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26. Offene Ateliertage: Bonner Künstler geben am Wochenende Einblicke in ihre Arbeitsräume

26. Offene Ateliertage : Bonner Künstler geben am Wochenende Einblicke in ihre Arbeitsräume

Maler und Fotografen haben am Wochenende in der Altstadt ihre Ateliers für Besucher geöffnet. Für viele ist es in Zeiten von Corona eine gute Chance, sich zu präsentieren.

Zeichnungen, Installationen und Fotografien: In der Bonner Altstadt arbeiten viele unterschiedliche Künstler. Für die 26. Offenen Ateliertage öffneten die Maler, Fotografen und Illustratoren ein Wochenende lang wieder ihre Arbeitsräume für Besucher. Nicht nur das sonnige Wetter lockte daher viele Kunstinteressierte in die Altstadt.

In der Kunstbrennerei ist die Kreativität breit gefächert, teilen sich doch in der ehemaligen Schnapsbrennerei 14 Künstler die zwei Etagen. Tobias Stutz (37) hat seinen Arbeitsplatz im Untergeschoss. Hier stellte der Künstler am Wochenende seine Ölmalereien aus. Eines der Werke zeigte einen zweidimensionalen Raum. Durch das Fenster konnte der Betrachter auf das ruhige Meer blicken. Ein Lichtschein, der durch das Fenster fiel, warf den Raum in Schatten. Bei der Serie „House at the Sea” arbeitet Stutz mit einer traditionellen Technik, die Dreidimensionalität vortäuschen soll. „Die Trompe-l’œil, also Augentäuschung, stammt aus der Renaissance und wurde damalig viel in Kirchendecken verwendet, um ihnen einen tieferen Raum zu geben“, sagte Stutz. Mit seinen Arbeiten übertrage der Künstler nun die Täuschungstechnik in das Urbane. „Dafür habe ich auch extra Holzbretter angesägt, damit das Bildformat schon den 3D-Effekt darstellt.“ Und die Täuschung klappte, denn die Betrachter bekamen merklich das Gefühl, vor einem leeren Raum zu stehen und auf das Meer zu blicken.

„Mich fasziniert das grafische und malerische Element. Diese beiden Qualitäten, die ja sehr komplementär sind, hat man am stärksten in der Architektur“, sagte Stutz, der gebürtig aus Nürnberg kommt. So sei gerade der Kontrast zwischen Organischen wie Landschaft und Wasser und den scharfen Linien und Kanten der Architektur sehr interessant. Seit 2013 arbeitet der Künstler hauptberuflich. Seine Werke stehen in Berlin, Wien und München. „Als es mit den Kooperationen mit Galerien losging und ich auf internationalen Messen Erfolge verbuchen konnte, habe ich gemerkt, dass ich das Wagnis eingehen kann“, sagte Stutz.  Das Elternhaus habe ihn bei seiner Entscheidung unterstützt und von der Kunst selbst könne man leben, wie der Bonner ausführt. „Es ist wie in jeder Selbständigkeit, es gibt Hoch- und Tiefpunkte, aber wenn man es wirklich will und lernt, auch mit Rückschlägen umzugehen, kann das klappen.“ Als bildender Künstler werde man zwar nicht reich, spare sich im Gegenzug aber auch teure Hobbies. „Ich fühle mich am wohlsten in meinem Atelier. Das ist meine Leidenschaft“, so der Maler.

Unterstützung bekommt der Familienvater auch von seinen zwei Söhnen, die er häufig mit in das Atelier nimmt. „Die Kunstbrennerei habe Stutz zusammen mit drei anderen Künstlern gemietet. „Wir teilen uns hier die Räume zum Arbeiten.“ Vom großen Besucherandrang am Wochenende zeigte sich der Künstler angetan. „Es ist toll, wir machen seit fünf Jahren bei dem offenen Ateliertagen mit und die Kunstbrennerei hat sich zu einer festen Institution in Bonn entwickelt“, sagte Stutz. Und mit dem Namen knüpfe man übrigens an eine alte Tradition an, denn anstelle von Schnaps brennen die Künstler heute eben Kunst, so Stutz.

Ateliertage als Chance für die Künstler

Über großen Zulauf freute sich auch Mitorganisatorin Martha Gimenez-Thömmes, die ihre „Galeria Galeano“ in der Wolfstraße 47 hat. Seit dreißig Jahren gibt sie hier Künstlern in der Altstadt eine Plattform. Die offenen Atelierstage seien für die Bonnerin daher immer etwas „ganz Besonderes“, denn dann komme das Publikum gezielt in die Ateliers und alle Künstler zeigten gemeinsam ihre Arbeiten. „Die Künstler der Altstadt sind sehr mannigfaltig. Angefangen von Skulpturen über Ölmalerei bis hin zu Grafiken gibt es hier die unterschiedlichsten Kunstformen“, sagt die Inhaberin.

Die Öffnung der Ateliers sei auch aus existenzieller Sicht sehr wichtig, betonte sie. „Wegen der Corona Pandemie sind in den letzten Monaten fast alle Veranstaltungen ausgefallen. Dass wir jetzt öffnen können und die Besucher auch Kunstwerke kaufen, hilft den Künstlern sehr.“ Problematisch seien auch die steigenden Mieten. „Viele Künstler können sich ein Atelier in der Altstadt alleine nicht mehr leisten“, mahnte Gimenez-Thömmes. So teilten sich die Kunstschaffenden meist die Räume mit anderen oder nutzten ihre eigene Wohnung für die Arbeit. Ein gutes Netzwerk sei in der Branche daher entscheidend. „Wenn jemand Kontakt zu einem Künstler aufnehmen möchte, kann er sich gerne bei uns im Café de Arte melden“, sagt Gimenez-Thömmes.