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Bonn: Stadt schickt neue Flüchtlinge nach Bochum weiter​

Aufnahmekapazitäten in Bonn erschöpft : Stadt schickt Neuankömmlinge aus der Ukraine nach Bochum weiter

Die Stadt Bonn nimmt nur noch in Ausnahmefällen neue Flüchtlinge aus der Ukraine auf. Es fehlen bereits rund 1700 Plätze in Wohnungen und Unterkünften. Die Bezirksregierung Arnsberg übernimmt die Verteilung in NRW.

Nach wie vor kommen täglich 20 bis 30 Menschen, die aufgrund des russischen Angriffskriegs die Ukraine verlassen haben, in Bonn an. Diese Neuankömmlinge werden jetzt an die Landesunterkunft nach Bochum weitergeleitet, teilte die Stadt Bonn am Freitag mit. Die Bezirksregierung Arnsberg übernimmt von dort aus die gleichmäßige Verteilung auf die Kommunen in NRW. Das kommt einem Aufnahmestopp für Bonn gleich, auch wenn es die Stadt nicht so formuliert.

Die derzeitige Regelung bedeutet nicht, dass gar keine Flüchtlinge aus der Ukraine mehr nach Bonn kommen können. Ausnahmen seien in Einzelfällen, wie beispielsweise bei Familiennachzügen, möglich, teilt die Stadt mit. Die Verwaltung will sich nun darauf konzentrieren, die Flüchtlinge, die bereits in Bonn leben, so gut wie möglich zu betreuen.

„Wir setzen alles daran, dass es den mehr als 4000 Menschen – davon etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche – in unserer Stadt gut geht und sie zur Ruhe kommen können“, sagte Oberbürgermeisterin Katja Dörner. „Das ist für alle Beteiligte ein Kraftakt: Die Menschen erhalten Unterkunft, werden versorgt und betreut, Kinder und Jugendliche werden in Kindertagesstätten und Schulen aufgenommen, zahlreiche Integrationseinrichtungen und Vereine setzen sich für die Integration der Geflüchteten ein.“

Stadt Bonn hat Aufnahmequote mehr als erfüllt

Das Verfahren, Neuankömmlinge bis auf Weiteres an die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes NRW in Bochum weiterzuleiten, ist laut Presseamt mit der Bezirksregierung Arnsberg abgestimmt, die landesweit für die Verteilung von Flüchtlingen aus allen Herkunftsländern zuständig ist. Die Stadt Bonn hat die Aufnahmequote laut der jüngsten Verteilstatistik vom 29. Mai bereits zu 141,4 Prozent erfüllt und gehört damit zu den Spitzenreitern in NRW. Zum Vergleich: Es gibt Kommunen mit einer Aufnahmequote unter 30 Prozent.

Die Stadt versucht zurzeit, für die mehr als 1100 Ukrainerinnen und Ukrainer, die in Hotels wohnen, andere Unterkünfte zu finden. „Darüber hinaus müssen wir jederzeit damit rechnen, auch für die fast 600 bisher privat untergekommenen Geflüchteten eine städtische Bleibe bereit zu haben“, so Sozialdezernentin Carolin Krause.

Mehr Plätze in städtischen Unterkünften geplant

Bis Donnerstag hatten sich nach Angaben der Stadt 4115 Geflüchtete aus der Ukraine registriert. Die Verwaltung hat 2367 von ihnen untergebracht – 475 in städtischen Unterkünften, 183 in Wohnungen, 1126 in Hotels und 583 privat. Wegen der angespannten Wohnungssituation erweitert die Stadt jetzt ihre Unterkünfte. Ab Mittwoch, 8. Juni, ziehen die ersten Flüchtlinge in die neue Unterkunft Mallwitzstraße 2-4 in Bad Godesberg ein. Die Stadt hat das Gebäude, wie berichtet, für bis zu 120 Menschen hergerichtet. In der früheren Landwirtschaftskammer in Beuel wird die Kapazität auf 300 Plätze erhöht, 223 Menschen leben bereits dort. Die Stadt kündigt an, dass in Kürze eine weitere größere Unterkunft hinzukommen soll.

„Dennoch bleibt die Akquise von Wohnungen und Gebäuden eine der größten Herausforderungen“, so das Presseamt. Daher prüfe das Städtische Gebäudemanagement Bonn weiterhin mit Hochdruck zahlreiche Objekte und steht mit zahlreichen Vermietern in Verbindung, um Wohnraum für Geflüchtete zu Preisen gemäß Mietspiegel unbürokratisch und schnell anzumieten.

Nachfrage nach Schulplätzen steigt auch

Die Stadt Bonn schafft außerdem Betreuungsplätze für Kinder, die an große Unterkünfte angedockt sind. Das Land NRW fördert beispielsweise Eltern-Kind-Gruppen oder Spielgruppen. Aktuell wird ein Angebot in der ehemaligen Landwirtschaftskammer vorbereitet, eine Erzieherin aus der Ukraine übernimmt die pädagogische Betreuung. Insgesamt 730 Schulkinder aus der Ukraine sind auf unterschiedliche Schulformen in Bonn verteilt. Auch hier ist die Tendenz laut Stadt derzeit steigend.