Grund zur Sorge? Weniger Studierende an den Hochschulen in Bonn und der Region

Interaktiv | Bonn/Region · Die Zahl der Studierenden an den Hochschulen in der Region ist zum aktuellen Wintersemester erneut zurückgegangen. Ein Grund dafür soll der demografische Wandel sein. Doch auch die aktuellen Krisen spielen eine Rolle.

 Die Zahl der Studierenden in NRW ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. (Symbolfoto)

Die Zahl der Studierenden in NRW ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. (Symbolfoto)

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Die Zahl der Studierenden ist zum Wintersemester 2023/24 weiter gesunken. Ein Trend, der seit rund zehn Jahren anhält und sich auch an den Hochschulen in Bonn und der Region ablesen lässt, wie Zahlen des Statistischen Landesamtes (IT.NRW) zeigen.

Demnach sind im Vergleich zum vergangenen Wintersemester rund 2000 Studierende weniger an der Universität Bonn eingeschrieben, ein Rückgang um 5,5 Prozent. Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg verzeichnete einen Rückgang um drei Prozent. An der Alanus Hochschule in Alfter nahm die Studierendenzahl hingegen um 7,3 Prozent zu. Im aktuellen Wintersemester sind an den Hochschulen im Land insgesamt 711.300 Studierende eingeschrieben, was einen Rückgang von rund 4,2 Prozent bedeutet. Eine niedrigere Zahl war in NRW zuletzt vor zehn Jahren verzeichnet worden, als im Wintersemester 2013/14 rund 686.600 Studierende an den NRW-Hochschulen eingeschrieben waren.

Mit rund 4600 Studienanfängern darf sich die Uni Bonn aber über einen Zuwachs bei den Neueinschreibungen um 7,2 Prozent freuen. Laut Statistik ist die Zahl der Menschen, die ein Studium in NRW neu begonnen haben, ebenfalls gestiegen und liegt höher als in den beiden vorangegangenen Wintersemestern. Rund 91.100 Studierende hätten sich im aktuellen Semester erstmals für ein Studium eingeschrieben. Das sind etwa 2,3 Prozent mehr als im Wintersemester 2022/23. Zurückgegangen ist die Zahl der Neueinschreibungen hingegen um 3,4 Prozent an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und um 28,6 Prozent an der Alanus Hochschule.

In den vergangenen fünf Jahre ist die Zahl der Studierenden an der Uni Bonn um rund zehn Prozent zurückgegangen, an der Alanus Hochschule sind es etwa 13 Prozent weniger. In Alfter ist in dem Zeitraum zudem die Zahl der Studienanfänger besonders stark gesunken, von rund 330 im Wintersemester 2019/20 auf heute 150 Neueinschreibungen. Woran liegt das?

Ist der Rückgang der Studierendenzahlen ein Grund zur Sorge?

„Mit Blick auf die gestiegenen Lebenshaltungskosten ist es für viele Menschen zunehmend schwer, in ihre Bildung und Ausbildung zu investieren“, erklärt Rektor Hans-Joachim Pieper den Rückgang und nennt die Inflation und aktuelle Krisen als Gründe dafür. Das stelle private Hochschulen vor besondere Herausforderungen. „Wir gehen davon aus, dass die ökonomische Situation sich sukzessive wieder verbessern wird“, so Pieper. Mit den Schwerpunkten auf Nachhaltigkeit und Persönlichkeit sieht er die Angebote seiner Hochschule für die Zukunft gut aufgestellt.

Grund zur Sorge sehen die Hochschulen in der Region vorerst nicht. Die Universität Bonn sieht in den veröffentlichten Zahlen keinen Trend, wie Pressesprecher Andreas Archut auf Nachfrage mitteilte. Die Gesamtzahl der Studierenden sei immer Schwankungen unterlegen und entwickele sich in Übereinstimmung mit den landesweiten Zahlen. Möglich sei, dass der Rückgang der Studierendenzahlen mit steigenden Einschreibungszahlen wieder kompensiert werde.

Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg verweist auf einen bundesweiten Rückgang der Studierendenzahlen. Diese sei nach Aussage der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2021 demografisch bedingt. „Die leicht sinkenden Zahlen kommen für uns daher nicht überraschend und sind in diesem geringen Umfang auch nicht besorgniserregend“, so Professor Marco Winzker, Vizepräsident für Studium, Lehre und Weiterbildung. Momentan sehe die Hochschule eine bundesweit nachlassende Studiennachfrage in den MINT-Fächern. Die Hochschule reagiere darauf etwa mit dem Studiengang Nachhaltige Ingenieurwissenschaft.

Ein Blick auf die langfristige Entwicklung der Studienanfänger zeigt, dass ihre Zahl seit rund zehn Jahren zwar zurückgeht. Zuvor hatte es aber seit Anfang der 2000er-Jahre einen deutlichen Anstieg gegeben.

Das Landesamt weist darauf hin, dass es sich bei diesen Studierendenzahlen um vorläufige Werte handelt. Die endgültigen Ergebnisse werden den Angaben zufolge voraussichtlich Mitte des Jahres 2024 vorliegen.

(ga/epd)
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