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Bonner Nachtflohmarkt: Stöbern mit Gleichgesinnten - So war der Flohmarkt in der Fabrik 45

Stöbern mit Gleichgesinnten : So war der Bonner Nachtflohmarkt in der Fabrik 45

Am Wochenende fand der Nachtflohmarkt in Bonn statt. Er ist Treffpunkt der Subkultur-Szene. Warum der Nachtflohmarkt die Fans der Fabrik 45 an der Viktoriabrücke magisch anzieht - ein Bericht.

Krempel und Krimskrams, Kitsch und Kunst und natürlich jede Menge Klamotten: Hinsichtlich der Auswahl unterscheidet sich der Nachtflohmarkt, der an diesem Samstagabend in der Fabrik 45 stattfindet, nicht von anderen Gebrauchtwaren-Basaren dieser Art. Auch die Größe ist überschaubar, für mehr als 25 Stände ist in den Räumlichkeiten unterhalb der Viktoriabrücke kein Platz.

Und doch herrscht seit 17 Uhr ein ständiges Kommen und Gehen: Zwischen den Tischen mit der ausgelegten Ware drängeln sich die Menschen auf der Suche nach dem einen oder anderen Schnäppchen, nach Ungewöhnlichem und Skurrilem. Warum? Was macht den Reiz aus an dieser Veranstaltung, die so beliebig scheint und doch so speziell ist? „Ich glaube ja, dass wir eine ganz besondere Atmosphäre bieten“, sagt Organisatorin Natascia Cuschié. „Wir haben einen DJ eingeladen, und wir legen auf einen entspannten Ablauf wert. Es ist für die Verkäufer einfach etwas anderes, wenn man erst um 15 Uhr zum Aufbauen kommt statt schon um 9 Uhr morgens.“ Und die Besucher, so Cuschié, genießen es, entweder auf dem Heimweg oder vor dem Abendessen kurz vorbeizukommen und ein wenig zu stöbern.

Dabei kann sich die Fabrik 45 auf eine eingeschworene Gemeinschaft verlassen, die den alternativen Gedanken der Institution zu schätzen weiß. „Ich schaue eigentlich regelmäßig auf der Webseite der Fabrik nach, was es an Veranstaltungen gibt“, erzählt Besucherin Luisa Druselmann. „Ich suche jetzt nichts Bestimmtes, will einfach nur mal schauen, ob ich etwas finde. Der Rheinauenflohmarkt beginnt ja erst im April, insofern ist dieser Nachtflohmarkt eine gute Idee – und vor allem ist er wetterunabhängig.“

Gute Stimmung in der Fabrik 45

Die gute Stimmung in der Fabrik 45 wird von jedem hervorgehoben, der an diesem Abend im Macke-Viertel unterwegs ist. „Ich finde es klasse, dass es diesen Ort gibt“, sagt etwa Marc John, der mit seiner Frau einen kleinen Stand aufgebaut hat und unter anderem DVDs und einen Neopren-Anzug an den Mann oder an die Frau zu bringen versucht. „Mir geht es nicht so sehr um große Erlöse, ich wollte einfach mitmachen und mal sehen, was so passiert.“ Vielleicht findet sich ja sogar der eine oder andere Interessent für seine Kabelsammlung. „Eigentlich sollte das meine Geheimwaffe sein“, sagt Marc lachend. „Aber ernsthaft, es gibt immer wieder Leute, die so etwas suchen.“

So wie Marc geht es vielen Besuchern: Der kommerzielle Gedanke eines Flohmarkts ist in der Fabrik 45 zweitrangig, der Kontakt zu den Menschen wichtiger. Außerdem hält die Subkultur-Szene zusammen. Deshalb ist auch Maria Hülsmann mit ihren handbemalten Kacheln da. Und die beiden Schauspieler Daniel Breitfelder und Johannes Brüssau, die einen Teil ihrer Garderobe abgeben wollen. Um diesen festen Kern herum die anderen, wie Marc oder auch wie Markus, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Normalerweise verkaufe ich nie Sachen beim Flohmarkt, aber diese Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen“, erzählt er. Ob er sein Besteck und die Gläser verkaufen kann, wird sich noch zeigen. Doch die Aktion betreut er nicht. „Ist doch schön hier“, sagt er lachend. Und das ist die Hauptsache.