Bonner Stadtgeschichte Vom Leprazentrum zum Stadtteil Auerberg

Auerberg · Am Nordfriedhof standen einst Galgen. Der Heilige Lazarus erinnert noch heute an eine Zeit, zu der an der Kölnstraße ein Seuchenhaus lag. Mithilfe von NRW-Stiftung und Stadt Bonn hat der Ortsausschuss Auerberg einen historischen Rundgang in Arbeit.

Die Informationsstelen für den Rundgang durch Auerberg sind schon angefertigt: (V. l.) Jürgen Haffke (Ortsausschuss), Pater Ludger Wolfert (Collegium Josephinum), Martin Riedel (Ortsausschuss), Gabriele Heix (NRW-Stiftung) und Martin Eder vom Quartiermanagement Tannenbusch/Auerberg vor dem Lazarus-Denkmal an der Klosterkirche Sankt Joseph.

Die Informationsstelen für den Rundgang durch Auerberg sind schon angefertigt: (V. l.) Jürgen Haffke (Ortsausschuss), Pater Ludger Wolfert (Collegium Josephinum), Martin Riedel (Ortsausschuss), Gabriele Heix (NRW-Stiftung) und Martin Eder vom Quartiermanagement Tannenbusch/Auerberg vor dem Lazarus-Denkmal an der Klosterkirche Sankt Joseph.

Foto: Benjamin Westhoff

So einen wie Jürgen Haffke braucht man, wenn das Gedächtnis eines Ortsteils nicht verloren gehen soll. Historiker, mittlerweile pensionierter Lehrer am Collegium Josephinum in der Kölnstraße und bis heute aktives Mitglied im Auerberger Ortsausschuss. Ein Aufspürer von Vergangenem. Auerberg nämlich – dieser seit 1966 eigenständige Bonner Stadtteil – ist vordergründig ein vor allem in den vergangenen Jahren stetig wachsendes Viertel. Davon zeugt die „Auerberger Mitte“ mit ihren großen Wohnhäusern. Davon zeugt die 30 Jahre zurückliegende Verlängerung der Straßenbahnlinie 61 bis zur Kopenhagener Straße.

Wer aber mit wachen Augen durch diesen Stadtteil geht, der kann Erstaunliches entdecken. An der Ecke Kölnstraße/An der Josefshöhe steht die Klosterkirche des Redemptoristenordens. Ein in die Außenwand eingelassener Bilderstock beherbergt bis heute eine Statue des Heiligen Lazarus, dem Fürsprecher der Aussätzigen. Die Statue zeugt davon, dass, so Haffke, vermutlich seit dem 14. Jahrhundert ein Siechenhaus für Leprakranke mit einer Kapelle an gleichem Ort gestanden hat. Der Redemptoristenorden übernahm das Anwesen 1920, wo zuvor die „Unterrichts- und Erziehungsanstalt St. Joseph auf der Höhe“ mittellose Jugendliche in Handwerksberufen unterrichtete. Bis heute betreiben die Redemptoristen das Collegium Josephinum mit einer Realschule und einem Gymnasium für Jungen. Gegenüber lag ganz früher die Hirschburg, eine Kneipe, in der sich zu Ostern die Bürger zum Eierdötzen trafen.

Quälende Prozeduren auf dem Galgenpfad und Gerichtsweg

Ein paar Meter weiter nur, wo seit dem Ende des 19. Jahrhunderts der Bonner Nordfriedhof entstanden ist, knüpften die Bonner bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ihre Schwerverbrecher auf oder brachen ihnen in quälenden Prozeduren auf dem Rad die Glieder. Auf alten Karten, so Haffke, erinnern noch die Namen Galgenpfad und Gerichtsweg an dieses Kapitel auf heutigem Auerberger Grund.

All diese Geschichten, all diese Kapitel der Heimatgeschichte, die zwischenzeitlich einen Ausbau zum Industriestandort vorsahen und dann im 20. Jahrhundert ab 1933 in den Bau der „Nordrandsiedlung“ mündeten, hat der Auerberg Ortsausschuss aufgearbeitet und auf seiner Internetseite veröffentlicht.

Nun geht der Vorstand um den 2. Vorsitzenden Martin Riedel einen Schritt weiter. In vollem Gang ist ein Förderprojekt: An elf Standorten – darunter auch die Bernhardkirche, der frühere Luftschutzbunker an der Kölnstraße – sollen Stelen erste Informationen über die Vergangenheit liefern und per QR-Code auf die Internetseite mit vertiefenden Quellen verweisen. Riedel: „Wir wollen den Auerbergerinnen und Auerbergern die Geschichte ihres Ortsteils näher bringen.“

Sein Dank gilt der NRW-Stiftung, für die Regionalbotschafterin Gabriele Heix einen Förderbescheid in Höhe von 8000 Euro überreichte, und der Stadt Bonn. Aus dem Fond des Quartiersmanagements Tannenbusch/Auerberg kommen weitere 3000 Euro. Sowohl Heix als auch Martin Eder vom Quartiersmanagement lobten die ehrenamtliche Arbeit des Ortsausschusses, die man gerne unterstütze. Mitgezogen hätten auch private Grundstückeigentümer wie die Redemptoristen, namentlich Rektor Pater Ludger Wolfert.

Die Stelen werden voraussichtlich bis zum Sommer in die Erde gebracht. Das Tiefbauamt hat den Untergrund noch auf mögliche Versorgungsleitungen zu prüfen. Sie werden übrigens so eingelassen (80 Zentimeter hoch ab Boden), dass auch Kinder und Rollstuhlfahrer die Schilder lesen können. Da in Auerberg, so Riedel, Menschen aus mehr als hundert Nationen lebten, würden die Informationen zudem ins Englische, Türkische und Arabische übertragen.

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