Demo in der Bonner Innenstadt Viele Rufe nach mehr Hilfe bei Ukraine-Kundgebung

Bonn · Zwei Jahre sind seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine vergangen. Bei einer Demo zum Jahrestag mit rund 250 Menschen gab es viele Rufe nach mehr Unterstützung durch den Westen. Wie blicken Ukrainer in Bonn auf den Krieg und die deutsche Hilfe?

Bis zu 250 Teilnehmer kamen am Samstagabend zu einer pro-ukrainischen Kundgebung auf dem Marktplatz.

Bis zu 250 Teilnehmer kamen am Samstagabend zu einer pro-ukrainischen Kundgebung auf dem Marktplatz.

Foto: Jan-Oliver Nickel

Zwei Jahre nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine haben sich bei einer pro-ukrainischen Kundgebung am Samstagabend nach Polizeischätzungen bis zu 250 Menschen vor dem alten Rathaus versammelt. Ein Bündnis aus ukrainischen Studierenden der Uni Bonn, dem Verein „Ukrainer in Bonn“ und der „UA Welle Bonn“ hatte dazu aufgerufen.

Um die Ukraine zielführend in ihrem Freiheitskampf zu unterstützen, brauche es aus dem Westen eine größere Anstrengung: Darin waren sich die Redner und viele der Teilnehmer an diesem Abend einig. Die Lage in der Ukraine sei derzeit sehr schlecht, sagte Oleksii Nazarenko, der Vorsitzende des Ortsvereins „Ukrainer in Bonn“: „Die Situation ist wirklich nicht einfach. Jeden Tag wird weiterhin unser Territorium bombardiert. Wir hoffen alle, dass die Ukraine gewinnen wird, aber wir brauchen dringend Unterstützung.“

Die SPD-Bundestagsabgeordneten Jessica Rosenthal betonte, „dass die Ukraine die Sicherheit Europas jeden Tag verteidigt und die Ukrainerinnen und Ukrainer für die europäische Idee und für uns alle jeden Tag einstehen.“ So argumentierte auch der CDU-Europaabgeordnete Axel Voss: Für ihn sei jetzt nicht die Zeit zum Zögern, „sondern wir müssen handeln und dazu gehören auch die entsprechenden Waffenlieferungen“. Auch aus der Menge der Teilnehmer wurde mehrfach die Lieferung der Taurus-Marschflugkörper gefordert.

Die beiden jungen Männer Maksym und Bohdan kommen ursprünglich aus der ukrainischen Millionenstadt Dnipro. Maksym hatte in der Ukraine bereits Deutschunterricht und kam im Juni 2022 nach Bonn. Damals habe er Deutsch nur lesen können, heute übersetzt er fließend für seinen Freund, der erst vor einem Monat nach Deutschland kam. Er sei sehr dankbar für die Hilfe, die ihnen hier seit dem ersten Tag zuteilwerde, sagte Maksym: „Ich denke, dass die deutschen Leute, die deutsche Gesellschaft und die deutsche Regierung super viel für die Unterstützung von Ukrainern macht.“ Dabei beziehe er sich auf die politische Unterstützung mit Integrationshilfe genauso wie auf das spürbare Mitgefühl der Bevölkerung.

Bei der Kundgebung am Samstag wurden viel Rufe nach mehr Unterstützung für die Ukraine laut.

Bei der Kundgebung am Samstag wurden viel Rufe nach mehr Unterstützung für die Ukraine laut.

Foto: Jan-Oliver Nickel

Ukrainer in Bonn: Aufmerksamkeit lässt nach

Gleichwohl spüre man in der Ukraine, wie die internationale Unterstützung und Aufmerksamkeit für das Land abnehmen, sagte Bohdan. Für Maksym spielen hierbei auch russische Desinformationskampagnen eine große Rolle. Russland versuche „mit voller Kraft etwas zu tun, um die Unterstützung für die Ukraine abzuschwächen“, sagte er, und dies geschehe sowohl politisch wie medial. Trotz all dieser Schwierigkeiten sei ihr Optimismus für die Zukunft aber nicht gebrochen, betonten die beiden.

Teilnehmer Michael Rodewald findet nicht, dass für die Ukraine genug getan wird. „Wenn man sich für die Hilfe für die Ukraine entscheidet, dann sollte man wirklich alles geben, was man geben kann“, sagte er. Die Ukraine werde den Krieg nicht verlieren, wenn der Westen geschlossen hinter ihr stehe. Doch die derzeitige Situation koste viele Ukrainer das Leben, was nicht notwendig gewesen wäre, „wenn man die Hilfe rechtzeitig ausgedehnt hätte“, sagte Rodewald. Auch für die Kundgebung hätte er sich einen stärkeren Zulauf erhofft.

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