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23-Jährige und 22-Jähriger schwer verletzt: Bonner Mordkommission ermittelt in zwei Fällen

23-Jährige und 22-Jähriger schwer verletzt : Bonner Mordkommission ermittelt in zwei Fällen

Die Mordkommission ermittelt in Bonn gleich in zwei Fällen wegen schwerer Körperverletzung. Ein 22-Jähriger wurde Opfer einer Messerattacke, eine 23-Jährige mit schweren Kopfverletzungen aufgefunden. Wie es in den beiden Fällen nun weitergeht.

Gleich zwei Fälle schwerer Körperverletzung haben sich an diesem Montag in Bonn ereignet. Am Nachmittag stach ein 55-Jähriger auf einen jungen Mann in einem Bus der Linie 601 ein. Am späten Abend kam es dann zu einem zweiten Vorfall im Stadtteil Tannenbusch. Dort wurde eine 23-jährige Frau schwer verletzt in einer Wohnung gefunden. Das berichtete die Polizei am Dienstag. Zwischen beiden Taten gebe es keinen Zusammenhang, wie Polizeisprecher Frank Piontek sagte.

Der Vorfall in Tannenbusch geschah in den späten Abendstunden. Demnach soll zunächst ein Notruf bei der Feuerwehr eingegangen sein. Die Rettungskräfte fanden gegen 22.15 Uhr die 23-Jährige in der Wohnung bewusstlos vor. Sie wies laut der Pressemitteilung der Polizei massive Kopfverletzungen auf. Ein Krankenwagen brachte die Frau in ein Krankenhaus. Dort wurde sie intensivmedizinisch betreut. Als dringend tatverdächtig gilt ein 44-jähriger Mann, der der Frau laut Polizei die Verletzungen zugefügt haben soll. In welchem Verhältnis der Mann zu der Frau steht, blieb zunächst unklar. Er habe sich ebenfalls in der Wohnung aufgehalten und den Notruf abgesetzt. Die Beamten nahmen den Verdächtigen fest und brachten ihn ins Polizeipräsidium. Aufgrund der Gesamtumstände hat die Mordkommission unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Andreas Schülke in enger Abstimmung mit Staatsanwalt Sebastian Weikinger die Ermittlungen zu dem Fall übernommen.

Weikinger ist auch ermittelnder Staatsanwalt in dem Fall, bei dem am Montagnachmittag ein 55-Jähriger einen 22-Jährigen in der Buslinie 601 niedergestochen und lebensgefährlich verletzt haben soll. Der Bus fuhr zur Tatzeit gerade vom Zentralen Busbahnhof los. Der Verletzte befindet sich der Polizei zufolge auf der Intensivstation eines Bonner Krankenhauses. Nach dem bisherigen Erkenntnisstand gab es zwischen dem Tatverdächtigen und dem Opfer keine Vorbeziehung, so die Polizei. Das heißt: Beide Männer kannten sich vor der Tat offenbar nicht. Nur durch das beherzte Eingreifen eines anderen Fahrgastes konnte Schlimmeres verhindert werden, sagt  die Polizei.

Gegen den 55-jährigen mutmaßlichen Täter wurde am Dienstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft ein Haftbefehl wegen Verdachts auf versuchten Mord erlassen. Für einen Mordverdacht müssen bestimmte Merkmale in Betracht gezogen werden können – etwa das Merkmal der Heimtücke. Das heißt, dass „bewusstes Ausnutzen der Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers in feindlicher Willensrichtung“ vorliegen müsste, wie es im Juristen-Deutsch heißt. „Da wir die Tat komplett auf Video haben, können wir davon ausgehen, dass dieses Mordmerkmal erfüllt sein könnte“, erklärt Oberstaatsanwalt Robin Faßbender, Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft Bonn. Der Täter habe zwar inzwischen einige Angaben zur Tat gemacht, so  Faßbender, doch nähere Einzelheiten zum Motiv  und zu den Hintergründen der Tat könnten aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht öffentlich gemacht werden.

Nach einer erster Auswertung  der Faktenlage hatten sich etwa 20 bis 30 Personen zur Tatzeit in dem Linienbus aufgehalten, von denen noch nicht alle namentlich bekannt seien. „Einige sind natürlich sofort raus aus dem Bus und weggelaufen, was ja auch verständlich ist“, sagt Polizeipressesprecher Piontek dem GA. „Einige haben wir noch angetroffen.“ Weitere Zeugen des Vorfalls haben sich im Laufe des Dienstags gemeldet.

Um so viele Zeugen wie möglich zum Tathergang befragen zu können, bittet die Polizei deshalb alle Fahrgäste, die sich in dem Bus befunden und noch nicht mit der Polizei gesprochen haben, sich bei der Kripo zu melden.

Der 52-jährige Busfahrer, der die Linie 601 zur Tatzeit lenkte, befindet sich in psychologischer Behandlung, teilte Veronika John von der Pressestelle der Stadtwerke Bonn (SWB) am Dienstag mit. „Wir wollen natürlich nicht, dass der Fahrer nach dem Ereignis sofort wieder am Lenkrad sitzt“, erklärte sie. Die Stadtwerke hätten inzwischen auch das Videomaterial aus dem Bus der Polizei übergeben. Wie Pater Jürgen Langer von der Notfall-Seelsorge Bonn/Rhein-Sieg berichtet, haben er und seine Kollegen auch noch am Dienstag Augenzeugen der Tat seelsorgerisch betreut.

Die Fahrgäste, die im betreffenden Bus der Linie 601 in Richtung Tannenbusch saßen, melden sich bitte bei der Kripo unter 0228/150.