Verkehrswende in Bonn Stadt hat neue Idee für mehr Anwohner-Parkplätze

Bonn · Der Wegfall von öffentlichen Parkplätzen im Zuge der Verkehrswendepolitik der Ratsmehrheit sorgt bei vielen Bonnerinnen und Bonner für Unmut. Jetzt sollen Alternativen geschaffen werden. Was die Stadt plant.

Viele Parkplätze fallen nach Umwandlung einer Straße in eine Fahrradstraße weg.

Viele Parkplätze fallen nach Umwandlung einer Straße in eine Fahrradstraße weg.

Foto: Benjamin Westhoff

Über den aktuellen Stand zur Schaffung von zusätzlichen Parkplätzen in Bonner Wohnquartieren informiert die Verwaltung per Mitteilungsvorlage in der Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Verkehr am Dienstag, 4. Juni. Hintergrund: Vor allem wegen des Ausbaus des Radwegenetzes und der Einführung von Parkkonzepten ist der Parkdruck in vielen Vierteln gestiegen.

Hintergrund für den Sachstandsbericht ist ein Antrag der Ratskoalition aus Grünen, SPD, Linken und Volt von vor mehr als einem Jahr. Damals forderte die Koalition die Verwaltung auf, zur Bereitstellung von Alternativ-Stellplätzen unter anderem mit Eigentümern von privat, gewerblich und städtisch genutzten Parkplätzen sowie Tiefgaragen, Garagen und Garagenhöfen zu sprechen. Das Ziel: Es sollen Konzepte entwickelt werden, bei denen nicht und/oder wenig genutzte Parkflächen Bewohnern und eventuell auch Kurzzeitparkenden mit Parkschein entgeltlich zur Verfügung gestellt werden.

Wo Autos bald noch parken sollen

In der Pressemitteilung zur Mitteilungsvorlage heißt es nun: „Es ist für die Menschen, die dort leben, oft schwierig, im öffentlichen Straßenraum einen Parkplatz zu finden.“ Das werden Anlieger von Straßen, in denen nach derzeitigem Stand mehr als 600 öffentliche Stellplätze zum Teil schon weggefallen sind beziehungsweise noch gestrichen werden sollen, wohl bestätigen. Hintergrund ist der Radentscheid, nach dem Gehwege möglichst 2,50 Meter und mindestens 1,50 Meter breit sein sollen, damit Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen besser durchkommen. Die Fahrradstraßen selbst sollen möglichst 4,50 Meter, mindestens aber vier Meter breit sein. Um die genannten Breiten zu gewinnen, muss vor allem das halbseitige Gehwegparken in vielen Straßen entfallen.

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Die Kultautos der vergangenen Jahre

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Laut der aktuellen Pressemitteilung gibt es aber versiegelte Flächen, die noch Potenziale für Parkplätze bieten. Erste Pilotprojekte seien in Vorbereitung. Es sei vor allem eine Frage der effizienten Nutzung von vorhandenen Flächen: So seien beispielsweise oftmals private Parkplätze von Anwohnern tagsüber leer. Auch würden Parkplätze von Supermärkten und Unternehmen ab Ladenschluss beziehungsweise nach Feierabend nicht genutzt. „Daher hat die Politik die Stadtverwaltung Anfang des Jahres 2023 beauftragt, Gespräche mit Eigentümer*innen von privat, gewerblich und städtisch genutzten Parkplätzen, Parkhäusern, Tiefgaragen, Garagen und Garagenhöfen zu führen – mit dem Ziel, gemeinsam ein Konzept zu entwickeln, nur teilweise genutzte Parkflächen zur Verfügung zu stellen.“

Parkplätze in Bonn: Fokus auf Schulen und Schwimmbäder

Während die Stadt ihre eigenen Flächen selbstständig bewirtschaften könne, sehe sie sich bei nicht-städtischen Flächen in einer Vermittlungs- und Moderationsrolle, damit Eigentümer diese selbst „öffnen“ und bewirtschafteten. Bei jedem potenziellen Standort sei eine Reihe von Untersuchungen unter anderem zu Auflagen baurechtlicher Art notwendig. Um zu einem schnellen und rechtssicheren Verfahren zu kommen, sollen nun erste Pilotprojekte wichtige Erkenntnisse bringen. „Gleichzeitig ist eine Datenbank möglicher Potenzialflächen im Aufbau, bestehend aus vorhandenen Parkplatzflächen im Stadtgebiet und relevanten städtischen Liegenschaften. So sollen künftig fortlaufend weitere Realisierungsstandorte ermittelt werden“, so das Presseamt.

Bei den städtischen Liegenschaften hat sich die Stadtverwaltung dem Presseamt zufolge zunächst auf Standorte von Schulen und Schwimmbädern fokussiert. So sollen nach dem Ende der Freibadsaison 2024 rund 70 Stellplätze auf dem Parkplatz des Rüngsdorfer Freibades zur Verfügung gestellt werden. Bis dahin sind noch einige Rahmenbedingungen zu klären. Außerdem habe die Verwaltung erste Gespräche mit Vertretern von in Frage kommenden Supermärkten und Discountern geführt. Notwendige Prüfungen von Vorzugsstandorten sollen im dritten Quartal 2024 abgeschlossen werden. Geplant sei, mit zwei bis drei Parkplätzen im Jahr 2025 zu starten. Um welche Unternehmen es sich handelt, war am Dienstag nicht zu erfahren. Aktuell laufen der Stadt zufolge auch Gespräche mit der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg über die Öffnung ihres Parkplatzes am Bonner Talweg. Darüber hinaus würden derzeit weitere geeignete private Liegenschaften ermittelt und auf die Eignung als Pilotstandort geprüft.

Ein Thema ist auch nach wie vor Quartiersgaragen oder das Quartiersparken. Dazu die Stadt: „Für den Bau von Quartiersgaragen wird eine Machbarkeitsstudie mit Standortanalyse beauftragt. Darüber hinaus werden bestehende Quartiersparkplätze auf mögliche Erweiterungen geprüft“. Nach Abschluss und Auswertung der Studie könne die konkrete Planung an identifizierten Standorten 2025 beginnen. Darüber hinaus könnten Quartiersgaragen auch im Rahmen von derzeit laufenden oder anstehenden Bebauungsplanverfahren realisiert werden, wie etwa an der Grootestraße in Dransdorf, wo ein neues Wohnquartier entstehen soll, oder in Buschdorf im Zusammenhang mit den Wohnbauvorhaben „Im Rosenfeld.“