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Kessenicher Musikatelier: Bonner Musikschulen kämpfen mit neuen Ideen gegen die Krise

Kessenicher Musikatelier : Bonner Musikschulen kämpfen mit neuen Ideen gegen die Krise

Musikschüler sind demotiviert, die Nerven liegen blank: Am Kessenicher Musikatelier „Sinn & Sein“ fährt man den erschöpfenden Onlineunterricht herunter und unterrichtet ältere Schüler auf eine andere Weise.

Es ist ein ständiges Hin und Her an den Bonner Musikschulen: Mal ist nur Online-Unterricht erlaubt, jetzt wieder Präsenz, aber nur unter bestimmten Bedingungen, und so geht es seit 14 Monaten. Die Stimmung beschreibt Andrea Kuchenbuch von Marios Musikschule als „extremst genervt“. Die Kunden immer wieder auf neue Regeln einzustimmen sei ein „wahnsinniger Aufwand“. Die Schüler seien demotiviert, sagt die Leiterin der gemeinnützigen GmbH. „Die Nerven liegen blank bei Eltern, Schülern, Lehrern und auch bei mir.“

Auch an der privaten Musikschule „Sinn & Sein“ in Kessenich hat sich Erschöpfung breit gemacht. Dort hat man sich jetzt entschieden, im Freien zu unterrichten. Dafür beruft man sich auf die Corona-Schutzverordnung, die musikalischen Einzelunterricht „außerhalb geschlossener Räumlichkeiten“ erlaubt. Die Stadt Bonn erklärt online: „Musikunterricht als Einzelunterricht für Schülerinnen und Schüler bis zum Eintritt in die weiterführende Schule ist zulässig.“

Online-Unterricht soll weitestgehend runtergefahren werden

Das bedeutet: Grundschulkinder dürfen einzeln und in festen Gruppen im Gebäude unterrichtet werden, ältere in einer der drei MusikOasen, die die Schule eingerichtet hat. Das sind ein roter Pavillon im vorderen Gartenbereich, ein gelber Sonnenschirm neben der Eingangstür und die überdachte Terrasse hinter dem Haus. Leiterin Barbara Latz hat vom Bonner Gesundheitsamt grünes Licht dafür bekommen. „Wir wollen den Online-Unterricht, soweit es geht, runterfahren“, sagt sie.

Der funktioniere zwar am E-Piano ganz gut, berichtet auf der Terrasse Schüler Till (12), wenn die Kamera von oben auf die Tastatur gerichtet sei und man die Akkordgriffe sehen kann. „Und zu Hause kann ich auch ohne Maske spielen.“ Aber der direkte Kontakt zu Lehrerin Janina Heil sei auch wichtig. Vor dem Haus, in der „gelben MusikOase“, üben Julia Amlang und ihre Tochter Ella (9) mit Lehrer Karsten Hotter auf der Gitarre „Stairway to heaven“. Beide sind seit Herbst 2018 gemeinsam dabei. Das Lernen sei schwerer online, sagt Ella, und ihre Mutter findet: „In echt macht es mehr Spaß.“

Nachbarn haben sich noch nie beschwert

Hanno (9) ist Grundschüler und wird drinnen am Schlagzeug unterrichtet, sein Bruder Anton (12) in der roten Oase an der Gitarre. Beide bevorzugen die Präsenz: „Bei uns bricht nämlich immer das Internet ab, wenn wir gleichzeitig Videokonferenzen machen“, sagt der Jüngere. Anton findet den Außenunterricht gut. „Nur Regen würde mich irritieren.“

Den Unterricht im Freien ermöglicht das große Außengelände mit viel schallschluckendem Bewuchs in einer ruhigen und toleranten Wohngegend ohne viel Straßenverkehr. Die Nachbarn haben sich laut Latz noch nie beschwert. An vielen anderen Musikschulen geht das nicht, da sie oft zum Beispiel an viel befahrenen Straßen oder Bahnlinien liegen. „Von der Beschallung her ist das völlig unrealistisch“, sagt Kuchenbuch, deren Musikschule auch Filialen in Lessenich und Pennenfeld hat. „Das kann man keinem antun“, sagt sie mit Blick auf die angrenzenden Wohnhäuser. An der Musikschule mut in Oberkassel gab es laut Leiterin Clara Duncker nur vereinzelte Freiluft-Ansätze. „Aber wir werden das wohl auch so anbieten, soweit es bei uns organisatorisch möglich ist.“