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Fehde zwischen Rockergangs: Bonner Bandido bleibt in U-Haft

Fehde zwischen Rockergangs : Bonner Bandido bleibt in U-Haft

Der 27-jährige Bonner, der zur Rockergang Bandidos gehören soll, sitzt weiter in Untersuchungshaft. Im Dezember hatte eine Ermittlungsgruppe der Aachener Polizei den Mann zusammen mit drei weiteren Verdächtigen aus Aachen, Würselen und Düren festgenommen. Die dortige Staatsanwaltschaft wirft ihm Landfriedensbruch vor

Sie alle sollen zur Führungsriege der Bandido-Regionalgruppe (Chapter) in Kelmis gehören, einer belgischen Kleinstadt in Grenznähe. Die Bonner Polizei prüft, ob der 27-Jährige etwas mit den Schüssen auf eine Bar in der Innenstadt zu tun haben könnte.

In Aachen, wo es seit Monaten Konflikte zwischen Bandidos und den konkurrierenden Hells Angels gibt, werden dem Bonner Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung und Landfriedensbruch vorgeworfen. Er sei dabei gewesen, als eine Gruppe Bandidos im November 2015 in einer Aachener Altstadtkneipe einen Gast angegriffen und verletzt habe, erklärt Jost Schützeberg, Sprecher der dortigen Staatsanwaltschaft. Kurz darauf habe die Gruppe einen Gehbehinderten im Streit zu Boden gestoßen und auf ihn eingetreten.

Im Dezember sollen die Bandidos ein Aachener Lokal und angrenzende Räume vergeblich nach einem Hells Angel durchsucht haben. Drei Tage später kamen sie den Ermittlern zufolge mit rund 30 Männern wieder. Dabei soll der Bonner einen Hells Angel und dessen Angehörige bedroht haben. Aus der Untersuchungshaft wird er wohl nicht so schnell herauskommen: „Es besteht Fluchtgefahr“, so Staatsanwalt Schützeberg. „Der Beschuldigte steht unter laufender Bewährung.“

Immer wieder straffällig

Der 27-Jährige ist ein schweres Kaliber: Seit dem 15. Lebensjahr immer wieder straffällig geworden, saß er unter anderem jahrelang wegen räuberischer Erpressung und Drogenhandels im Gefängnis. Zuletzt verurteilte ihn das Bonner Landgericht 2011 wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten: Wegen seiner vermeintlich verletzten Familienehre hatte er im Mai 2010 an der Berliner Freiheit den Ex-Freund seiner Schwester niedergestochen. Das Paar hatte sich kurz zuvor getrennt. Der Stich verfehlte die Lunge des Opfers nur um einen Millimeter. Der Bandido stammt aus einer Zuwandererfamilie, ist aber in Deutschland geboren und aufgewachsen, wie der Vorsitzende Richter damals betonte.

Jetzt hat ihn nicht nur die Aachener, sondern auch die Bonner Kripo im Visier. Das Kelmis-Chapter, dessen Gründung die „Bandidos Motorcycle Gang Germany“ im August 2015 verkündet hatte, war wie berichtet am 6. Dezember mit rund 40 Männern in einer Bonner Bar an der Rathausgasse aufgetaucht – ohne Straftaten zu begehen. In den frühen Morgenstunden desselben Tages schossen allerdings Unbekannte mit einer scharfen Waffe auf die Eingangstür einer Bar gegenüber. Verletzt wurde dabei niemand. Die Bonner Polizei untersucht nun mögliche Zusammenhänge.

Prozess gegen Mitglieder der Hells Angels

Gegen die Erzfeinde der Bandidos beginnt heute ein Prozess am Landgericht Koblenz. Neun Mitglieder des Bonn-Charters der Hells Angels, das sein Hauptquartier in Unterelsaff bei Neustadt/Wied hat, müssen sich wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung verantworten. Die Ankläger werfen den Rockern, die zum großen Teil in Bonn und Umgebung wohnen, unter anderem Körperverletzung, Nötigung, räuberische Erpressung und Geiselnahme vor.