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Zu Geldstrafe verurteilt: Bonner fährt vier Wochen lang mit geklautem Wagen zum Freiwilligendienst

Zu Geldstrafe verurteilt : Bonner fährt vier Wochen lang mit geklautem Wagen zum Freiwilligendienst

Ein 26-jähriger Bonner war vier Wochen lang mit dem Polo einer Bornheimer Familie unterwegs. Die rechtmäßigen Besitzer bekamen derweil die Knöllchen. Die Amtsrichterin verhängt 2800 Euro Geldstrafe.

Die Anfahrt auf den Venusberg ist bekanntermaßen lang und steil: Da ist es schön, wenn man trotz des täglichen Staus mit dem Auto fahren kann. Das muss sich wohl auch ein 26-Jähriger gedacht haben, der am Uniklinikum ein Praktikum absolvierte. Nur, dass er, anstatt sich einen Kleinwagen zu kaufen, einem 25-Jährigen Bornheimer dessen Polo stahl. Wegen Diebstahls wurde der junge Mann nun von einer Bonner Amtsrichterin zu einer Geldstrafe von 2800 Euro verurteilt.

Am 8. September vor zwei Jahren hatten offenbar sowohl der Dieb als auch der Bestohlene Appetit auf eine Pizza. Jedenfalls stellte der 25-Jährige den Polo, den er von seinem Bruder geliehen hatte, vor einer Pizzeria in der Graurheindorfer Straße ab, in der auch der 26-Jährige gerade zu Gast war. Ob er den Schlüssel direkt im Zündschloss des Wagens stecken ließ oder einen zweiten Schlüssel sichtbar auf dem Beifahrersitz liegen gelassen hatte, konnte das Gericht nicht mehr klären. Jedenfalls war das Schloss an der Beifahrerseite ohnehin defekt, und der Dieb hatte leichtes Spiel. Dreist setzte er sich in den 20 Jahre alten Kleinwagen und fuhr auf und davon.

Die bestohlene Familie sah zwar in den folgenden Wochen ihren Wagen nicht mehr wieder, dafür wusste sie dennoch ziemlich genau, wo sich das Fahrzeug an diversen Tagen befunden hatte. Der Dieb nahm es nämlich offensichtlich nicht nur mit dem Eigentum anderer, sondern auch mit den Verkehrsregeln nicht allzu genau. Gleich mehrfach wurde er geblitzt. Außerdem muss er sich gedacht haben, dass er sich mit einem gestohlenen Fahrzeug auch gleich ins Halteverbot stellen kann. Alle Knöllchen flatterten aber selbstverständlich der Besitzerfamilie ins Haus, woraufhin sich der Vater der beiden Brüder als Hobbydetektiv versuchte.

Weil er auf der Fahrt zur Arbeit ebenfalls regelmäßig zum Venusberg fuhr und die den zahlreichen Bußgeldbescheiden und Verwarnungsgeldern zugrunde liegenden Taten allesamt im Umfeld des Klinikums stattgefunden hatten, hielt der Mann regelmäßig Ausschau nach dem Auto seiner Söhne. Und tatsächlich: Am 10. Oktober wurde er fündig. Der Uralt-Polo war inzwischen verkratzt und verdreckt, im Inneren fanden die Besitzer aber eine Tankquittung. Offenbar hatte der Dieb immerhin den Sprit selber bezahlt, noch dazu mit Karte. Die Kontonummer führte die Ermittler dann schnell zu dem Täter.

Der Angeklagte gab vor Gericht die Tat vollumfänglich zu. Der junge Mann hat mittlerweile den Freiwilligendienst erfolgreich beendet und eine feste Anstellung gefunden. Im Termin zur Hauptverhandlung brachte er noch zwei Jacken und eine Uhr mit, die sich in dem Wagen befunden hatten. Die Geschädigten nahmen sichtlich erfreut die Entschuldigung des Autodiebes an.