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Bonn: Sachspendenlager hat nicht genug Geld für die Miete

Hilfe für Bedürftige in Bonn : Sachspendenlager hat nicht genug Geld für die Miete

Der Verein Zesabo sucht Fördermitglieder, damit er sein Zentrallager Sachspenden Bonn weiter an der Endenicher Straße betreiben kann. Das Problem ist das Geld für die Miete: Kann sie nicht mehr gezahlt werden, kann auch Bedürftigen der Stadt nicht mehr geholfen werden.

Wie es mit der Flüchtlingssituation auf den griechischen Inseln weitergeht, ob es noch einmal zu einem Flüchtlingsstrom wie damals 2015 kommt – wer weiß das schon? Jan Erik Meyer blickt all diesen Unwägbarkeiten gelassen entgegen. „Wir sind vorbereitet“, sagt der Vorsitzende des Vereins Zesabo. Denn das Zentrallager Sachspenden Bonn ist gut gefüllt. „Wir haben immer noch mehr Wareneingang als Warenausgang.“ Weniger entspannt ist er, wenn es um das Fortbestehen des Lagers geht. Die Förderung durch die Stadt läuft Ende 2020 nach zwei Jahren aus. Ob sie verlängert wird, steht in den Sternen, aber irgendwie müsse ja die Miete für das 1500 Quadratmeter große Lager an der Endenicher Straße bezahlt werden, so der Verein.

Es fehlen jetzt noch 1674 helfende Hände

Meyer will aber nicht auf eine Entscheidung der Stadt warten. Zesabo hat die Aktion „Gesucht: 2000 helfende Hände“ ins Leben gerufen. „Wenn wir in Bonn 2000 Menschen finden, die jedes Jahr mindestens 30 Euro geben, ist die Liegenschaft finanziert“, sagt er. 108 Fördermitglieder hat man schon, und die meisten zahlen Meyer zufolge sogar deutlich mehr als den Mindestbetrag. Der Verein hat die bisherigen Gelder addiert und durch die 30 Euro geteilt. „Danach fehlen uns noch 1674 helfende Hände.“

Deshalb macht der Verein jetzt mobil, wortwörtlich: Mit dem Künstler Eugen Schramm, der auch für das Graffito-Motiv über dem Lagereingang verantwortlich zeichnet, und einigen Jugendlichen wurde ein Pkw bunt angesprüht, der nun in der Stadt für das Zesabo wirbt. Zum anderen will der Verein, beginnend an diesem Samstag, alle zwei Wochen in der Bonner Innenstadt an der Ecke Sternstraße und Bonngasse einen Infostand aufbauen, Fragen beantworten und Flyer verteilen.

Das Zentrallager wurde ursprünglich 2015 auf einem Grundstück der Deutschen Post DHL am Frankenbad eingerichtet. Die Idee: Die überfüllten kleinen Aufnahmestationen für Sachspenden sollten entlastet werden, indem die Spenden zentral aufgenommen und nach Bedarf an die Hilfsorganisationen weiterverteilt wurden. Das lief überwältigend gut, und Meyer wundert sich, dass in ganz Deutschland nur Bonn diese Idee hatte.

Nach Abebben der Flüchtlingssituation wurde, weil das Lager immer noch gut gefüllt war, 2017 beschlossen, dass man allen Bedürftigen in der Stadt helfen will. Allerdings beendete die Post 2018, wie ursprünglich angekündigt, die Zusammenarbeit. Man fand erfreulich schnell einen neuen Standort. Der Vermieter sei dem zwischenzeitlich gegründeten Verein mit der Miete sehr entgegengekommen, so der Vorsitzende, und die Stadt gab einen Zuschuss. Aber eben nur für zwei Jahre.

Von Vermieterseite gibt es keine Frist, aber für die Räume muss natürlich gezahlt werden. Argumente für ein Fortbestehen der Einrichtung gibt es zur Genüge. „Wir haben es immer wieder mit Versorgungsproblemen und -lücken zu tun“, sagt Meyer. „Und in Bonn gibt es leider immer mehr hilfsbedürftige Menschen.“ In der Corona-Pause war das Lager zwar geschlossen, der Verein aber nicht untätig. 160 ehrenamtliche Näherinnen stellten rund 13 000 Behelfsmasken her, die an die Hilfsorgsanisationen, Seniorenheime, Schulen und andere ausgegeben wurden – kostenlos. Meyer: „Das Zesabo hat wieder bewiesen, dass es gebraucht wird.“