ans Rheinufer gegangen wie in jedem Jahr, so beschrieben sie ihren Abend.

Auf der Kennedybrücke spazierten Raymond Willems und Janne Lenhart dem neuen Jahr entgegen. Der selbständige Ingenieur und die Wissenschaftsreferentin waren erst vor einem Jahr von Hamburg nach Bonn gezogen und feierten ihr erstes Silvester in Bonn. „Wir haben uns um 22.30 Uhr von Kessenich aus auf einen Weg nach Beuel gemacht und wollen rechtzeitig zum Jahreswechsel zurück in Kessenich sein“, erzählten sie, bevor sie an der Kennedybrücke ein Selfie für die Familie machten. Um sich ein wenig zu wärmen hatten sie – statt Sekt - eine Thermoskanne Kaffee dabei.

Polizei räumte die Kenneybrücke

Die Polizei sah an der Kennedybrücke dann aber offenbar doch noch Grund zum Einschreiten: Knapp 40 Personen, offenbar jedoch keine zusammengehörende Gruppe, hatten sich um Mitternacht auf der Beueler Seite der Brücke versammelt. Obwohl sie in kleinen Gruppen zusammenstanden und dazwischen Abstand hielten, forderte sie die Polizei per Lautsprecher auf, die Brücke zu verlassen. Begründung: „Laut Coronaverordnung sind nur zwei Haushalte zusammen erlaubt. Da die Zahl überschritten wird, verlassen Sie bitte die Brücke.“

175 Notrufe hatte die Bonner Polizei schließlich für den Zeitraum zwischen Silvester, 20 Uhr, und dem Neujahrsmorgen, 6 Uhr, zu Protokoll genommen. „Gemeldet wurden neben acht Körperverletzungsdelikten und vier Fällen von Sachbeschädigung auch rund 40 Ruhestörungen. Insgesamt erhielten 25 Personen Platzverweise. Die Beamten stellten außerdem 65 ordnungswidrige Verstöße gegen die Coronaschutzverordnung fest“, heißt es in der Einsatzbilanz. Zudem fielen den Beamten vier Autofahrer auf, die sich nun wegen Alkohols am Steuer verantworten müssen.

Ähnlich unaufgeregt las sich am Freitagmorgen der Bericht der Stadtverwaltung: „Es waren so gut wie keine größeren Personengruppen im Freien anzutreffen, und auch das Böller- und Alkoholkonsumverbot wurden sehr diszipliniert und vorbildlich berücksichtigt. Wie schon über die Weihnachtstage hinweg, verhielten sich die Bürger ausgesprochen umsichtig“, konstatierte die Verwaltung am Morgen und bedankte sich bei den Bürgern für die weitgehende Einhaltung der Regeln.

Berufsfeuerwehr und Feuerwehr zählten ganze sieben, der städtische Rettungs- und Notarztdienst 51 Einsätze. Zum Vergleich: Vor einem Jahr gingen bei der Polizei 201 Notrufe ein, Feuerwehr und Rettungsdienst wurden zu insgesamt 141 Einsätzen gerufen.

Die meisten Raketen wurden im Bonner Norden gezündet

Dass Berichten mehrerer Beobachter zufolge insbesondere in den nördlichen Stadtteilen wie Tannenbusch und Dransdorf die Versorgung an Silvesterraketen trotz Verkaufsverbots nicht ins Stocken gekommen war und zahlreiche Raketen den Himmel erfüllten, schien im Bericht der Stadt zumindest keine nähere Erwähnung wert. Der Stadtordnungsdienst und die Wache Gabi seien inklusive der Leitstelle mit insgesamt 33 Einsatzkräften bis in die frühen Morgenstunden hinein im gesamten Stadtgebiet unterwegs gewesen, so die Stadt. „Sie kontrollierten insbesondere das Böllerverbot, das Alkoholkonsumverbot und die Größe der Personenansammlungen im öffentlichen Raum. In gut vorbereiteter, enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit der Polizei wurden zentrale Bereiche in den Stadtgebieten überwacht und auf Hinweise reagiert, die über die Leitstelle eingingen“, fasste es ein Sprecher zusammen.

Über den gesamten Abend hinweg bis in die Nacht hinein habe es nur sehr wenige Verstöße gegeben, insgesamt habe man „lediglich 23 Anzeigen schreiben müssen, weil Regeln missachtet wurden“. 13 Mal folgen nun Bußgelder, weil gegen die Personenansammlung verstoßen wurde. Acht Mal wurde im Freien unerlaubt Alkohol konsumiert, und zwei Mal hatten Uneinsichtige trotz zahlreicher Hinweise auf das Böllerverbot unerlaubt Feuerwerkskörper gezündet. Besonders negativ aufgefallen sei eine Gruppe Jugendlicher, die auf der Kennedybrücke Böller gezündet habe. Dies sei jedoch schnell durch die Polizei unterbunden und geahndet worden.

Auch auf der anderen Rheinseite, in Höhe der Oper, zeigte die Polizei mit einem Transporter Präsenz. Die implizite Botschaft, dass Menschenansammlung unerwünscht sind, traf hier nur auf vereinzelte Spaziergänger. In der Innenstadt das gleiche Bild: Hier waren vereinzelte Böller zu hören, hier und da stieg eine Rakete in den Nachthimmel, ansonsten herrschte auch hier: Ruhe.

Die Bonner Polizei führte zum Jahreswechsel auch wieder verstärkte Alkohol- und Drogenkontrollen auf den Straßen in Bonn und der Region durch. Aufgefallen sind dabei zwei Autofahrer, die mehr als 0,5 Promille Alkohol im Blut hatten: Sie müssen mit Anzeigen rechnen. Vier Fahrzeugführer mussten darüber hinaus Blutproben abgeben. Sie waren stärker alkoholisiert. Unter ihnen war ein 38-Jähriger, der gegen 3 Uhr in Schlangenlinien auf der Sankt Augustiner Straße in Richtung Innenstadt unterwegs war. Nachdem ein von ihm freiwillig durchgeführter Atemalkoholvortest einen Wert von rund 1,3 Promille ergab, entnahm ihm eine Ärztin auf der City-Wache eine Blutprobe. Wie sich herausstellte, war der 38-Jährige erst kürzlich wegen Trunkenheit im Verkehr aufgefallen. Den Führerschein konnten die Beamten deswegen nicht mehr sicherstellen. Der Autofahrer hatte ihn schon vor der Trunkenheitsfahrt abgeben müssen.

Verletzt wurden ein 22-jähriger Autofahrer und seine gleichaltrige Beifahrerin gegen 3.45 Uhr bei einem Alleinunfall im Sechtemer Weg in Bornheim. Gegen den Fahrer wird nun auch wegen des Fahrens ohne gültige Fahrerlaubnis ermittelt. Nach ersten Feststellungen kam der rote Kia nach links von der Fahrbahn ab und kollidierte mit zwei geparkten Autos. Ein Atemalkoholvortest beim Fahrer ergab auch hier einen Wert von rund 1,3 Promille. Beide Verletzten kamen ins Krankenhaus, dem 22-Jährigen wurde eine Blutprobe entnommen.