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Gebet an Aschermittwoch: Bonner Kirchen kritisieren Flüchtlingspolitik

Gebet an Aschermittwoch : Bonner Kirchen kritisieren Flüchtlingspolitik

Beim gemeinsamen Gebet betonen Stadtdechant Wolgang Picken und Superintendent Dietmar Pistorius, dass man die aktuelle Krise auch sinnvoll nutzen kann. Darüber hinaus machen sie auf Missstände in der Gesellschaft aufmerksam.

Wie lässt sich die am Aschermittwoch begonnene Fastenzeit in der Corona-Krise gestalten? Bei einem im Internet gestreamten gemeinsamen Gebet zum Auftakt der Fastenzeit versuchen Stadtdechant Wolfgang Picken und Superintendent Dietmar Pistorius, darauf Antworten zu geben. Dabei nehmen sie Bezug auf die beiden großen Fastenaktionen der evangelischen und der katholischen Kirche in Deutschland – und fordern nicht weniger als tiefgreifende Veränderungen in unserer Gesellschaft.

Auf der katholischen Seite lautet das diesjährigen Motto der Fastenzeit „Es geht! Anders.“ Dem gegenüber steht die evangelische Losung „Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden.“ „Mit der Andacht wollen wir beide Aktionen zusammenbringen und den vielen Fragezeichen und Unsicherheiten der aktuellen Zeit Ausrufezeichen entgegensetzen“, erklärt Superintendent Pistorius. Man merke in der Krise, dass trotzdem vieles möglich sei und es Spielräume gebe.

„Wir sind im Moment meist darauf fixiert, welche Dinge nicht gehen“, so Pistorius weiter. Die Fastenzeit könne gut für einen Blickwechsel genutzt werden. Es gehe darum, fantasievoll mit der Krise umzugehen und sich zum Beispiel zu fragen, wie man trotz allem gut mit anderen in Kontakt bleiben kann.

Kritik an sozialen Ungerechtigkeit und Flüchtlingspolitik

Passend dazu lautet ein wiederkehrendes Motiv in der Andacht: „Anders, Gott, müssen wir leben“. Dann stellen Picken und Pistorius Themen in den Vordergrund, bei denen man auch durch die Corona-Krise gesehen habe, dass sie anders werden müssten, wie Pistorius im Anschluss an die Andacht erklärt. Dazu zählen die Klimakrise, das Thema Flucht und Migration, aber auch die Wirtschaftsordnung. „Wir sehen, wie viele prekäre Arbeitsverhältnisse es gibt und dass gerade die Schwächsten in unserer Gesellschaft sind, die durch die Krise am meisten leiden“, sagt der Superintendent. Im Hinblick auf das Thema Flucht ergänzt er: „Hier fordern wir als Kirchen vehement, dass der Innenminister den Weg freimacht für Kommunen wie Bonn, die mehr Geflüchtete aufnehmen wollen.“

Auch in der Andacht lassen Picken und Pistorius diese Forderungen nach Veränderungen durchklingen. Es gebe in der Gesellschaft, in der Politik und in den Kirchen Blockaden, die Veränderungen behinderten. Durch das Nutzen von Spielräumen müsse man diese Blockaden überwinden. „Wir haben immer die Möglichkeit zu gestalten – auch in Krisenzeiten“, so Stadtdechant Picken.

Damit haben Pistorius und Picken die Fastenzeit eingeläutet. Sowohl auf evangelischer als auch auf katholischer Seite wird sie nun mit digitalen und analogen Angeboten weiter gestaltet, ehe die Fastenzeit am Karfreitag 2021 erneut mit einem ökumenischen Gebet beendet wird. Angesichts einer stärkeren Säkularisierung der Gesellschaft sei der gemeinsame Auftritt der Kirchen wichtig, findet Pistorius. „Es gilt, die Gesellschaft wieder mehr mit den Dingen vertraut zu machen, von denen sie geprägt wird. Wir sind als Kirchen in unserer Verschiedenheit mit dem gemeinsamen Auftrag unterwegs, die Menschen mit dem Evangelium und Gottes Liebe bekannt zu machen.“