Markierung von 42 Fahrradstraßen Weniger Parkplätze und mehr Raum für Radfahrer in Bonn

Bonn · Für diese Woche kündigt die Stadtverwaltung die Markierungen der ersten Fahrradstraßen an. Sie will in drei Bezirken mehr Raum für Fahrradfahrer und Fußgänger schaffen. Ein Drittel der Parkplätze auf den künftigen Fahrradstraßen wird entfallen.

Die Fontanestraße in Rüngsdorf ist bereits Fahrradstraße. Die roten Randmarkierungen sind auch für die künftigen Fahrradstraßen geplant.

Die Fontanestraße in Rüngsdorf ist bereits Fahrradstraße. Die roten Randmarkierungen sind auch für die künftigen Fahrradstraßen geplant.

Foto: Maximilian Mühlens

Voraussichtlich in der Woche ab dem 8. April werden die Arbeiten für die Markierung von insgesamt 42 Fahrradstraßen im Bonner Stadtgebiet beginnen. Unter Vorbehalt deshalb, weil die beauftragten Firmen nur dann ordentlich markieren können, wenn die Fahrbahn trocken ist. Mit Verweis auf diesen Umstand nennt die Stadtverwaltung keine genauen Tage und Termine für konkrete Straßenzüge. Als erste wäre nach den Plänen die Ringstraße im Stadtbezirk Beuel an der Reihe. Da es sich um keinen Umbau der Straße handele, geht die Stadt von einer schnellen Umsetzung aus.

Die künftigen Fahrradstraßen sind auf die Stadtbezirke Bonn, Bad Godesberg und Beuel verteilt. Hardtberg hatte im letzten Durchlauf einige Fahrradstraßen hinzubekommen, diesmal ist der Stadtbezirk deshalb ausgenommen.

Als Fahrradstraßen gekennzeichnet werden unter anderem die Kurfürstenstraße und Weberstraße in der Südstadt, Frankengraben und Siegfriedstraße in Bad Godesberg sowie die Burbacher und Kessenicher Straße in Kessenich und Dottendorf. Die Arbeiten dienen dazu, das Fahrradstraßennetz auszubauen. Nach Angaben der Stadt wird sich dieses Netz um mehr als 19 Kilometer Länge erweitern, bisher umfasst es 30 Kilometer. Auf den 42 Straßen will die Stadt auch durch die Abschaffung des sogenannten Gehwegparkens (halb auf dem Bürgersteig) Gehwege von möglichst 2,50 Meter und mindestens 1,50 Meter Breite schaffen, damit Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen besser durchkommen. Die Fahrradstraßen selbst sollen möglichst 4,50 Meter, mindestens aber vier Meter breit sein. Die Maße gehen auf das von 28.000 Bürgern unterschriebene Bürgerbegehren „Radentscheid“ zurück, dem sich der Stadtrat mit breiter Mehrheit angeschlossen hat. Kraftfahrzeuge können Fahrradstraßen weiterhin nutzen. Radfahrer geben aber das Tempo vor und können auch nebeneinander fahren. Es gilt ein Höchsttempo von 30 Stundenkilometern.

Um die genannten Breiten zu gewinnen, streicht die Stadt Parkplätze. Nach Angaben des Bonner Presseamts fallen nach Berechnungen der Stadt insgesamt 611 öffentliche Stellplätze weg. Das hat im Vorfeld der Planungen die Gemüter von Anwohnern vor allem in der Südstadt und Poppelsdorf bewegt, wo Parkplätze nicht leicht zu finden sind. Durch die Art der Bebauung gibt es kaum Alternativen. Das Ratsbündnis aus Grünen, SPD, Linken und Volt hatte aus diesem Grund beschlossen, die Königstraße, die Kapellenstraße, Schalbengarten und Rüdigerstraße vorerst nicht umzuwandeln. Auf den künftigen 42 Fahrradstraßen bleiben laut Presseamt etwa 1200 Parkplätze (also etwas zwei Drittel) erhalten: „Wo nötig, wurden Kfz--Parkplätze gestrichen oder umgewandelt, mit gleichzeitigem Blick, dabei aber so viele Parkplätze wie möglich zu erhalten“, so die Stadt.

Erkennbar sind diese Radstraßen an einem einheitlichen Markierungsstandard, den die Stadt bereits am Rheinufer hat aufbringen lassen. Die Straßen sind außen durchgehend mit einem roten Streifen gekennzeichnet und auf der Fahrbahn mit Piktogrammen.

Einschränkungen im Verkehr erwartet

Während der Markierungsarbeiten kann es laut Stadt zu Einschränkungen im Verkehr kommen. Die Anwohner habe man in einem Informationsschreiben auch gebeten, auf temporäre Halteverbote zu achten. Einige Tage vor Streichung von Parkplätzen werde mit Schildern auf die anstehenden Markierungen aufmerksam gemacht.

Die Stadt weist darauf hin, dass in Fahrradstraßen ein eingeschränktes Halteverbot gilt. Das bedeutet: Dort bleibt das kurze Abstellen des Autos erlaubt, um Einkäufe abzuladen oder jemanden zusteigen zu lassen. Handwerke, Pflegedienste, Hebammen und Sozialdienste hätten die Möglichkeit, bei der Stadt einen Parkausweis zu beantragen. Damit können sie für die Zeit ihres Einsatzes in eingeschränkten Halteverbotszonen und gebührenfrei in Parkzonen mit Automaten parken. Für Handwerker kostet die Genehmigung des ersten Wagens pro Jahr 305 Euro für den gesamten Regierungsbezirk Köln.

Bisher kann die Stadt noch keine stark erhöhte Nachfrage nach solchen Sondergenehmigungen feststellen. 2022 stellte das Amt 379 Parkausweise für regionale Handwerker aus, 2023 waren es 373. Für dieses Jahr sei bisher kein steigendes Interesse festzustellen. Für die Sozialdienste stellte die Verwaltung im vergangenen Jahr 275 Parkausweise aus. „Auf Basis der Zahlen seit Jahresbeginn erwartet die Stadt hier für 2024 einen leichten Anstieg“, so das Presseamt.

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