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„Mich beunruhigt das Irrationale“ : Bonner kämpft in der Mongolei gegen das Coronavirus

„Mich beunruhigt das Irrationale“ : Bonner kämpft in der Mongolei gegen das Coronavirus

Der Bonner Arzt Daniel Peter ist zur Corona-Prävention mit einem Notfallteam für zehn Tage in die Mongolei gereist. Im Interview spricht er darüber, was ihn an der aktuellen Situation beunruhigt.

Seit dem vergangenen Sonntag ist der Bonner Arzt Daniel Peter mit dem ehrenamtlichen Schnelleinsatzteam des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in der Mongolei, um das an China grenzende Land bei der Coronavirus-Prävention zu unterstützen. Das „First Assistance Samaritan Team“ (FAST) des ASB ist weltweit das einzige WHO-klassifizierte Medizinische Notfallteam mit Spezialisierung im Bereich der Infektionsprävention. Im Interview spricht Peter über seinen Einsatz in der mongolischen Hauptstadt (und Bonner Partnerstadt) Ulan Bator.

Herr Peter, was werden Sie vor Ort erreichen können?

Daniel Peter: Schwerpunkt unseres Einsatzes wird sein, gemeinsam mit den mongolischen Gesundheitsbehörden Krankenhäuser und Gesundheitszentren auf Patienten vorzubereiten, die an dem Coronavirus erkrankt sind. Wir werden unsere Expertise sowohl in die strategischen Planungen mit dem mongolischen Gesundheitsministerium und der WHO einbringen als auch Mitarbeiter in Krankenhäusern durch Trainings auf den sicheren Umgang mit Verdachtspatienten vorbereiten.

Welchen Vorbereitungsstand haben Sie vor Ort vorgefunden?

Peter: Wir arbeiten hier mit dem mongolischen Gesundheitsministerium und den nationalen Vertretern der WHO zusammen und konnten in den letzten Tagen verschiedene Krankenhäuser und Primärversorger anschauen und begutachten, wie man sich hier auf mögliche, mit dem Coronavirus infizierte Patienten vorbereitet. Man hat sich in vielen Institutionen Gedanken gemacht und entsprechend Vorbereitungen getroffen. Aber dennoch steckt der Teufel auch hier im Detail.

Wie lassen sich diese Details beschreiben?

Peter: Man geht hier davon aus, dass Corona-Patienten stationär behandelt werden müssten. Die Zahlen zeigen uns aber, dass es in über 80 Prozent der Fälle mild verlaufende Infektionskrankheiten sind. Man bereitet sich hier jedoch darauf vor, Corona-Patienten in Einzelzimmern zu isolieren. Wenn ich jedoch die Häuser mit Patienten belege, die keiner stationären Versorgung bedürfen, dann fehlt mir die Kapazität für die, die wirklich krank sind. Das ist eine Misseinschätzung, die wir hoffentlich ein wenig zurechtrücken konnten.

Inzwischen sind die Grenzen zu China geschlossen. Wie ist die momentane Gefahrenlage in der Mongolei?

Peter: Es gibt rund 100 Verdachtsfälle. Der Situationsreport der WHO sieht jedoch noch keine bestätigten Fälle in der Mongolei. So ist die Gefahrenlage für mich schwer einzuschätzen. Doch im Gegensatz zu anderen asiatischen Ländern ist die Mongolei keine klassische Drehscheibe mir riesigem Flughafen wie beispielsweise Seoul. So könnte sich der Virus hier einigermaßen gut kontrollieren lassen.

Was ist jetzt zu tun?

Peter: Unser erster Fokus ist: Wo gibt es Verbesserungen im Gesundheitssystem? Und der andere ist einer, der uns auch in Deutschland beschäftigt: Welche Schutzausrüstung brauche ich tatsächlich? Es geht darum, mit den vorhandenen Ressourcen vernünftig umzugehen, was bedeutet, sie nur dann zu nutzen, wenn sie unter wissenschaftlichen Aspekten indiziert sind und nicht aus emotionaler Sicht. Gerade heute haben wir ein achtstündiges Training mit über 20 wichtigen Vertretern von Gesundheitseinrichtungen durchgeführt, was diese in die Lage versetzen soll, die Erkenntnisse in ihren Institutionen zu implementieren.

Sind ausreichende Personal- und Versorgungskapazitäten in der Mongolei vorhanden?

Peter: Schwer einzuschätzen. Man kann auch Kapazitäten freimachen. Ob sie am Ende wirklich reichen, ist abhängig von der Dynamik eines potenziellen Ausbruchs. Wenn ich innerhalb kürzester Zeit viele Patienten habe, kann das ein System schon mal ordentlich unter Stress setzen. Das ist auch in der Mongolei nicht anders als bei uns.

Wie gestaltet sich das Miteinander mit den mongolischen Kollegen?

Peter: Die Zusammenarbeit ist hervorragend. Wir erfahren sehr viel Unterstützung. Wir werden sehr ernst genommen. Was wir äußern, wird wohlwollend und dankbar aufgenommen und auf hohem fachlichen Niveau diskutiert. Ein sehr produktives Miteinander.

Sind Sie besorgt um die Entwicklung in Deutschland?

Peter: Die Zahlen aus Deutschland, die ich natürlich hier auch verfolge, beunruhigen mich nicht wirklich. Was mich eher beunruhigt, ist das Irrationale, was ich gehört habe. Dass Desinfektionsmittel und Ähnliches aus Krankenhäusern gestohlen werden. An vielen Stellen habe ich das Gefühl, dass einfach überreagiert wird. Aus fachlicher Sicht handelt es sich bei dem Coronavirus um eine Erkältungskrankheit. Und weder ich noch meine Familie gehören zu einer Risikogruppe. Aber natürlich nehme ich auch die Stimmung in der Bevölkerung wahr. Das beschäftigt mich, aber ich habe keine begründete Angst.

Welche Präventionsmaßnahmen haben Sie Ihrer Familie in Bonn empfohlen?

Peter: Letztlich das, was alle seriösen Quellen empfehlen: auf die Händehygiene zu achten. Explizit meine ich nicht Desinfektion, sondern Händewaschen. Seine Hände unter Kontrolle zu haben: nicht mit ungewaschenen Händen ins Gesicht zu fassen. Ich versuche, nicht angehustet zu werden. Und wenn ich selber Husten habe, versuche ich, andere nicht anzuhusten. Damit bin ich schon einige Jahre gut durch den Winter gekommen, ohne schwer zu erkranken.