Gewitter und Starkregen Am Freitag könnte es in Bonn und Region wieder ungemütlich werden

Update | Bonn/Region · Während Bonn und die Region am Dienstag vom Unwetter weitgehend verschont blieb, laufen noch die Aufräumarbeiten nach dem Starkregen am Wochenende. Doch am Freitag muss erneut mit Unwettern gerechnet werden. Ein Blick auf die aktuelle Lage.

 Ab Freitag sind wieder Gewitter und Starkregen in Bonn und der Region möglich. (Symbolbild)

Ab Freitag sind wieder Gewitter und Starkregen in Bonn und der Region möglich. (Symbolbild)

Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Nachdem bereits am vergangenen Wochenende teilweise heftige Niederschläge für Probleme sorgten, prognostizierte der Deutsche Wetterdienst (DWD) auch für Dienstag Starkregen und stellenweise schwere Gewitter. Am Abend hob der DWD für Bonn und die Region bereits alle Warnungen aber wieder auf. Nach einzelnen Gewittern und stärkerem Regen am Dienstagnachmittag blieben die befürchteten starken Unwetter aus.

Für Freitag warnt der DWD aber erneut: Gewitter mit heftigem oder gar unwetterartigem Starkregen könnten wieder in NRW und dem nördlichen Rheinland-Pfalz aufziehen.

Wetterprognosen am Dienstag erfüllen sich nicht

Der Bonner Meteorologe Karsten Brandt hatte sich am Dienstag auf Nachfrage im Vorfeld der angekündigten Unwetter am gleichen Tag gegenüber dem GA noch so geäußert: „Wir erwarten flächendeckend etwa 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter in der gesamten Region. Hinzu kommt, dass der Starkregen überlagert wird mit einzelnen Gewitterzellen, sodass es dann in der Spitze zu 50 bis 60 Litern Regen pro Quadratmeter kommen kann.“ Brandt rechnete jedoch nicht mit einer „Saarland-Situation“.

In den nächsten Tagen sollen sich laut Vorhersagen Wolken, Sonne und Regen abwechseln. Die Temperaturen dürften sich bei der 20-Grad-Marke einpendeln.

Bilder: Hochwasser Pfingsten Bonn und Region
29 Bilder

Unwetter sorgen für Hochwasser in der Region

29 Bilder
Foto: Petra Reuter

Gestiegener Rheinpegel sorgt für Probleme

Bedingt durch die heftigen Unwetter am Wochenende im Südwesten Deutschlands stieg der Rhein bis Montagmittag deutlich an. In der Nacht von Sonntag auf Montag hatte der Rheinpegel um 5.30 Uhr mit 6,71 Metern seinen bisherigen Höchststand erreicht. In diesem Bereich stagniert der Pegelstand bislang mit leicht sinkender Tendenz. Um 14 Uhr erreichte der Pegel noch 6,65 Meter. Am Dienstag entspannte sich die Gesamtsituation wieder etwas. Der Pegel sank über Nacht wieder auf 6,25 Meter. Am Wochenende war der Rheinpegel zuvor rasant angestiegen: von Samstag auf Sonntag von vier auf über sechs Meter.

Strandfest Mondorf endet wegen Hochwasser vorzeitig

Der steigende Rheinpegel hatte unter anderem Auswirkungen auf das 88. Strandfest in Mondorf. Die Kirmes direkt am Rheinufer endete wegen des Hochwassers bereits am Samstagabend. Auch das Abschlussfeuerwerk fiel ins Wasser, wie die Veranstalter bei Facebook mitteilten. Die Mondorfer Fähre, die wegen des Feuerwerks eigentlich bis Mitternacht fahren sollte, stellte ihren Betrieb bereits um 22 Uhr ein.

Bereits am Samstagnachmittag mussten drei Fahrgeschäfte abgebaut werden, da sie sonst überflutet worden wären. Und auch die Bühne konnte nicht stehen bleiben. „Leider müssen wir unser Bühnenprogramm um ein Jahr verschieben“, hieß es in einer Mitteilung der Veranstalter am Nachmittag.

 Hochwasser am Gasthaus Zur Siegfähre.

Hochwasser am Gasthaus Zur Siegfähre.

Foto: Dieter Hombach

Bangen am Lokal „Zur Siegfähre“

Der Pegel der Sieg stieg dagegen am Montag ganz langsam weiter. Rund um das Gasthaus „Zur Siegfähre“ in Troisdorf-Bergheim wurden ein Meter hohe Kunststoffschläuche gelegt, gefüllt mit jeweils 250.000 Liter des schmutzigen Siegwassers. In den Schläuchen wird das Wasser der Sieg gebündelt und dient so als Schutzbarriere für das weitere Wasser der Sieg. So wurde mit dem Wasser der Sieg das alte Gebäude erstmalig vor dem selbigen geschützt. Das neue System hat funktioniert. Die großen Renovierungsarbeiten bleiben der „Siegfähre“ nun erst mal erspart.

Campingplatz „Auf dem Salmenfang“ in Rheinbreitbach geräumt

 Der Campingplatz "Auf dem Salmenfang" in Rheinbreitbach musste wegen des Hochwassers geräumt werden.

Der Campingplatz "Auf dem Salmenfang" in Rheinbreitbach musste wegen des Hochwassers geräumt werden.

Foto: Ralf Klodt

Seinen Betrieb komplett einstellen musste auch der Campingplatz „Auf dem Salmenfang“ in Rheinbreitbach. Der Platz mit angeschlossenem Biergarten liegt direkt am Rhein und wird wegen des Hochwasser überflutet. Deshalb mussten am Samstag alle rund 50 Parzellen geräumt werden. Zu rund 90 Prozent war der Platz bereits belegt, die restlichen Parzellen sollten bis Sonntagmorgen bezogen werden. „Wir mussten alle nach Hause schicken und alle Buchungen stornieren“, sagte Daniela Klein, die den Campingplatz mit Angela Bertram betreibt. Der Campingplatz, der nur im Sommerbetrieb zwischen Mai und Oktober geöffnet ist, war erst vor einigen Tagen in die neue Saison gestartet.

Die Räumung, bei der neben den Mitarbeitern des Campingplatzes auch Freunde der Betreiberfamilie halfen, stellte sich derweil als wahre Herausforderung für die Betreiber dar. Denn sämtliche Einrichtungen wie die Küche, eine Theke und Lager sind seit diesem Jahr in fünf mobilen Containern untergebracht, da das alte Gebäude im Winter abgerissen werden musste. Die Container mussten jedoch ebenfalls ob der Hochwasserlage abtransportiert werden. Eine Spezialfirma aus Bonn rückte am Sonntagfrüh mit einem Kran und Lastwagen an, um den Abtransport zu übernehmen. Zuvor musste jedoch eine Sondergenehmigung eingeholt werden, damit der Transport trotz Sonntagsfahrverbot erfolgen konnte. Ordnungsamt und Polizei hatten dies jedoch kurzfristig möglich gemacht. „Hätten wir diese polizeiliche Sondergenehmigung nicht erhalten, wären die Container womöglich im Hochwasser abgesoffen und von Treibgut beschädigt worden - und das hätte ein Schaden von rund 70.000 Euro für uns bedeutet“, so Klein.

Vollgelaufene Keller und Unterführungen nach Regen in Bonn

Doch nicht nur die Unwetter im Südwesten Deutschlands brachten Probleme in die Region. Heftige Regengüsse in Bonn und der Region ließen am Samstagnachmittag mehrere Keller volllaufen und sorgten für überflutete Straßen. In der Nordstadt blieb der Fahrer eines Mercedes in einer Unterführung Am Propsthof mit seinem Fahrzeug im Wasser stehen. Er hatte zuvor versucht, den bereits teilweise überschwemmten Bereich mit seinem Wagen zu durchqueren. Mitarbeiter der Stadt pumpten am Abend über eine entsprechende Einrichtung das Wasser ab. Die Polizei sperrte die Straße mehrere Stunden für den Verkehr ab. Der Wasserrückstau bahnte sich nach Angaben der Bonner Feuerwehr darüber hinaus den Weg in eine angrenzende Tiefgarage, die am Sonntagfrüh durch das THW mit entsprechenden Hochleistungspumpen leer gepumpt werden soll.

Insgesamt rund 20 mal musste die Bonner Feuerwehr infolge des Regens am späten Nachmittag zu Einsätzen ausrücken. Dabei war auch das Stadthaus betroffen. Laut Feuerwehr musste dort Regenwasser aus einem Aktenlager im Untergeschoss abgepumpt werden.

Während des Regens wurden die verschiedenen Bachpegel durchgehend von der Bonner Feuerwehr kontrolliert und sich mit der Veranstaltungskoordination der Stadt Bonn zu laufenden Open-Air-Festen ausgetauscht.

Laut dem Wetterstatistiker Klaus Kosack sind in Bonn im Mai (bis einschließlich Sonntag) 119 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Das sind 208 Prozent der Regenmenge, die ein Mai im Schnitt verzeichnet. Damit liegt der Mai 2024 inzwischen auf Platz sechs der Bonner Wetterhistorie, die 177 Jahre abbildet. Der gestiegene Rheinpegel bereitete der Feuerwehr hingegen keine Probleme.

Einsätze in Wachtberg-Pech

Auch in Wachtberg rückten die Einsatzkräfte der Feuerwehr am Samstagnachmittag aufgrund des Starkregens zu mehreren Einsätzen aus. Da die Felder oberhalb von Wachtberg-Pech den Regen nicht mehr aufnehmen konnten, floss das Wasser ungehindert in die Ortschaft, teilte die Feuerwehr am Sonntag mit. Auf der Straße „Auf dem Reeg“ wurde so unter anderem Geröll aus einer Baustelle herausgespült, wodurch das Wasser ungehindert in einige Keller eindringen konnte. Die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Wachtberg legten Sandsäcke aus, um den Wasserabfluss zu steuern.

In mindestens drei Gebäuden pumpten die Feuerwehrleute zudem Wasser aus den Kellern. Außerdem kontrollierten die Einsatzkräfte die K57 zwischen Wachtberg-Villip und Wachtberg-Gimmersdorf. Dort floss Wasser von den angrenzenden Feldern auf die Fahrbahn, wodurch die Straße nicht mehr befahrbar war. Die Einsatzkräfte sperrten die K57 ab, bis das Wasser abgeflossen war.

Hochwasser auch in Sinzig

Auch in Sinzig kämpfte man am Samstag mit den Folgen nach dem Starkregen. Der Harbach trat über das Ufer und überflutete den Harbachpark. Die Feuerwehr fischte Autoreifen und Müll aus dem Wasser vor einem Absperrgitter, damit das Wasser besser ablaufen konnte.

Ein Wassereinbruch drohte zudem im Schloss Ahrental. Ein Anschwellen des Sonnenbaches bewirkte, dass der Schlossgraben bis zur Oberkante gefüllt wurde und das Wasser bereits in den Innenhof übertrat, berichtet die Feuerwehr Sinzig. Feuerwehr und THW schützten die Gebäude mit einigen hundert Sandsäcken. Durch den Einsatz von zwischenzeitlich mehreren Pumpen konnte der Pegel langsam gesenkt werden. Die Pumparbeiten dauerten bis zum Sonntagmorgen an. Zudem war die Kreisstraße K47 von Franken Richtung Bad Breisig zeitweise überflutet.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort