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Baustelle in der Rabinstraße: Bonner Musiklehrer ärgert sich über fehlende Umleitung

Baustelle in der Rabinstraße : Bonner Musiklehrer ärgert sich über fehlende Umleitung

Kunden der Musikakademie finden den Weg nicht mehr, nachdem die Rabinstraße gesperrt wurde. Die Stadt verweist auf einen Informationsbrief an Anwohner und Gewerbetreibende.

Drei Monate lang hatte Steve H. Stevens seine private Musikschule in der Noeggerathstraße zwangsschließen müssen, nun finden ihn seine Kunden nicht mehr. Seit Montag darf die Music Academy offiziell wieder für den Einzelunterricht öffnen. Doch hat das Tiefbauamt die Rabinstraße für eine Sanierung voraussichtlich bis Ende Mai für die Durchfahrt gesperrt. Nach Staus und zähfließendem Verkehr vor dem Hauptbahnhof hatte das Tiefbauamt, wie berichtet, nachgesteuert: Neben der Umleitung über die Thomas-Mann-Straße wurde die Noeggerathstraße in eine Einbahnstraße Richtung Alter Friedhof umgewandelt. Das entschärfte die Situation.

Für Stevens’ Dozenten und Musikschüler, auch der Mieterschutzbund und die Deutsche Rentenversicherung sitzen auf der Noeggerathstraße, ist das allerdings ein Problem. Früher konnten sie aus beiden Fahrtrichtungen direkt von der Straße Alter Friedhof in die Noeggerathstraße einbiegen, deren Einbahnstraße sonst in die umgekehrte Richtung befahrbar war. Stevens: „Ich bekomme seit Montag Anrufe von meinen Kunden und Dozenten, die nicht mehr wissen, wie sie zu mir kommen können.“ Der Musikschulleiter hat gar nichts gegen den notgedrungenen Bypass einzuwenden. „Ich meine aber, dass die Stadt eine Umleitung ausschildern müsste.“

Komplizierte Umleitung

Derlei Schilder sind allerdings nicht zu finden und auch nicht geplant. „Es ist keine Umleitung ausgeschildert, da die Stadt den einzigen Gewerbetreibenden in der Noeggerathstraße persönlich kontaktiert hat und alle Anwohnerinnen und Anwohner per Anliegerinfo im Briefkasten informiert wurden“, teilte Kristina Buchmiller aus dem Presseamt mit. Stevens sagt, nach seiner Beschwerde habe ihn ein städtischer Mitarbeiter angerufen und erläutert, es sei zu kompliziert, ordnungsgemäß auf die kürzeste Umleitung über den etwas verschlungenen und nicht einfach zu findenden Florentiusgraben hinzuweisen, der auf die Thomas-Mann-Straße führt und von dort in die Noeggerathstraße. Es bestünde eben die Gefahr, dass auch Schwerlaster in die enge Straße führen. Ein Verbotsschild für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen sei wiederum ein Problem, weil über den Florentiusgraben ein Teil des Lieferverkehrs für das Einkaufs- und Sparkassenhaus am Friedensplatz abgewickelt werde.

Den Brief hat Stevens, aber nicht damit gerechnet, dass es keine ausgeschilderte Umleitung gebe. Ihm wird nichts anderes übrig bleiben, als die „geschäftsschädigende“ Verkehrsführung, wie er sie nennt, auf seiner Internetseite all denjenigen verständlich zu erläutern, die mit dem Auto zu ihm kommen wollen. Statt der Fahrt über den Florentiusgraben bleibt als weitere Alternative die Umfahrung des gesamten Cityrings hinter dem Rathaus und am Hauptbahnhof vorbei. Über die mit der Sperrung verbundenen Umleitungen und „fehlendes Fingerspitzengefühl“ hat sich bereits der Einzelhandelsvorsitzende Jannis Vassiliou öffentlich geärgert. Das Parkhaus an der Rabinstraße sei dadurch aus nördlicher Richtung nicht erreichbar. „Aufgrund des nicht gewährleisteten Abflusses der Fahrzeuge im öffentlichen Raum droht in der Markt- und Münsterplatzgarage ein Rückstau bis in die Garagen, ein Zustand, den man aus dem Jahr 2019 bereits kennt“, so Vassiliou. Das sei gerade jetzt unpassend, wo die Geschäfte wieder öffnen dürften.

Ein zunehmendes Verkehrsaufkommen beobachtet Bonns Tiefbauamtsleiter Peter Esch seit Anfang vergangener Woche. Er betonte, dass die Sperrung für Umbau und Sanierung der Rabinstraße zwischen Kreisel und Thomas-Mann-Straße nötig sei, um den Umbau schnell abzuschließen. Das Parkhaus Rabinstraße bleibe über Cityring und Florentiusgraben erreichbar.