Bonner Stadtgarten Urweltmammutbaum soll Naturdenkmal sein

Bonn · Zum 150. Todestag des preußischen Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné kam ein Graf nach Bonn und pflanzte ein aus China stammendes Bäumchen. Die Lenné-Gesellschaft will es stärker unter Schutz stellen. Der Bonner Uni wäre das gar nicht lieb.

 Der Urweltmammutbaum (der hochgewachsene in der Bildmitte) war ein Geschenk von Graf Lennart Bernadotte. Der damalige Präsident der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft war 1966 bei der Pflanzung zum 100. Todestag Lennés anwesend.

Der Urweltmammutbaum (der hochgewachsene in der Bildmitte) war ein Geschenk von Graf Lennart Bernadotte. Der damalige Präsident der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft war 1966 bei der Pflanzung zum 100. Todestag Lennés anwesend.

Foto: Benjamin Westhoff

Mit dem Urweltmammutbaum steht in direkter Nähe zur Bonner Universität und dem Lenné-Haus in der Konviktstraße ein Nadelbaum, den Botaniker als „lebendes Fossil“ einstufen. Denn es ist davon auszugehen, dass die Ursprünge der Sorte Metasequoia glyptostroboides 60 Millionen Jahre zurückreichen. Überdies hat der Baum noch eine ideelle Bedeutung. Auf das eine wie das andere hat die Lenné-Gesellschaft nun hingewiesen und einen stärkeren Schutz gefordert. Hintergrund sind wohl auch Überlegungen der Universität eines Erweiterungsbaus an eben dieser Stelle.

Graf Lennart Bernadotte, Präsident der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft, zog den Baum einst aus einem aus China stammenden Samenkorn auf der Insel Mainau. Vier Meter hoch war der Urweltmammutbaum, als er mit großem Tamtam am 15. März 1966 im Bonner Stadtgarten in Anwesenheit des Grafen, Bonns Oberbürgermeister Wilhelm Daniels und dem Unirektor gepflanzt wurde. Gefeiert wurde bei dieser Gelegenheit der 100. Todestag des in Bonn geborenen preußischen Gartendirektors Peter Joseph Lenné.

Stadt erkennt kein Naturdenkmal

Die Lenné-Gesellschaft leitet aus dieser Vergangenheit ab, dass die Stadt den Baum möglichst gut zu schützen habe und beantragte für die jüngste Sitzung der Bonner Bezirksvertretung die Eintragung in die städtische Liste der Naturdenkmäler. Der stellvertretende Vereinsvorsitzende Michael Wenzel sprach von einem „grünen Denkmal für Lenné“. Das verfing bei den Bezirksverordneten, die dem Ansinnen zustimmten – entgegen der ausdrücklichen Haltung der Stadt.

Die Untere Naturschutzbehörde hält den Baum nämlich nicht für naturdenkmalwürdig. Abteilungsleiterin Bettina Molly führte aus, die städtischen Baumsachverständigen seien zu dem Ergebnis gekommen, dass er nicht die dafür im Bundesnaturschutzgesetz notwendigen Voraussetzungen erfülle – weder in wissenschaftlicher, naturgeschichtlicher oder landeskundlicher Hinsicht noch wegen seiner Seltenheit, Eigenart oder Schönheit. Im Urteil der Stadt handelt es sich nicht um „eine Einzelschöpfung der Natur“. Seine Bedeutung leite sich viel mehr aus dem „kulturhistorisch bedeutsamen Standort ab“. Unklar und von der Verwaltung folglich zu prüfen ist deshalb, ob der Beschluss der Bezirksvertretung überhaupt in Kraft treten wird oder ob die Oberbürgermeisterin ihn formal zu beanstanden hat.

Die ganze Angelegenheit ist etwas kompliziert: Die „Verordnung zur Sicherheit von Naturdenkmalen“ der Stadt Bonn, in der durchaus einige Mammutbäume aufgeführt sind, stammt tatsächlich noch aus dem Jahre 1970. Molly hält es für möglich, dass Neuaufnahmen in diese Liste gar nicht möglich wären, ohne eine neue Verordnung aufzustellen.

Für notwendig hält die Stadt diesen Schritt nicht. Im konkreten Fall liege der Urweltmammutbaum im Landschaftsschutzgebiet Rheinufer, wo jegliches Entfernen von Bäumen verboten sei. Es sei denn, es liegt eine landschaftsrechtliche Genehmigung für eine Fällung vor. „Eine Ausweisung als Naturdenkmal würde den Schutzstatus nicht weiter verstärken“, meint zumindest die Stadt. Das NRW-Umweltministerium erklärt auf Anfrage, ein direkter Vergleich zwischen dem Schutzstatus beider Kategorien sei nicht möglich und verweist in Detailfragen wiederum an die Stadt.

Stadt pflegt Mammutbaum auf Landesgrundstück

Die 54 Jahre alte Naturdenkmal-Verordnung hat laut Stadt seinerzeit dazu gedient, dass die dort aufgeführten Bäume zunächst unter den Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes gefallen sind, heute unter den des Bundesnaturschutzgesetzes. „Zu dem Zeitpunkt gab es noch keine Baumschutzsatzung, die den Baumbestand in der Stadt in umfassender Weise unterstützt.“ Eine solche Baumschutzsatzung hat die Stadt mittlerweile.

Der Urweltmammutbaum steht auf einem Grundstück des Landes. Auf der Grundlage eines mehr als 70 Jahre alten Vertragswerkes zwischen Stadt und Universität kümmert sich das Amt für Umwelt und Stadtgrün bis heute um die Pflege des Urweltmammutbaums. Auf Nachfrage des GA, ob die Uni konkrete Pläne habe, denen der Baum im Wege stehen könnte, antwortete Universitäts-Sprecher Andreas Archut: „Die Universität erwägt verschiedene Szenarien, wie die Flächen des Uni-Hauptgebäudes nach dessen Sanierung durch Anbauten erweitert werden können, um den wachsenden Flächenbedarf an diesem Standort zu decken. Neben dem Viktoriakarree und den Liegenschaften am Martinsplatz ist auch der Bereich zwischen Uni-Ostflügel und Lenné-Haus grundsätzlich Gegenstand dieser Betrachtungen.“ Die Uni würde es daher begrüßen, wenn ihr „Planungsoptionen nicht ohne Not genommen würden“.

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