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Deutsch im Ausland: Bonner Institution ist Türöffner zu deutscher Bildung

Deutsch im Ausland : Bonner Institution ist Türöffner zu deutscher Bildung

Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen koordiniert Deutsch-Prüfungen für 75 000 Teilnehmer weltweit. Sechs Bonner Schulen sind daran beteiligt.

Bevor sie in Deutschland ein Studium oder eine Ausbildung beginnen, müssen Ausländer die nötigen Deutschkenntnisse nachweisen. Ein entsprechendes Zertifikat kann bei verschiedenen Anbietern erworben werden. Das kostet aber im Regelfall viel zusätzliche Zeit und ist nicht umsonst. Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in Bonn hat deshalb im Auftrag der Kultusministerkonferenz das Deutsche Sprachdiplom aufgelegt.

„Einzigartig an dieser Prüfung ist, dass sie immer in Verbindung mit schulischer Vorbereitung angeboten wird“, sagt Heinrich Heinrichsen von der zuständigen Fachabteilung 3. Ursprünglich war das Diplom für einheimische Schüler der 140 deutschen Auslandsschulen gedacht, die ohne ein Abiturzeugnis abgehen. Es ergänzt dann im Niveau D1 – das entspricht dem Sprachniveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens – etwa den erweiterten Realschulabschluss und macht eine Ausbildung in Deutschland möglich.

Noch heute machen die 22 200 D1-Prüfungen an Auslandsschulen einen Großteil der insgesamt 75 000 Prüfungen im Jahr aus. Dazu kommen 14 900 D2-Prüfungen im Niveau B2 beziehungsweise C1, die die Hochschulreife attestieren. 33 900 Prüfungen organisiert das französische Erziehungsministerium und legt damit eine sprachliche Grundlage für die deutsch-französische Verständigung. 2400 Schüler erwerben das Diplom im Rahmen von Länderprojekten an DSD-Partnerschulen vor allem in Ost- und Südosteuropa.

In Bonn werden dabei nicht nur die Prüfungsaufgaben geschrieben und zum weltweiten Prüfungstermin verschickt. Die Zentralstelle entsendet auch 440 Lehrkräfte an Schulen mit DSD-Angebot im Ausland und betreut sie. Dazu kommen Fachberater in 65 Ländern.

Mit zwei Initiativen haben die Bonner in den letzten Jahren auf die Flüchtlingswelle und den Fachkräftemangel reagiert. Seit einigen Jahren können junge Migranten das Diplom DSD 1 auch im Rahmen von Willkommensklassen im Inland erwerben. Die Marie-Kahle-Gesamtschule und die Elisabeth-Selbert-Gesamtschule beteiligen sich bereits. Wer es schafft, der kann anschließend in den Regelunterricht oder in eine Ausbildung wechseln.

Auf die speziellen Sprachbedürfnisse von Berufsschülern ist das Zertifikat DSD 1 Pro zugeschnitten, das seit 2017 angeboten wird. Es kann in Bonn am Heinrich-Hertz-Europakolleg, dem Friedrich-List-Berufskolleg und dem Robert-Wetzlar-Berufskolleg erworben werden.

Insgesamt 6500 Personen machten 2017 von dem Prüfungsangebot im Inland Gebrauch. „Es hat den großen Vorteil, dass die Schüler nicht zur Prüfung in ein fremdes Institut müssen. Die Hemmschwelle ist deutlich niedriger“, sagt Wassilios Klein, ebenfalls von der ZfA. Er hat selbst jahrelang im Ausland Fachberater betreut. Heute ist er unter anderem für die Redaktion der Aufgaben mitverantwortlich. Damit der Bezug zum Alltag der Schüler nicht verloren geht, helfen ihm inzwischen auch mehrere Lehrer von den beteiligten Schulen als Autoren mit.