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Bonn: Wohin sich Geimpfte mit Corona-Symptomen wenden können

Impfdurchbrüche in Bonn : Wohin sich Geimpfte mit Corona-Symptomen wenden können

Auch in Bonn und der Region treten Fälle von sogenannten Impfdurchbrüchen auf. Geimpfte können sich mit Covid-19 infizieren, wenn auch die Verläufe nach vorliegenden Erkenntnissen in der Mehrzahl eher mild sind. Viele Praxen bieten spezielle Sprechstunden an.

Es ist eine der unangenehmsten Erkenntnisse im Zuge der Maßnahmen beim Kampf gegen die Corona-Pandemie: Auch geimpfte Menschen können sich mit Covid-19 infizieren, wenn auch die Verläufe vorliegenden Erkenntnissen zufolge in aller Mehrzahl eher mild sind. Auch in Bonn und der Region treten Fälle von sogenannten Impfdurchbrüchen auf, überwiegend mit milden Verläufen. Viele Praxen bieten Infektionssprechstunden an und empfangen dabei auch jene Patienten, die trotz Immunisierung über Corona-typische Symptome klagen. Laut Medizinern sind dies vor allem Kopf- und Halsschmerzen, Atemnot und bisweilen der vorübergehende Verlust des Geschmackssinns.

Viele von ihnen fragen sich zudem, wer eigentlich die PCR-Tests zahlt. In der Regel können Mediziner auf eine Erstattung verweisen – wenn sie zuvor einen Test angeordnet haben, wie auch immer dieser ausfällt. Seit dem 11. Oktober müssen Tests, die nicht auf Anraten des Arztes gemacht werden, von Patienten selbst gezahlt werden. „Bei Patienten mit Symptomen werden die Kosten weiterhin übernommen“, sagt der Bonner Allgemeinmediziner Dieter Krafft, der außerdem Vorsitzender der Kreisstelle Bonn des Hausärzteverbandes Nordrhein ist.

Dies gelte natürlich auch für Patienten mit Impfdurchbrüchen. „Auch in unserer Praxis sind diese schon festgestellt worden. Wir haben allerdings hier nur ganz leichte Verläufe feststellen können. Schwere Verläufe seien laut Robert Koch Institut (RKI) bei etwa zehn Prozent der Geimpften möglich, „allerdings in Abhängigkeit vom Impfstoff und von den Vorerkrankungen. Bei besonderen Risikogruppen wie alten Menschen über 70 ist die Wahrscheinlichkeit der Impfdurchbrüche vermutlich höher“, sagt Krafft.

Auch die Heftigkeit der Erkrankungen könnte in dieser Personengruppe höher sein. „In der medizinischen Behandlung gibt es bei Erkrankten, unabhängig davon, ob sie geimpft oder nicht geimpft sind, keine Unterschiede.“ In seiner Praxis bietet Krafft täglich eine reine Infektionssprechstunde an, für die die Patienten sich telefonisch anmelden müssen. „Die Sprechstunde wird ab 11.30 Uhr durchgeführt. Daher besteht genügend Zeit, sich morgens davor anzumelden. Die Termine werden durchweg am selben Tag zur Verfügung gestellt.“

Gesonderte Zeitfenster für Verdachtsfälle

Auch Clemens Wagner bietet die besondere Sprechstunde für Verdachtsfälle um die Mittagszeit an, zusätzlich zu den üblichen Praxiszeiten. „Ich schätze, 70 Prozent der Hausarztpraxen machen das so“, sagt der niedergelassene Arzt. Auch sein Kollege Krafft geht davon aus, dass die meisten Ärzte gesonderte Zeitfenster für Covid-Verdachtsfälle anbieten. Wagner impft seit Monaten Menschen gegen Covid-19 unter anderem in Oberbachem. Seine Frau, Fachärztin für Gynäkologie, hat im Bonner Impfzentrum mitgearbeitet. „Die Menschen bekommen für die Sprechstunde ein Zeitfenster genannt und müssen dann gegebenenfalls draußen warten. Ich lege Schutzkleidung mit Einmal-Overall, Handschuhen und FFP3-Maske an, ehe es an die Untersuchung geht.“ Die beginnt in der Regel mit einer Anamnese, es werden Symptome besprochen, ehe es an die Untersuchung geht. „Ich höre die Lunge ab und messe Fieber. Wenn dann zum Beispiel auch Luftnot oder Husten dazukommt, erhält man schon einen Hinweis auf eine mögliche Corona-Erkrankung“, sagt der Arzt.

PCR-Test bei Corona-Anzeichen

Sind die entsprechenden Zeichen erkannt, wird ein PCR-Test veranlasst. Den führt Wagner in der Regel direkt durch. Nicht jeder potenzielle Infektionspatient entpuppt sich allerdings schon nach der ersten Untersuchung als solcher. „Wenn jemand mit eitrigen Mandeln zu mir kommt, deutet das eher auf eine bakterielle Infektion hin“, sagt Wagner. „Ansonsten dürfen wir nicht vergessen, es ist auch Grippe-Saison, da kommen Patienten mit einfachen Erkältungssymptomen“. In einem solchen Fall würde er keinen PCR-Test durchführen.

An diesem Tag stellt sich eine Patientin vor, die der Mediziner ziemlich schnell in die Kategorie Covid-19-Verdacht einordnen kann. „In ihrem direkten Familienumfeld gibt es einen Infektionsfall, sie hat typische Symptome“, sagt der Mediziner – und bittet gleich zum PCR-Test. Sie sei zwar geimpft gewesen, „aber es gibt eben diese Fälle“ – sprich, Impfdurchbrüche. Insgesamt seien die Menschen entspannter geworden auch bei einer Positiv-Diagnose. „Die meisten bleiben ruhig. Oft zeigen sich ja auch nur leichte Beschwerden. Anders sieht es bei vielen Ungeimpften aus.“

Bislang sei der Zugang zu PCR-Tests recht großzügig gehandhabt worden, findet Wagner. „Wo es aus medizinischer Sicht erforderlich ist, machen wir es ja immer noch. Dann gibt es ja auch eine Erstattung. In der Regel vertrauen die Leute aber auf den Rat des Arztes, egal in welche Richtung es dann geht.“ Mittlerweile ist auch in seiner Praxis die Zeit der Drittimpfungen angebrochen.

Er wünscht sich, dass Politik und Medizin „endlich im Gleichschritt marschieren. Corona-Impfverordnung und Stiko-Empfehlung sollten ständig abgestimmt sein“. Was niemals helfe, seien politische Vorstöße einzelner ohne medizinische Evidenz. „Die Verantwortlichen sowohl in Düsseldorf als auch in Berlin wissen oft nicht, wie viel Verunsicherung sie bei den Menschen auslösen, die sich direkt mit der Bedrohung einer Erkrankung auseinandersetzen.“

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