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Bonn: Tankstelle in Endenich bietet nun Wasserstoff an

Mobilität : Tankstelle in Endenich bietet nun Wasserstoff an

Eine Tankstelle am Hermann-Wandersleb-Ring in Endenich bietet Autofahrern mit einer Wasserstoffsäule nun eine zusätzliche Auswahl. In NRW gibt es bislang 18 Wasserstoff-Tankstellen.

Mit einer Tankfüllung mal gerade nach Stuttgart und zurück? Mit Wasserstoff (H2) als Kraftstoff und einem entsprechenden Brennstoffzellen-Fahrzeug dürfte das kein Problem werden. Eine neue Möglichkeit zum „H2-Tanken“ können Bonner jetzt in Endenich nutzen. Denn die dort ansässige Shell-Tankstelle bietet nun auch Wasserstoff an.

Das neue Angebot geht aus einer Partnerschaft mit der H2 Mobility vor. Das Berliner Unternehmen hat sich auf die Fahne geschrieben, den Verkehr in Deutschland zukünftig flächendeckend mit Wasserstoff zu versorgen. „Wasserstoff wird einen erheblichen Beitrag bei der Reduktion der Emissionen im Verkehr leisten“, erklärt Sybille Riepe. Gerade bei größeren Fahrzeugarten wie SUV, Transportern und Lastwagen, aber auch im öffentlichen Nahverkehr bei Bussen und Zügen soll H2 eine emissionsfreie Alternative bieten, ergänzt die Sprecherin des Unternehmens und führt weiter aus: „Besonders sinnvoll ist H2 als Kraftstoff für Fahrprofile mit einer Reichweite ab 250 Kilometern.“

Im Gegensatz zu Benzin oder Diesel wird Wasserstoff nicht in Litern, sondern nach Gewicht verkauft. Mit 9,50 Euro pro Kilogramm unterscheidet sich der Preis nicht wesentlich von Kraftstoff für einen durchschnittlichen Benziner mit einem Verbrauch von sieben Litern.

„Auf 100 Kilometern verbraucht ein Brennstoffzellenfahrzeug etwa ein Kilogramm Wasserstoff.“ Damit Wasserstoff günstiger werden kann, müssten laut Riepe noch gesetzliche Rahmenbedingungen gelockert und auch Abgaben an den Staat, die bei der Wasserstoffproduktion anfallen, reduziert werden. Die seien noch „unnötig teuer“. „Das muss sich dringend ändern, denn ohne Wasserstoff ist die Energiewende im Übrigen nicht zu schaffen“, sagt Riepe – auch weil H2 „langzeitig und in ausreichender Menge“ Energie speichern und transportieren könne.

Vorteile beim Fahren mit der Brennstoffzellentechnik sieht auch Shell. Das Mineralöl- und Erdgas-Unternehmen unterstützt die Pläne von H2 Mobility: „Das Wasserstoffnetz wird in den nächsten Jahren deutlich ausgebaut werden. Wir bauen jetzt die Wasserstoff-Tankstellen, damit in den nächsten Jahren mehr Fahrzeuge auf den Markt kommen können“, sagt Unternehmemssprecher Axel Pommeränke. Die Tanksäulen sollen dann ein flächendeckendes Netz in Deutschland und in Nord-West-Europa bilden, so der Sprecher.

Bisher gibt es in Deutschland 84 Wasserstoff-Tankstellen. In diesem Jahr soll die Zahl auf 100 steigen. Unter den Bundesländern ist NRW mit 18 Tankstellen Spitzenreiter. In Köln, Düsseldorf, Aachen, Mönchengladbach, Leverkusen, Wuppertal und Essen können H2-Säulen angesteuert werden. „Noch in diesem Jahr folgen auch Wesseling sowie Dortmund“, so Pommeränke.

Mit rund 705 Brennstoffzellen-Pkw und 23 Bussen, hält sich die Nachfrage bisher aber noch in Grenzen. Sybille Riepe geht dennoch von einem Anstieg aus: „Wir erwarten den Hochlauf der Zulassungszahlen nach Fertigstellung der ersten 100 Tankstellen.“ Dann soll der Verbraucher auf kurzen Wegen die nächste Tankstelle erreichen können. Bisher bieten nur die Autohersteller Daimler, Toyota und Hyundai die Technik an. BMW und Audi sollen folgen. Für Riepe ist ein Umstieg dennoch sinnvoll: „Wasserstoff ermöglicht Autofahren wie heute, man tankt vier Minuten für Reichweiten bis zu 700 Kilometer – nur eben leise und ohne Emissionen“, erklärt die Sprecherin.

Beim Tankvorgang gibt es allerdings einiges zu beachten: „Wer in Deutschland Wasserstoff tanken will, benötigt die H2.LIVE/CARD, die wir auch digital anbieten“, erklärt Riepe. Zudem muss beim Tankvorgang eine dichte Verbindung gewährleistet sein, da H2 gasförmig getankt wird. So muss der Verbraucher nach Freischaltung der Säule den Zapfhahn verriegeln. Erst dann kann die Betankung starten. Wenn der Tank voll ist, wird der Vorgang automatisch gestoppt.

Das klappt im täglichen Gebrauch recht gut, wie Autofahrer Widger Falk erzählt. Der Kölner fährt seit vier Jahren mit Wasserstoff und hatte bisher keine Probleme. Allerdings musste er sich umgewöhnen, seine Routen vorrausschauend zu planen. „Die Infrastruktur ist erst im Aufbau und man ist halt gewohnt alle zehn Kilometer tanken zu können, das geht jetzt nicht mehr.“ Mit der weiten Strecke, die Autos mit H2 zurücklegen können, sei das aber kein Problem. „Man kann bis zu 700 Kilometer weit fahren“, so der Autofahrer.

Auch die Stadtwerke Bonn zeigen sich an Wasserstoff als emissionsfreier Lösung interessiert, wie Pressesprecherin Veronika John mitteilt. „Die Wasserstoffthematik ist vielschichtig und betrifft unsere wesentlichen Geschäftsfelder, also Energie und ÖPNV. Wir prüfen den Einsatz- und die Verwendungsmöglichkeiten von Wasserstoff.“