Ex-Fabrikgelände in Beuel Stadt Bonn sperrt Theater-Lager wegen Einsturzgefahr

Bonn · Seit Jahren diskutieren Stadtverwaltung und Rat über die Zukunft der maroden Bonner Theatergebäude. Für das Holz- und Requisitenlager an der Siegburger Straße kommt jetzt jede Sanierung zu spät. Auch die Theaterwerkstatt ist bedroht.

 In den Gebäuden der früheren Jutespinnerei in Beuel sind heute die Theaterwerkstätten mit Lager sowie das Pantheon untergebracht.

In den Gebäuden der früheren Jutespinnerei in Beuel sind heute die Theaterwerkstätten mit Lager sowie das Pantheon untergebracht.

Foto: Benjamin Westhoff

Der Verfall fordert seinen Tribut. Während noch Voruntersuchungen für Sanierung oder Neubau des Opernhauses laufen, hat sich der Zustand der Theaterwerkstätten in Beuel drastisch verschlechtert. Teile der alten Fabrikgebäude an der Siegburger Straße mussten jetzt gesperrt werden, wie das Presseamt am Mittwoch mitteilte.

Noch kein Ersatzlager gefunden

Betroffen ist demnach vor allem das Holz- und Requisitenlager. Ein Statik-Büro habe Korrosionsschäden an den Säulenkonstruktionen festgestellt. Deshalb werde das Lager zügig geräumt. Allerdings gebe es noch keine Ersatzlagerflächen. Das Gebäude darf laut Stadt nur noch unter strengen Auflagen betreten werden – so müssten die Witterungsverhältnisse ständig geprüft werden. Nach aktuellem Stand muss das Lager abgerissen werden.

Ein aktuelles Risiko besteht aber auch für die Produktionswerkstätten des Theaters in der benachbarten ehemaligen Jutespinnerei, weil die Tragwerke beider Gebäude verbunden sind. „Hier besteht die große Herausforderung, zum Beispiel den Montagesaal und Produktionsbereiche statisch so abzutrennen, dass diese auch künftig und autark von dem gesperrten Bereich nutzbar bleiben“, schrieb das Presseamt. Bis dahin soll das Gebäude in Absprache mit dem Gutachter und dem Bauordnungsamt beobachtet werden, um mögliche statische Veränderungen festzustellen. Treten die auf, muss geräumt werden. „Ohne Werkstatt könnten wir noch etwa vier Monate weiterspielen, dann wäre Schluss, weil uns die neuen Requisiten fehlen würden“, sagte Generalintendant Bernhard Helmich am Mittwoch.

Die Stadt wollte nach früheren Angaben in diesem Jahr rund drei Millionen Euro in ihre sanierungsbedürftigen Theatergebäude investieren. Dabei handelte vor allem um Akutmaßnahmen in der Werkstattbühne des Opernhauses. Im Lager in Beuel sollten während der Sommerpause eigentlich Notstützen eingezogen werden.

Wie es in Beuel, bei der Oper und dem Schauspielhaus in Bad Godesberg langfristig weitergeht, ist trotz jahrelanger Debatten immer noch unklar. 2021 hatte der Rat zwar einen Grundsatzbeschluss zur „Vorbereitung der ersten Schritte für eine Sanierung der Liegenschaften des Theater Bonn“ gefasst. Doch noch ist offen, ob die Gebäude sanierungsfähig sind oder durch Neubauten ersetzt werden müssten.

Machbarkeitsstudie wohl im nächsten Jahr

Die Stadt hat für die laufenden Untersuchungen das Beratungsunternehmen „Die Kulturexperten“ aus Essen und die Firma „M.O.O.CON“ aus Frankfurt engagiert. Die Hessen sollen eine optimale Raumplanung für Oper und Schauspiel aufstellen. Beide Häuser sollen sich dem breiten Publikum stärker öffnen, was womöglich einen größeren Bedarf an Flächen bedeutet. Für das Opernhaus hält „M.O.O.CON“ offenbar zusätzliche Technik-Räume für nötig. Eine weitere Fachfirma soll den baulichen Zustand der Gebäude analysieren.

Alle Ergebnisse fließen laut Stadt in eine Machbarkeitsstudie. Diese dürfte erst nach dem Sommer 2024 vorliegen, wie zu hören ist. Für die Oper will die Stadtverwaltung neben der Sanierungsvariante auch ein Neubauszenario am bisherigen Standort untersuchen lassen – das müsste natürlich auch eine Übergangsspielstätte nach dem Abriss der Oper umfassen.

Frühere Gutachter-Vorschläge für einen Opernneubau oder ein Interimsgebäude auf dem Parkplatz der Beethovenhalle hat die Verwaltungsspitze vor Kurzem erneut abgelehnt. Denn sowohl die Urheberrechtsinhaber des Landschaftsgestalters Heinrich Raderschall als auch die des Beethovenhallen-Architekten Siegfried Wolske lehnen einen Neubau an dieser Stelle ab und sehen auch ein provisorisches Bauwerk kritisch. Die Ratsmehrheit hat im November ohnehin beschlossen, den Parkplatz in eine Grünanlage umzubauen.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort