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Seltene Gelegenheit: Bonner Oper gewährt Blick hinter die Kulissen

Seltene Gelegenheit : Bonner Oper gewährt Blick hinter die Kulissen

Nur selten dürfen die Zuschauer auch einen Blick hinter die Kulissen der Bonner Oper werfen. 22 Kinder und Erwachsene hatten dazu jetzt Gelegenheit - und waren von der Führung sichtlich beeindruckt.

Der Blick hinter die Kulissen des Opernhauses ist nicht jedem vergönnt. Doch 22 Kinder und Erwachsene erhielten jetzt bei einer Führung die Gelegenheit. Sie sahen den sogenannten eisernen Vorhang, schauten in die Schneidereien und erfuhren, wie Perücken entstehen.

Start war der seitlich gelegene Personaleingang. Dort nahm Inga Trost (28) die Familien in Empfang und führte sie durch lange Gänge, schwere Bandschutztüren und über viele Treppen, bis die Besucher in den ersten Reihen des Spielsaals Platz nahmen. „4000 Scheinwerfer sorgen auf der Bühne dafür, dass alles vollständig ausgeleuchtet wird. Im Saal finden 1037 Zuschauer Platz, so wäre fast jeder Gast viermal angeleuchtet“, erzählte Trost.

Auf der Bühne schoben Techniker unterdessen grüne Kulissenteile umher. „Für die Abendvorstellung“. Bühnenmeister Bernd Thiebes nahm sich trotzdem kurz Zeit und beantwortete die Fragen der Besucher. Er zeigte den Gästen den „eisernen Vorhang“: Mit einem klingelnden Warnton fuhr die feuerdichte Wand vor die Bühne. „Wenn es in der Oper brennt, wird der graue Vorhang in Gang gesetzt – dann ist er nicht mehr zu stoppen.“, erklärte Thiebes.

Anschließend marschierten die Besucher hinter die Bühne. In den seitlich gelegenen „Montagehallen“ taten sich riesige Decken auf. Hier warten viele unterschiedliche Kulissen auf ihren Einsatz. „Sie brauchen viel Platz“, erklärte Trost. So seien viele Bauten rund sieben Meter hoch und könnten nur mit Hilfe von Kränen auf die Transportwagen gehievt werden. Auch der Weg zur Bühne sei daher geräumig. „Die Türen zur Bühne sind acht Meter hoch“, informierte die Bonnerin. Ein logistisches Bravourstück, denn bis zu fünf verschiedene Vorstellungen werden in einer Woche auf der Bühne gezeigt. „Das bedeutet auch, dass wir hier fünf verschiedene Kulissen auf- und abbauen“, sagte Thiebes.

Etwas enger wurde es für die Besucher in den Garderoben der Künstler. Mehrere Schauspieler teilen sich einen Raum. „Sie haben ihre eigenen Fächer und Schminkplätze. Eine Dusche und auch ein Klavier zum Einsingen stehen bereit“, erzählte Trost. In der nahe gelegenen Maskenwerkstatt werden unter anderem Perücken hergestellt. Rund 60 Arbeitsstunden benötige laut Trost die Produktion einer Perücke. „Jedes Haar wird einzeln eingeflochten und die Perücke wird passgenau für den Schauspieler gearbeitet“. Für kurzfristige Kostümänderungen stehen in den Herren- und Damenschneidereien rund 30 Nähmaschinen bereit. „Es ist immer eine Reihe von Kostümbildnern da, die während und vor den Veranstaltungen Dienst haben“, sagte Trost.

Die Besucher waren von der Führung sichtlich beeindruckt. „Spannend und interessant“, lautete das allgemeine Fazit. Auch Renate Linden (64) und ihre Enkelin Alexa (11) fanden die Tour sehr gelungen. Schon als Kind sei Linden häufig in der Bonner Oper gewesen. „Ich kenne das Opernhaus daher schon seit den Anfängen“. Besonders schätzt die Bonnerin die „Funktionalität“ der Spielstätte. „Das Gebäude ist nicht schön, aber es ist noch gut in Takt“, findet sie. Von einem Abriss halte Linden daher nichts. „Man kann sicherlich Teile verbessern, aber ein Neubau ist nicht nötig“.

Auch Besucher Hans-Jürgen Macher ist von der Qualität des Spielsaals überzeugt. „Wir sind ab und zu in der Oper; was gespielt wird, finden wir gut“. Ob ein neues Opernhaus gebaut werden soll, dazu will Macher keine Stellung beziehen. „Die Stadt muss beurteilen, was wirtschaftlicher ist“. Jochen Bayer fände einen Neubau schön, hat aber Bedenken: „Wenn man die Kosten bei der Beethovenhalle oder anderen Spielstätten betrachtet, würde ich es eher nicht machen“, sagte er. Begeistert ist Bayer vom Bühnenspiel: „Das Orchester hat sich verjüngt und wir schätzen es, dass es auch einen Kinder- und Jugendchor gibt, so kann man mit der ganzen Familie zu Vorführungen kommen.“ Michael Nehring sieht hingegen Handlungsbedarf: „Ich finde das Gebäude gut, aber nach der Führung muss ich schon sagen, dass an einigen Stellen etwas gemacht werden müsste“, so der Besucher. „Das Haus hat Geschichte, daher wäre es schön, wenn man es mit Restaurierung bewahren könnte.“ Auch eine Angestellte schaut wehmütig auf das Opernhaus: „Es gehört für mich zum Stadtbild, immer wenn ich es sehe, fühle ich mich zu Hause“. Student Florian Kreten (25) hat ein Kulturticket und kommt so „vergünstigt“ in die Oper. „Alle zwei Wochen besuche ich eine Vorstellung“, berichtet er

Die Familienführung im Opernhaus wird zweimal im Monat angeboten. Über den Theaterkalender können die Termine eingesehen werden. Karten sind online und an der Stadtkasse erhältlich. Die Teilnahme kostet für Erwachsene acht  Euro, für Kinder ist die Führung kostenlos.