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Institut für Handelsforschung: Bonner Innenstadt schneidet in Studie gut ab

Institut für Handelsforschung : Bonner Innenstadt schneidet in Studie gut ab

Stadtbesucher halten Bonns Innenstadt nach einer neuen Umfrage für überdurchschnittlich attraktiv. Defizite gibt es jedoch bei der Erreichbarkeit und der Aufenthaltsqualität.

Trotz der Corona-Pandemie bleibt die Bonner Innenstadt vor allem für Einkäuferinnen überdurchschnittlich attraktiv. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage unter 1000 Passanten, die das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) vor dem zweiten Lockdown Ende September durchgeführt hat. Parallel hatte es Befragungen in weiteren Städten vergleichbarer Größe zwischen 200.000 und 500.000 Einwohnern gegeben – in Bielefeld, Bochum, Braunschweig, Karlsruhe, Kassel, Krefeld, Lübeck, Magdeburg, Mannheim, Mönchengladbach und Rostock.

Mit einer Gesamtnote von 2,2 liege Bonn deutlich über deren Durchschnitt von 2,6, freuten sich am Donnerstag Vertreter der städtischen Wirtschaftsförderung und des Einzelhandelsverbandes als gemeinsame Auftraggeber. Wirtschaftsfördererin Victoria Appelbe sprach in einer gemeinsamen Online-Pressekonferenz von einem „ungeheuer positiven Ergebnis“. Im Vergleich zur letzten derartigen Studie habe sich die Gesamtnote von damals 2,5 sogar leicht verbessert. Zwischenzeitliche Geschäftsschließungen etwa von J.F. Carthaus, Karstadt, Puppenkönig oder Zara haben auf die Zufriedenheit der Besucher offenbar weniger Einfluss als oft gedacht. An der Spitze der Vergleichsstädte liegen laut IFH Rostock bei der Gesamtnote und bei Flair und Aufenthaltsqualität. Mannheim weist den besten Einzelhandelsmix aus.

Keine guten Ergebnisse für die Erreichbarkeit

In einem Ampel-System gaben die Befragen Bonn überwiegend grünes Licht. Die Erreichbarkeit mit Auto und Fahrrad erhielt allerdings nur ein befriedigendes Gelb. Nur im Mittelfeld bewertet wurden ebenfalls der Zustand von Plätzen, Wegen, Grünflächen, Sitzgelegenheiten und Verweilmöglichkeiten sowie der Erlebniswert der Innenstadt. Mehr als 60 Prozent der Befragten sprachen sich in den beiden letzten Punkten für dringende Verbesserungen aus. Auch der Branchenmix der Innenstadthändler gefällt nicht uneingeschränkt. Defizite werden im Bereich von Büro- und Schreibwaren, bei Möbeln und Unterhaltungselektronik sowie bei Lebensmitteln gesehen.

Während an Samstagen der Umfrage zufolge vor allem Bonner in die zentrale Fußgängerzone kommen (61,2 Prozent), ist sie an Wochentagen bevorzugtes Ziel von Menschen aus dem Rhein-Sieg-Kreis und den Kreisen Euskirchen und Ahrweiler. Mit 54,2 Prozent liegt ihr Anteil deutlich höher als im Schnitt der Vergleichsstädte (39,9 Prozent). Auch wenn Bonn nicht zu den großen Metropolen im Land zählt, hat es für die Region ungebrochen eine hohe Attraktivität. Besonders gilt das übrigens fürs weibliche Geschlecht: 59,3 Prozent der Befragten waren Frauen – ebenfalls etwas mehr als in vergleichbar großen Städten.

Jannis Vassiliou, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Bonn, Rhein-Sieg, Euskirchen, erhob nach den Ergebnissen politische Forderungen: „Wir dürfen die Erreichbarkeit der Innenstadt nicht verspielen“, sagte er. Die Mehrheit (40,3 Prozent) komme schließlich mit dem Auto, nur 31 Prozent mit Bus und Bahn, 15 Prozent zu Fuß und 13 Prozent mit dem Fahrrad. In einer schriftlichen Vorabstellungnahme warf er der Stadt bewusste Verkehrsbehinderungen vor. Durch „die ständigen Testphasen der Verwaltung innerhalb des Cityrings, die Sperrung von Straßen oder die Änderung der Fahrtrichtung“ werde der Zugang für Besucher der Innenstadt und besonders von auswärtigen Besuchern bewusst erschwert“, damit sie nicht mit dem Auto nach Bonn kämen. Stattdessen plädierte Vassiliou dafür, den täglichen Strom der Pendler entweder durch Park&Ride-Angebote erheblich zu drosseln oder durch Homeoffice.