Rassistisches Attentat 2020 Bonner gedenken der Opfer von Hanau

Bonn · Vier Jahre liegt das Attentat von Hanau zurück. Beim Gedenken an die Opfer der rassistischen Tat sprachen auf dem Bonner Marktplatz Menschen, die sich in der Bundesstadt gegen Rassismus engagieren.

Mit einer Gedenkveranstaltung erinnerte die Stadt Bonn an die rassistisch motivierten Morde von Hanau vor vier Jahren.

Mit einer Gedenkveranstaltung erinnerte die Stadt Bonn an die rassistisch motivierten Morde von Hanau vor vier Jahren.

Foto: Benjamin Westhoff

Said, Hamza, Ferhat, Sedat, Fatih, Gökhan, Vili-Viorel, Mercedes und Kaloyan – die Namen der Opfer der rassistisch motivierten Morde von Hanau sind nicht in Vergessenheit geraten. Immer wieder wurden sie bei der Gedenkveranstaltung auf dem Bonner Marktplatz von den Rednern wiederholt. Vier Jahre nach dem Attentat, bei dem ein 43-Jähriger neun Menschen aus rassistischen Motiven erschossen und danach seine Mutter und sich selbst getötet hatte, hatte der Integrationsrat der Stadt Bonn dazu aufgerufen, ein Zeichen für das gleichberechtigte Zusammenleben von Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte und eine Gesellschaft ohne Rassismus zu setzen.

Die Entwicklungen der jüngsten Zeit hätten gezeigt, dass Rechtsextremismus die größte Gefahr für unsere Demokratie ist, sagte die Vorsitzende des Integrationsrates, Binnaz Öztoprak, in ihren einleitenden Worten zu den knapp 100 Bonnern, die sich am Platz versammelt hatten. „Auch Hanau war ein Anschlag auf unsere Freiheit und unsere Demokratie. Wir treten dem entschieden entgegen.“ Ein Zeichen dafür seien die Demonstrationen, die es in ganz Deutschland – so auch in Bonn – gegeben habe, sagte Öztoprak, die jedoch ebenso wie die Bonner Oberbürgermeisterin Katja Dörner mahnte, dass die Gefahr damit nicht aus der Welt geschafft sei.

Es sei wichtig, die Sorgen von Menschen mit Mirgrationshintergrund ernst zu nehmen und alltäglichem Rassismus entschieden entgegenzutreten, forderte Dörner die Zuhörenden auf und stellte klar: „Wir dulden keinen Rassismus in Bonn.“

Hanau kein Einzelfall

Klar und scharf in der Benennung der Probleme äußerte sich die Anti-Rassismus-Aktivistin Zola Wiegand-M`Pembele, die klar machte, dass Hanau kein Einzelfall sei. „Ich könnte viel zu viele Städte und Namen aufzählen“, so die Aktivistin. Nur zu demonstrieren würde da nicht reichen. „Bunt sind wir nur, wenn wir das Thema jeden Tag auf die Tagesordnung setzen“, spielte sie auf das Motto der Demo gegen Rechtsextremismus, „Bonn bleibt bunt“ an.

Eine schwierige und andauernde Aufgabe, wie Hidir Celik, Leiter der Evangelischen Migrations- und Flüchtlingsarbeit in Bonn, klarstellte. „Es wird nicht der letzte rassistische Anschlag aufgrund einer anderen Hautfarbe, eines anderen Aussehens oder eines anderen Glaubens gewesen sein“, so Celik. Aufklärung und Bildung seien der Schlüssel für ein besseres Gemeinschaftsleben.

Der Täter von Hanau habe die Schönheit der Vielfalt mit falscher Fremdheit verwechselt, beschrieb Sozialarbeiterin Malika Imzouaren ihre Sicht auf das Attentat. „Erinnern heißt verändern“, lautete ihre Aufforderung an die Zuhörenden. Veränderung wünschen sich auch Lehrerin Melanie Schriner und Schülersprecher Amin Kannich vom Nicolaus-Cusanus-Gymnasium. „Unser Schulimage ernährt sich quasi von Vorurteilen“, schilderte Kannich die aufgrund des hohen Anteils von Schülern mit Migrationshintergrund teils als „Ausländergymnasium“ betitelte Schule.

Er selbst, habe den Wechsel auf die Schule vor wenigen Jahren nie bereut und sei mit offenen Armen empfangen worden. „Demokratie ist unsere Aufgabe. Wir müssen verstehen, dass das Thema bei uns selbst anfängt. Wir prägen, was die nächste Generation als normal wahrnimmt“, betonte Lehrerin Schriner.

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