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Bonn: Vandalismus im Viktoriakarree nimmt zu

Eigentümerin klagt über Einbrüche : Vandalismus im Bonner Viktoriakarree nimmt zu

Während des erneuten Lockdown wirkt das Areal des Viktoriakarrees gespenstisch. Immobilieneigentümerin Annette Leidenfrost klagt über zunehmenden Vandalismus und Einbrüche.

In Pandemiezeiten und bei nächtlicher Ausgangssperre wirkt das Viktoriakarree noch verlassener als es ohnehin schon ist. Die früheren Signa-Immobilien sind komplett leergezogen und werden zurzeit entkernt. Die Restaurants und Cafés sind seit Monaten geschlossen oder verkaufen nur außer Haus. Dazu kommen Vandalismus und eine zunehmende Verschmutzung des Areals – und die Ungewissheit der gewerblichen Mieter in den Gebäuden, die der Stadt gehören, wie es mit dem Karree überhaupt weitergehen soll.

Annette Leidenfrost, die sieben Immobilien in dem Karree im vorigen Jahr von der Signa – ein Unternehmen des österreichischen Karstadt/Galeria Kaufhof-Eigentümers René Benko – erworben hat und sie derzeit entkernen und sanieren lässt, wirkt am Telefon frustriert, als sie den Zustand des Viktoriakarrees beschreibt. „So etwas habe ich noch an keinem meiner Baustandorte erlebt“, sagt die Geschäftsführerin der LP Investments GmbH mit Sitz in Bornheim. Fenster würden eingeschlagen, Türen aufgebrochen, es rieche in vielen Ecken nach Urin, immer wieder liege Abfall und Unrat in den Eingangsbereichen. „Wir lassen ihn zwar immer wieder entsorgen, doch kaum haben wir den Müll entsorgt, liegt schon wieder neuer dort.“

Erst kürzlich seien Unbekannte in eines der Häuser eingebrochen und hätten in einer Küche, in der noch ein Herd stand, gekocht. Aktuell geht die Polizei zudem von einem versuchten Einbruch in das Eckgebäude an der Rathausgasse/Stockenstraße aus. Dort hatte in der Nacht von Montag zu Dienstag eine bislang unbekannte Person mit einem E-Roller versucht, die Eingangstür zu zertrümmern, wie Polizeisprecher Michael Beyer dem GA bestätigt. Auf den Einbrecher aufmerksam geworden war der Hund des Hausverwalters. Den Verwalter hat Leidenfrost in einer Wohnung im Karree einquartiert. Er soll mit darauf achten, dass die Gebäude besser vor Vandalismus und Verschmutzung geschützt werden können, erklärt Leidenfrost. Was natürlich nachts schweirig ist.

Der unbekannte Einbrecher soll bei seinem Einbruchsversuch geschrien haben „ich will zu meinem Bruder“, weiß Beyer aus der Akte. Eine Fahndung nach dem Mann sei ohne Ergebnis verlaufen. Die Polizei gehe von einem „psychischen“ Hintergrund aus, so der Polizeisprecher.

Hoffnung auf Beruhigung nach Ende der Bauarbeiten

Leidenfrost hofft, dass nach Ende der Bauarbeiten in ihren Häusern im Karree etwas mehr Ruhe einkehren wird. „Ich hoffe doch sehr, dass dann der Vandalismus abnehmen wird“, sagt sie. Trotz der nicht zuletzt auch pandemiebedingten Probleme bei der Materialbeschaffung geht die Architektin davon aus, dass die Bauarbeiten wie geplant fertiggestellt werden können und womöglich bereits nächstes Jahr die ersten Mieter einziehen beziehungsweise Wohnungen verkauft werden könnten. „Wir versuchen, den Zeitrahmen einzuhalten, indem wir die Reihenfolge der Gewerke ändern“, erklärt Leidenfrost. Das Problem sei, dass unter anderem Baumaterial für Dachdecker und auch Fliesen derzeit auf dem Markt kaum noch zu erhalten seien.

So oder so dürfte die Architektin mit ihrem Bauvorhaben schneller zu Rande kommen als die Stadt n mit den Planungen für die städtischen Immobilien in dem Karree, zu dem auch das Viktoriabad gehört.

Denn: In einer aktuellen Stellungnahme der Verwaltung zu einem Antrag der Ratskoalition aus Grünen, SPD, Linken und Volt, die Laufzeit der Mietverträge für die gewerbliche Nutzung der Gebäude zu verlängern, geht hervor: „Die Verwaltung erachtet eine Laufzeitverlängerung der Miet- und Pachtverträge (…) als entbehrlich, da für die weitere Entwicklung und Planung des Viertels die Änderung des Bebauungsplanes erforderlich ist. Diese wird voraussichtlich zwei Jahre in Anspruch nehmen.“

Alle Miet- und Pachtverträge der städtischen Gewerbeobjekte im Viktoriakarree seien mittlerweile unbefristet beziehungsweise in der automatischen jährlichen Verlängerung. Die Kündigungsfristen seien unterschiedlich vereinbart. Die Sechsmonatsfrist sei durchweg gewahrt.

Nach Auskunft der Gewerbegemeinschaft Viktoriaviertel beträgt die Laufzeit der Mietverträge für städtische Gewerbeobjekte aufgrund der ungeklärten Situation der weiteren Entwicklung des Viertels derzeit lediglich sechs Monate. „Das bietet den Gewerbebetrieben kaum Planungssicherheit“, erklärte Johannes Roth, Sprecher der Gewerbegemeinschaft und Betreiber des Radladens „Klingeling“ an der Franziskanerstraße. Er habe den Antrag der Ratskoalition genau aus diesem Grund maßgeblich mitinitiiert, sagte er. Zudem kritisierte Roth, dass die Stadt bisher niemanden aus dem Karree in die weiteren Planungen einbezogen habe. „Wir haben jedenfalls nichts mehr seit Ende der Bürgerwerkstatt dazu gehört.“

Auf GA-Nachfrage erklärte Stadtsprecherin Monika Hörig: „Ein Grundsatzbeschluss zum Viktoriakarree wird den Gremien in Kürze vorgelegt werden.“ Zum aktuellen Stand der Pläne für eine neue Philologische Bibliothek der Uni Bonn auf dem Areal, sagte sie, die Stadt und die Universität seien „im Dialog“ zu einer möglichen Neubebauung des Areals.