EU-Wahlkampf in Bonn Bündnis ruft zu Demo gegen AfD-Politikerin Boßdorf auf

Bonn · Die Bonner AfD lädt nächsten Dienstag zum „Themenabend“ mit Irmhild Boßdorf ein, die womöglich ins EU-Parlament einzieht. Die Frau aus dem Rhein-Sieg-Kreis pflegt enge Kontakte zum äußersten rechten Rand. Die Diakonie Bonn ist beim Gegenprotest dabei.

Irmhild Boßdorf spricht im Sommer 2023 auf der AfD-Europawahlversammlung in Magdeburg.

Irmhild Boßdorf spricht im Sommer 2023 auf der AfD-Europawahlversammlung in Magdeburg.

Foto: picture alliance/dpa/Sebastian Willnow

Die erste größere Veranstaltung der Bonner AfD im Europawahlkampf am kommenden Dienstag wird von einem Protestaufruf begleitet. Die Partei lädt am 21. Mai um 18 Uhr zu einem „Themenabend“ auf dem Brüser Berg ein, bei dem unter anderen Irmhild Boßdorf sprechen soll – eine aussichtsreiche EU-Kandidatin der AfD Rhein-Sieg. Veranstaltungsort ist das Ortsteilzentrum an der Fahrenheitstraße.

Kommune kann Saalnutzung nicht verweigern

Das Bonner Bündnis gegen Rechts – ein Zusammenschluss aus Grünen, SPD, Linkspartei, linken Gruppen und Gewerkschaften – ruft unter dem Motto „Kein Platz für die AfD in Bonn!“ zu einer Gegendemonstration auf. Mit dabei ist einer Pressemitteilung zufolge auch das Diakonische Werk als Träger des Nachbarschaftszentrums: „AfD und Diakonie passen nicht zusammen. Das menschenfeindliche Weltbild der AfD ist nicht mit unserem christlichen Menschenbild vereinbar“, wird Diakonie-Chef Tobias Köhler zitiert. „Die Vielfalt in unserer Gesellschaft ist unser Potential und das Miteinander in Vielfalt ist die Grundlage für das Gelingen unserer Demokratie.“

Das Stadtteilzentrum gehört der Stadt Bonn. Die Kommune hatte bereits in der Vergangenheit erklärt, sie habe keine Rechtsgrundlage, um Nutzungsanfragen der AfD abzulehnen, sondern sei zur Neutralität verpflichtet.

Irmhild Boßdorf ist Vize-Sprecherin des AfD-Verbands Rhein-Sieg und hat enge Kontakte zur extremen Rechten. Sie steht direkt hinter dem Bonner Hans Neuhoff auf Platz neun der AfD-Liste für die Europawahl im Juni und dürfte damit Chancen auf den Einzug ins EU-Parlament haben. In ihrer Bewerbungsrede auf dem AfD-Nominierungsparteitag machte Boßdorf 2023 ihre völkische Weltsicht deutlich. „Unser Volk“ werde „von Berlin und Brüssel der Auflösung preisgegeben“, erklärte sie damals. Und weiter: „Aber was wir wirklich fürchten müssen, das ist nicht der menschengemachte Klimawandel. Nein, wir sollten uns viel eher fürchten vor dem menschengemachten Bevölkerungswandel. Der Bevölkerungswandel, der das alte Europa in eine Siedlungsregion für Millionen Afrikaner und Araber umwandeln soll.“

Boßdorf forderte auf dem Parteitag „Remigration, millionenfache Remigration“. Seit den „Correctiv“-Enthüllungen nach dem Potsdamer Geheimtreffen ist auch der breiten Öffentlichkeit klar, was die AfD – vom Verfassungsschutz bundesweit als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft – mit „Remigration“ offenkundig meint: Die Vertreibung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, und zwar selbst dann, wenn sie den deutschen Pass besitzen. An dem Treffen hatte auch der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner teilgenommen, geistiger Vater der „Identitären Bewegung“. Zu deren Aktivisten in NRW wiederum gehörte Boßdorfs Tochter Reinhild.

Gemeinsam mit ihrer Tochter nahm die EU-Kandidatin im Dezember 2021 an einer Querdenker-Demonstration in der Bonner Innenstadt teil, die von der rechtsextremen Splittergruppe „Revolte Rheinland“ organisiert worden war. Auch in ihrer Parteitagsrede erwähnte Boßdorf, dass sie in Bonn regelmäßig „gegen die Corona-Zwangsimpfung“ auf die Straße gegangen sei.

Zu Gast bei den Raczeks

Als die stramm rechte Burschenschaft der Raczeks im April 2024 den radikalen AfD-Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich zu einem Vortrag in ihr Verbindungshaus in der Südstadt einlud, nahm auch Irmhild Boßdorf an dem Abend teil. Helferich ist nicht mehr Mitglied der AfD-Bundestagsfraktion, nachdem er sich selbst laut Chatprotokollen als „das freundliche Gesicht des NS“ bezeichnet hatte. Mindestens ein Mitglied der Raczeks ist nach GA-Recherchen bei der „Revolte Rheinland“ aktiv.

Gute Verbindungen unterhält Irmhild Boßdorf außerdem zur Partei Vlaams Belang in Belgien, die als rechtsextrem und nationalistisch gilt. Der Vorsitzende Tom van Grieken sei ihr „Freund“ schreibt Boßdorf in einem Post auf ihrem Instagram-Profil.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Bass schadet dem Rasen
Die Bonner Woche im Rückblick Bass schadet dem Rasen
Aus dem Ressort