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Prognose für 2019: Bonner Mikroklima begünstigt Schadstoffbelastung

Prognose für 2019 : Bonner Mikroklima begünstigt Schadstoffbelastung

Ein Bonner Klimatologe sagt für 2019 eine hohe Stickoxidbelastung in der Bundesstadt voraus. Auch die Kessellage der Stadt begünstigt demnach bestimmte Wetterlagen.

Der Bonner Klimatologe Karsten Brandt ist „nicht überrascht“ von einem Anstieg der Stickoxidwerte an den Bonner Messstationen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv).

Die vorliegenden Ergebnisse sind zwar bislang nur vorläufig, aber die für die Luftreinhaltepläne verantwortliche Bezirksregierung hat die Stadt über einen Anstieg informiert, der ein mögliches Fahrverbot an der Reuterstraße wahrscheinlicher macht.

Laut Brandt gab es in Bonn nach Messungen des von ihm geführten Wetterdienstes donnerwetter.de im vergangenen Jahr an 200 Tagen sogenannte Umkehrwetterlagen. Die Temperaturen in Höhenlagen auf Oel- oder Aegidienberg liegen dann höher als im Stadtgebiet (Inversion). In solchen Fällen lege sich diese wärmere Luftschicht über die kältere am Boden und wirke wie ein Deckel.

WHO-Grenzwerte deutlich überschritten

Die Luft am Boden könne nicht mehr gut zirkulieren. Das führe laut Brandt dazu, dass sowohl Feinstäube als auch Stickoxide länger in der Luft blieben und eingeatmet würden. In den Vorjahren habe die Zahl der Umkehrwettertage bei 150 bis 180 gelegen. Brandt sieht in der höheren Zahl einen Trend und die Umkehrwetterlage als „ständigen Gast“, die sich in den kommenden Jahren in Bonn fortsetzen könnte, auch wegen der Kessellage der Stadt.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sollte die Luft pro Kubikmeter nicht mehr als zehn Mikrogramm Feinstäube enthalten. Dieser Wert liege in diesem Jahr für die Stadt Bonn trotz vieler Winde laut Brandt bei 15,5 Mikrogramm. Nicht nur der Verkehr mit motorisierten Fahrzeugen verschlechtere die Luft, sondern auch private, mit Holz befeuerte Öfen.

Um die WHO-Werte einzuhalten, müsste an allen Wochentagen der Autoverkehr auf Wochenendniveau verringert werden: „Von alleine löst sich das Schadstoffproblem in Bonn nicht. Politik und Verwaltung müssen sich trauen, Schwerpunkte zu setzen. Und die werden dem einen oder anderen gar nicht gefallen“, sagte Brandt.

Die Stadtverwaltung bewertet die Messungen Brandts nicht. „Dass das Jahr 2018 in Bezug auf die Witterung bemerkenswert war, ist der Stadtverwaltung natürlich bekannt“, teilte Markus Schmitz aus dem Presseamt auf Anfrage mit.

Die Stadtverwaltung vermute aber ebenfalls, dass die im vergangenen Jahr im Bonner Raum häufigen Umkehrwetterlagen für einen Anstieg der Stickstoffdioxidkonzentration im Jahr 2018 an Messstationen in Bonn eine wichtige Rolle gespielt haben könnten.

Diese Vermutung habe man auch der Bezirksregierung mitgeteilt. Prognosen für das aktuelle Jahr 2019 wären laut Schmitz aus Sicht der Verwaltung mit großen Unsicherheiten behaftet.